Karneval und Dosenpfand

(pur). Umweltschützer auf den Kanarischen Inseln wollen sich nicht mehr länger mit den Unmengen an Müll abfinden, die auf den Inseln anfallen und vergraben werden. Sie fordern die Einführung eines Pfandsystems für Getränkeverpackungen nach dem Vorbild des deutschen „Dosenpfands“.
Um die Aufmerksamkeit und Unterstützung der kanarischen Bevölkerung zu erhalten, ließen sich die Umweltschützer eine besonders originelle Aktion einfallen: Sie schickten ihre Kandidatin zur Krönung der „Reina del Carneval 2013“ (Karnevalskönigin) am 6. Februar mit einem beeindruckenden Kostüm aus Getränkeverpackungen an den Start.
Lateinamerikanisches Karnevalstreiben mit karibischen und afrobrasilianischen Klängen auf den Straßen von Santa Cruz und Puerto de la Cruz auf Teneriffa, in Las Palmas und Maspalomas de Gran Canaria der Karneval auf den Kanaren gehört zu den berühmtesten in Spanien. Mit ihrer einfallsreichen Kostümierung üben die Aktivisten Kritik an den Geschehnissen des vergangenen Jahres oder aktuellen Themen – unterstützt von den „Murgas“, Gesangsgruppen, die für ihre satirisch-bösen Texte bekannt sind. Einer der Höhepunkte des Karnevals ist die Wahl der Karnevalskönigin. Dieses Jahr präsentierte sich Sofía Brito, eine der Kandidatinnen für die „Reina del Carneval“, in einem Kostüm, das aus Getränkeverpackungen genäht wurde. Glitzernd, schillernd, transparent und 300 kg schwer sollte das Kostüm aus Plastikflaschen, Weißblechdosen und anderen Materialien ihr Motto unterstreichen: Otro mundo es possible – eine andere Welt ist möglich. „Für mein Kleid wurde die Menge an Abfällen verwendet, die von 300 Familien an nur einem Tag in den Müllcontainer geworfen werden – kein Müll, sondern wertvolle Rohstoffe“, sagt Sofia.

Auf den Kanaren und in ganz Spanien ist der Wechsel zu einer Welt mit weniger Abfällen und mehr Recycling dringend nötig. Jedes Jahr werden 18.600 Millionen Getränkeverpackungen in Spanien verkauft. Aber nur jede dritte Verpackung wird recycelt. Alle anderen Getränkeflaschen und -dosen werden entweder verbrannt oder vergraben, wie auf den Kanarischen Inseln. Alleine auf Teneriffa müssen täglich 2.000 Tonnen Müll entsorgt werden; die Deponien haben ihre Kapazitätsgrenzen bald erreicht. Aber auf einer Insel ist Land ein besonders knappes Gut, insbesondere wenn es sich um eine der wichtigsten Tourismusdestinationen in Europa handelt. 2011 war mit über 12 Millionen Besuchen ein Rekordjahr für die Kanaren; 2,7 Millionen Urlauber kamen aus Deutschland. Auch sie kaufen und trinken Getränke aus Plastikflaschen und Dosen. Sie möchten diesen aber ungern am Strand, im Meer oder entlang der Wanderwege wieder begegnen. Laut Untersuchungen der spanischen Umweltorganisationen werden nur 21 % der Verpackungen recycelt; der Rest landet auf überfüllten Müllhalden, in der Landschaft oder im Meer. Das ist schlecht für den Tourismus und tragisch für die Natur, insbesondere für das Meer und seine Bewohner.

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