Jörg Vogel erforscht kleine RNA

Salmonellen können schweren Durchfall auslösen, Helicobacter-Bakterien für Magenkrebs verantwortlich sein. Beide Erreger dienen in den Labors von Jörg Vogel als Modellorganismen: An ihnen ergründet der Biochemiker die Rolle kleiner RNA-Moleküle beim Infektionsvorgang.

Den Ribonukleinsäuren (RNA) hat die Biologie früher im Wesentlichen zwei Hauptfunktionen zugewiesen: RNA-Moleküle transportieren die in den Genen enthaltenen Baupläne für Proteine und spielen auch bei der Synthese der Proteine eine tragende Rolle.

Regulatorische RNA gibt es häufiger als gedacht

Kleine RNA-Moleküle können Lebensvorgänge auch regulieren. Das war zwar bekannt, schien jedoch auf einige Sonderfälle bei Bakterien und Viren beschränkt zu sein. "Systematische Analysen haben mittlerweile gezeigt, dass die so genannte sRNA sowohl bei Bakterien als auch in höher entwickelten Zellen viel häufiger vorkommt als gedacht", sagt Jörg Vogel. Das "s" im Namen dieses RNA-Typs steht für "small" (klein).

Die Funktionen der sRNA untersucht Vogels Team mit Methoden der Biochemie, Genetik und Bioinformatik – mit intensivem Blick auf die Wechselwirkungen zwischen den Erregern und ihren Wirten. Ein Schwerpunkt liegt auf den Mechanismen, mit denen kleine RNA-Moleküle Proteine oder andere RNA-Typen regulieren, etwa die so genannte mRNA.

"Wir wollen auch verstehen, wie sich die kleinen RNAs der Wirtszellen als Reaktion auf eine bakterielle Infektion verhalten", erklärt der neue Professor. Hierbei konzentrieren sich die Wissenschaftler auf sehr kleine sRNAs, die aus nur 20 bis 30 Bausteinen bestehen.

Werdegang von Jörg Vogel

Jörg Vogel, geboren 1967 in Cottbus (Brandenburg), hat Biochemie an der Humboldt-Universität in Berlin und am Imperial College in London studiert. Nach der Promotion im Jahr 1999 ging er bis 2001 an die Universität Uppsala in Schweden. Zwei weitere Jahre forschte er als Fellow der Europäischen Molekularbiologie-Organisation EMBO an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Zurück in Deutschland gründete er 2004 eine selbstständige Nachwuchsforschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Von dort wechselte er zum 1. November 2009 auf den Lehrstuhl für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg.

In Würzburg tritt Professor Vogel die Nachfolge von Jörg Hacker an, der im März 2008 als Präsident des Robert-Koch-Instituts nach Berlin ging. In diesem Frühjahr wird Hacker – ebenfalls als Präsident – zur Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften wechseln.

Kontakt: Prof. Dr. Jörg Vogel, Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg, T (0931) 31-82575, joerg.vogel@uni-wuerzburg.de
(idw, 02/2010)

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