Kalorienzählen war gestern – neue Konzepte für bessere Ernährung

Gegenwärtig leiden weltweit drei Milliarden Menschen vor allem in Entwicklungsländern unter Vitamin- und Mikronährstoffmangel. Weder großangelegte Ernährungsprogramme noch landwirtschaftliche Programme waren bislang erfolgreich bei der Bekämpfung des durch den Nährstoffmangel verursachten verborgenen Hungers und seiner Folgen. Das sind beispielsweise ernährungsbedingte Krankheiten wie Diabetes, Krebs oder Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch massive Entwicklungsstörungen bei Kindern, die ihr Leben lang darunter leiden. Es ist inzwischen nachgewiesen, dass unterernährte Kinder im Erwachsenenalter 30 bis 40 Prozent weniger Einkommen haben als normal ernährte.

Die in Bonn vertretenen Wissenschaftler forderten eine bessere Einbindung der Frauen sowohl in Landwirtschafts- als auch in Ernährungsprogramme. Nur so können Ernährungsgewohnheiten langfristig geändert und Programme bedarfsgerechter gemacht werden. Auch in der Forschung müssen Frauen und ihre spezifischen Bedürfnisse künftig besser berücksichtigt werden. Die beim Science Forum 2013 anwesenden Fachleute bescheinigten ihnen eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Bekämpfung des verborgenen Hungers.

Der neue Blick auf den Hunger ließ die Wissenschaftler auch die eigene Arbeit in einem neuen Licht betrachten. Mit leiser Selbstkritik merkten sie an, die Agrarforschung habe sich in der Vergangenheit viel zu sehr um Ertragssteigerungen bei Pflanzen wie Reis, Mais und Weizen gekümmert und viel zu wenig um Hirse, Linsen, Bohnen oder andere Nahrungspflanzen, die für die Ernährung vor allem der Ärmeren wichtig sind. Das müsse man ändern. Auch Obst und Gemüse wird in der internationalen Agrarforschung künftig eine größere Rolle spielen als bislang.

Gleichwohl kann die Agrarforschung mit erfolgreichen Züchtungen von Nahrungspflanzen aufwarten, die nicht nur gute Erträge bringen, sondern auch mehr Inhaltsstoffe haben als herkömmliche Sorten. So gibt es inzwischen beispielsweise Süßkartoffeln mit einem hohen Vitamin A-Gehalt, erkennbar an ihrem tief orangefarbenen Fruchtfleisch. In Indien gibt es seit einem Jahr eine Hirsesorte mit einem Plus an Eisen und Zink, und in Pakistan Weizen mit einem höheren Zinkgehalt. Die Züchtung dieser mit Mikronährstoffen angereicherten Pflanzen in internationalen Agrarforschungsinstituten ist relativ neu und erfolgt auf herkömmlichem Weg.

Um aber wirklich erfolgreich den verborgenen Hunger bekämpfen zu können, muss das Silodenken ein Ende haben, wie die Wissenschaftler beim Science Forum 2013 immer wieder betonten. Man brauche neue Partnerschaften. Das gelte für die Agrarforschungsinstitute untereinander ebenso wie für die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen oder auch mit Nichtregierungsorganisationen und der Privatwirtschaft. Auch die Politik muss man mit im Boot haben, sonst ist das Scheitern vorprogrammiert.

Veranstalter der internationalen Konferenz „Science Forum 2013 – Nutrition and Health Outcomes: Targets for Agricultural Research“ vom 23.-25. September in Bonn war der Independent Science and Partnership Council der CGIAR. CGIAR ist eine weltweite Partnerschaft von Organisationen, die sich für eine Sicherung der Welternährung einsetzen. Deutschland unterstützt diese Organisationen jährlich mit 20 Millionen Euro. Gastgeber der Konferenz war das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

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