Karies: Sprachbarieren erhöhen in Deutschland das Kariesrisiko

Sprachbarieren erhöhen in Deutschland das Kariesrisiko. Um bei Kindern mit Migrationshintergrund sprachbedingte Informationsdefizite zu verringern, hat die Informationsstelle für Kariesprophylaxe IFK ihr fremdsprachiges Broschürenangebot um zwei neue Broschüren erweitert.

Eine aktuelle Dissertation hat zum Thema Karies beschrieben, dass Kinder mit Migrationshintergrund ein fast doppelt so hohes Kariesrisiko im Vergleich zu Kindern ohne ausländische Wurzeln haben. In der Dissertation wurden Hamburger Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren untersucht. Der Studie zufolge litten 39 Prozent der Migrantenkinder unter Karies, dagegen nur 22 Prozent der deutschen Kinder. „Das Wissen um Gesundheits- und Vorsorgeleistungen ist vor allem aufgrund bestehender Sprachbarrieren häufig nicht vorhanden. Dieses Problem können wir sehr häufig beobachten“, sagt Dr. Gudrun Rojas, Fachzahnärztin für Kinderstomatologie und für Öffentliches Gesundheitswesen im Gesundheitsamt der Stadt Brandenburg. Und tatsächlich: Gerade Familien aus anderen Ländern werden durch Prophylaxemaßnahmen schlechter erreicht, da sie aktiv nachgefragt werden müssen. Eine Untersuchung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge zeigte, dass in Deutschland lebende Migranten seltener Gesundheitsvorsorgeleistungen beanspruchen als Deutsche. Die Experten aus Nürnberg stellen diesen Mangel ebenfalls bei zahnärztlichen Kontrolluntersuchungen fest.

Der neue Handzettel „Gesunde Zähne haben gut Lachen“ richtet sich an diejenigen Familien mit nicht perfektem Deutsch. In acht Sprachen (Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Russisch, Türkisch, Rumänisch und Arabisch) wird anhand des Vier-Säulen-Modells die Bedeutung der Kariesprävention einfach und verständlich nahegebracht. Eine abwechslungsreiche und zahnfreundliche Ernährung hat danach die gleiche Bedeutung wie eine gewissenhafte Zahnpflege, die Zufuhr von Fluorid und der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt.

„Um Karies vorzubeugen ist es wichtig, ausreichend Fluoride zuzuführen“, erklärt Prof. Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe und Lehrstuhlinhaber für Zahnerhaltung und Präventive Zahnmedizin an der Universität Witten/Herdecke. „Fluoride hemmen die Bildung von Karies und reparieren beginnende kariöse Stellen, indem sie die Einlagerung von Kalzium und Phosphat in den Zahn fördern. Vielen Migranten ist aber zum Beispiel gar nicht bewusst, dass die lokale Zufuhr von Fluorid nicht nur über die Zahnpasta möglich ist. Auch die konsequente Verwendung von fluoridiertem Speisesalz wird von den zahnärztlichen Fachgesellschaften empfohlen und ist eine einfache sowie preiswerte Möglichkeit, die Fluoridversorgung bereits während des Essens zu verbessern, erklärt Zimmer die vielschichtige Präventionsstrategie.

In Ergänzung zum häuslichen täglichen Zähneputzen spielt die zahnmedizinische Gruppenprophylaxe bei der Prägung gesundheitsorientierter Verhaltensweisen eine wichtige Rolle. Sie wird regelmäßig in Kindergärten und Schulen von Fachkräften des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und den Landesarbeitsgemeinschaften durchgeführt und trägt mit dazu bei, dass Kinder mit gesunden Zähnen groß werden. Der multilinguale Handzettel kann dabei als Sprachhilfe dienen um die Verständigung zwischen Kindern und Erziehern zu erleichtern und Sprachbarrieren zu überbrücken.

„Starke Zähne“ jetzt auch in russischer Sprache

Darüber hinaus wurde die Broschüre „Starke Zähne“ um eine russische Sprachversion ergänzt. Neben den türkisch-stämmigen Migranten zählen die russischen Einwanderer zu den häufigsten Migrantengruppen in Deutschland. Die Broschüre informiert unter anderem über zahnärztliche Vorsorgeuntersuchungen und hält Tipps für die richtige Mundhygiene für Kinder vom Säuglings- bis zum Grundschulalter bereit. Zudem beschreibt sie die optimale Zahnputztechnik. „Gesunde Milchzähne sind nicht nur zum Essen wichtig. Sie dienen der Sprachbildung, der Kieferentwicklung, haben eine hohe soziale Bedeutung und fungieren als Platzhalter für das bleibende Gebiss“, betont Professor Zimmer.

Alle Broschüren als Download und zur Bestellung

Das gesamte Broschürenangebot der Informationsstelle für Kariesprophylaxe finden Interessierte im Internet unter www.kariesvorbeugung.de zum Download. Sämtliche Materialien können auf der Website auch über das digitale Bestellformular beziehungsweise telefonisch (069 / 2470 6822) oder per E-Mail (daz@kariesvorbeugung.de)  angefordert werden. Die Materialien sind in begrenzter Stückzahl kostenlos.

Broschüren-Download und Bestellung: http://kariesvorbeugung.de/broschuerenbest.htm

Quellen:
    •    Steegmann C, Pratsch P, Schiffner U: Milchzahnkaries bei 3- bis 6-jährigen Hamburger Kindern im Jahr 2006. In: Schiffner, U. (Hrsg.): Autoreferate-Band. Wissenschaftliches Programm der 14. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde 2007. Quintessenz, Berlin 2007, S.37
    •    Kohls, M. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.): Morbidität und Mortalität von Migranten in Deutschland. 2011.
    •    Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Hrsg.):  Migrationsbericht 2011.

Weitere Informationen:
Informationsstelle für Kariesprophylaxe
Leimenrode 29
60322 Frankfurt
E-Mail: daz@kariesvorbeugung.de
www.kariesvorbeugung.de

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