Kann Online-Therapie Essanfälle reduzieren?

Wer an unkontrollierbaren Essanfällen und Übergewicht (Binge-Eating-Störung) leidet, kann sich ab September 2010 im Rahmen einer Studie an der Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg behandeln lassen. Ziel der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie ist es, die Wirksamkeit einer neuen Internet-Therapie mit der gängigen ambulanten Einzeltherapie zu vergleichen. Es werden noch Studienteilnehmer gesucht.

Mehr als 1,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden schätzungsweise an einer sogenannten Binge-Eating-Störung mit wiederholten, unkontrollierbaren Essanfällen. Damit ist diese Erkrankung noch vor Magersucht oder Bulimie die am weitesten verbreitete Essstörung. Anders als bei Menschen mit Bulimie kompensieren Betroffene die erhöhte Nahrungszufuhr nicht durch Erbrechen oder exzessiven Sport und leiden daher häufig an Übergewicht. Auslöser für das Binge Eating sind in der Regel unterdrückte, emotionale Probleme.

Psychotherapeutische Einheiten sind jederzeit über Internetportal abrufbar

Teilnehmen können Übergewichtige mit einem Body Maß Index zwischen 27 und 40 kg/m², die unter häufigen Essanfällen leiden. Die Zuteilung zu einer der beiden Behandlungsgruppen erfolgt zufällig. Beide Therapien umfassen neben einem Einführungs- und Abschlussgespräch jeweils 20 psychotherapeutische Sitzungen über einen Zeitraum von vier Monaten.

Bei der Internet-Therapie bzw. Internet-basierten, angeleiteten Selbsthilfe rufen die Teilnehmer die psychotherapeutischen Einheiten über ein speziell gesichertes Internetportal auf: Hier finden sie ein standardisiertes therapeutisches Programm mit Einheiten z.B. zu Impulskontrolle, Ernährung und Körperbild sowie Umgang mit Stress. Zusätzlich nimmt ein Therapeut einmal wöchentlich per E-Mail Kontakt mit den Teilnehmern der Internet-Therapie auf. Sechs Monate nach Abschluss der Therapien werden im Rahmen eines Interviews die Langzeitergebnisse dokumentiert.

Erfolgreich ist die Therapie dann, wenn die Betroffenen gelernt haben, Essanfälle zu vermeiden, und nicht weiter zuzunehmen. Die Heidelberger Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik führt die Therapiestudie im Verbund mit sechs weiteren Universitätsklinika unter der Federführung der Universitätsklinik Erlangen durch.

Interessenten ab 18 Jahren wenden sich bitte an die Abteilung für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik der Universitätsklinik Heidelberg, Tel.: 06221 / 56 37 619 (zwischen 9 und 12 Uhr) oder E-Mail: elisabeth.haefeli@med.uni-heidelberg.de.

Weitere Informationen über die Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik des Universitätsklinikums Heidelberg:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Psychosomatische-und-Allgemeine-Innere-Medizin.106663.0.html

Ansprechpartner:
Priv. Doz. Dr. med. Hans-Christoph Friederich
Leiter der Heidelberger Studiengruppe
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 38 176
E-Mail: hans-christoph.friederich@med.uni-heidelberg.de

Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.600 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.400 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.

www.klinikum.uni-heidelberg.de

Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Diese Pressemitteilung ist auch online verfügbar unter
www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse
(idw, 09/2010)

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