Jan Philipp Röer ist Juniorprofessor für Allgemeine Psychologie an der Uni Witten/Herdecke

Jan Philipp Röer ist auf die Juniorprofessur für Allgemeine Psychologie an die Universität Witten/Herdecke berufen worden. Im Zentrum seiner wissenschaftlichen Tätigkeit steht die Erforschung des Arbeitsgedächtnisses. „Woran liegt es eigentlich, dass es unserem Gehirn so schwer fällt, unerwünschte Geräusche zu überhören?“, fasst der 33-Jährige eines seiner Hauptinteressen zusammen. In einem typischen Experiment soll sich eine Versuchsperson eine Reihe von Wörtern merken, während sie Sprache oder Musik auf dem Kopfhörer vorgespielt bekommt. In welchem Umfang hat der Inhalt des Gesagten einen Einfluss auf die Höhe der Störwirkung? Macht es einen Unterschied, ob man die Musik mag oder nicht? Welche Rolle spielen dabei Persönlichkeitseigenschaften und gibt es eine Möglichkeit, sich gegen die Ablenkung zu wappnen? „Das alles sind spannende Fragen, auf die wir gerade erst beginnen, Antworten zu finden“, schildert Röer sein Interesse an dem Forschungsgebiet.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt ist die Untersuchung selektiver Aufmerksamkeitsprozesse über die Lebensspanne. „Lange Zeit ging man davon aus, dass im Alter alles schlechter wird“, stellt er dieses Programm vor. „Das liegt nicht zuletzt daran, dass es in vielen Untersuchungen darum geht, wie effektiv man sich auf eine bestimmte Aufgabe fokussieren kann. Diese Fähigkeit scheint in der Tat mit dem Alter abzunehmen“, erklärt Röer. „Allerdings“, führt er weiter aus, „ist das nur die eine Seite der Medaille. Ältere Personen sind dadurch gleichzeitig empfänglicher für Reize in ihrer Umgebung. Von Aufgaben zum kreativen Denken und Problemlösen zum Beispiel ist bekannt, dass ein breiter Aufmerksamkeitsfokus sich förderlich auf die Leistung auswirkt.“ Solche positiven Effekte des Alterns will der Juniorprofessor auch experimentell im neu eingerichteten Labor im Wittener Forschungs- und Entwicklungszentrum untersuchen: „Ich kann es kaum erwarten, bis es endlich losgeht!“.

Außerdem interessiert sich Röer für Gedächtnisphänomene wie den „Survival-Processing“-Effekt, bei denen es um das Lernen ohne Lernabsicht geht. „Das meiste Wissen, das wir im Laufe unseres Lebens ansammeln, haben wir beiläufig erworben“, weiß der Jungwissenschaftler zu berichten. „Viele Forscher gehen davon aus, dass in unseren Gehirnen noch deutliche Spuren unserer steinzeitlichen Vergangenheit zu finden sind und dass wir Informationen umso besser erinnern, je relevanter sie für unser Überleben sind“, führt Röer weiter aus. „Tatsächlich ist die Gedächtnisleistung für Wörter, die hinsichtlich ihrer Relevanz in einer fiktiven Überlebenssituation beurteilt wurden, besonders hoch. Das muss aber nicht zwangsläufig auf eine evolutionäre Erklärung hindeuten“, gibt Röer zu bedenken, es könne auch an allgemeinen Gedächtnisprinzipen wie der Außergewöhnlichkeit der Aufgabenstellung liegen, dass die Wörter besonders gut in Erinnerung bleiben. „Wir reden hier über ein sehr junges Forschungsfeld“, fasst Röer zusammen, „Es bleibt also auf jeden Fall spannend!“.

Vor seiner Berufung an die Universität Witten/Herdecke hat Prof. Dr. Röer an der University of Reading in Großbritannien und an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf geforscht und gelehrt. Er ist Träger zahlreicher Wissenschaftspreise und hat zuletzt ein DFG-Projekt zum Einfluss von Lärm auf das kurzfristige Behalten geleitet. „Ich bin wahnsinnig herzlich von meinen neuen Kollegen aufgenommen worden“, berichtet Röer von seinen ersten Wochen am Department für Psychologie. Einen nachhaltigen Eindruck haben anscheinend auch die Studierenden hinterlassen. „Ich wurde zwar vorgewarnt“, sagt Röer mit einem Augenzwinkern, „aber mit so viel Enthusiasmus habe ich dennoch nicht gerechnet. Wenn ich in der Vorlesung eine Frage in die Runde gebe, dann kann es schon mal vorkommen, dass sich eine 20-minütige lebhafte Diskussion entwickelt“, erzählt der Neuberufene. „In einer meiner ersten Veranstaltungen habe ich, ohne es zu merken, fast zehn Minuten überzogen, bevor einer der Studierenden mich höflich darauf aufmerksam machte, dass es gerade zwar wirklich sehr interessant sei, sie aber jetzt langsam mal los müssten zur nächsten Veranstaltung“, berichtet Röer lachend. „Das ist mir so auch noch nicht passiert!“.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Jan Philipp Röer, 02302 / 926-475, Jan.Roeer@uni-wh.de

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