Jahrestagung 2019 – Wissenschaft zum Wohl der Patienten

Göttingen / Berlin, 27. Juni 2019 – Kaum ein anderes Fach ist von einem solch ausgeprägten Innovationsschub gekennzeichnet wie die Hämatologie und Medizinische Onkologie. Insbesondere die Immuntherapie und die ersten Ansätze zur Gentherapie revolutionierten die Behandlung von Blut- und Krebserkrankungen. Auf der Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie vom 11. bis 14. Oktober 2019 in Berlin diskutieren und bewerten Expertinnen und Experten im interprofessionellen Dialog neueste Daten aus der Grundlagen-, der angewandten und der translationalen Forschung sowie innovative Behandlungsansätze wie die Therapie mit CAR T-Zellen. Mit 648 eingereichten freien wissenschaftlichen Beitragen unterstreicht die Jahrestagung ihre zentrale Rolle als wissenschaftlicher Kongress für den Bereich der Diagnostik und Therapie von Blut- und Krebserkrankungen im deutschsprachigen Raum.

Bedeutung systemmedizinischer Forschung nimmt zu

Dass die Hämatologie und Medizinische Onkologie in einem ganz besonderen Maße von Innovationen geprägt ist, macht der diesjährige Kongresspräsident
Prof. Dr. med. Lorenz Trümper, Direktor der Klinik für Hämatologie und Medizinische Onkologie der Universitätsmedizin Göttingen, deutlich: „Die Ergebnisse genomischer und weiterer Hochdurchsatz-Omics-Daten und der konventionellen molekularen Bildgebung sowie deren Integration mit ‚real life‘-Patientendaten stehen im Fokus der systemmedizinischen Forschung in unserem Fachgebiet.“ Dieses neue Wissen, das sowohl mit Blick auf die Tiefe als auch auf die Breite dramatisch zunehme, müsse nun in Form „gezielter“, personalisierter Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Blut- und Krebserkrankungen im Rahmen von klinischen Studienkonzepten eingebracht und evaluiert werden, so Trümper. Weitere zentrale Themen der Jahrestagung sind die Digitalisierung und die Integration von „Big Data“ in die klinische Entscheidungsfindung.

CAR T-Zelltherapie als Erfolgsmodell?

Inhaltliche Schwerpunkte der diesjährigen Jahrestagung sind u. a. die gezielte Tumortherapie im Rahmen von immun- und zelltherapeutischen Ansätzen. Dabei hat in den letzten Jahren vor allem die Therapie mit CAR T-Zellen (chimären Antigen-Rezeptor-T-Zellen) für großes Aufsehen gesorgt. Bei der Therapie mit
CAR T-Zellen werden die T-Zellen des Patienten gentechnisch verändert und mit einem antigenspezifischen Rezeptor ausgestattet. Bisher sind zwei Arzneimittel zugelassen. Axicabtagen-Ciloleucel wird beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom, beim transformierten follikulären Lymphom oder beim primär mediastinalen B-Zell-Lymphom eingesetzt, Tisagenlecleucel beim diffusen großzelligen B-Zell-Lymphom oder beim transformierten follikulären Lymphom.

„Wir werden in den nächsten Jahren mit großer Sicherheit eine Indikationserweiterung bei der Therapie mit CAR T-Zellen sehen“, so Trümper. So liefen derzeit Studien u. a. zum Multiplen Myelom, Lungenkarzinom, Mesotheliom, Glioblastom und Sarkom. „Besonders bei der Behandlung von soliden Tumoren sehen wir noch die Herausforderung, dass nur eine geringe Anzahl von Antigenen auf Tumorzellen bekannt ist, die potenzielle Ziele für die Therapie mit CAR T-Zellen darstellen.“ Dazu komme die große Heterogenität solider Tumoren und der Umstand, dass solide Tumoren nicht selten von Zellen umgeben sind, die das Immunsystem hemmen.

Wissen braucht Engagement

Dass die Umsetzung der vielen Innovationen im Bereich der Hämatologie und Medizinischen Onkologie in der praktischen Patientenversorgung maßgeblich von der Sicherung des wissenschaftlichen und medizinischen Nachwuchses abhängt, betont Prof. Dr. med. Michael Hallek, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO und Direktor der Klinik I für Innere Medizin an der Universitätsklinik Köln und des Centrums für Integrierte Onkologie.

„Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ist von einer signifikanten Zunahme der Krebserkrankungen auszugehen – sowohl bei den Inzidenzen als auch bei den Prävalenzen. Wir brauchen in den kommenden Jahren also exzellent ausgebildete Kolleginnen und Kollegen, die sich für unser Fach begeistern“, macht Hallek deutlich. So wird im Rahmen des diesjährigen Kongresses – neben dem bereits etablierten Studententag – erstmals ein Symposium zur studentischen Ausbildung in der Hämatologie und Medizinischen Onkologie mit einer eigenen Abstract-Kategorie angeboten. Darüber hinaus findet – ebenfalls erstmals – ein Assistententag speziell für Assistenzärztinnen und -ärzte statt. Themen sind: Zukunft des Fachgebiets und Weiterbildung, Arbeitszeitmodelle, Wie geht meine Karriere weiter?

„In unserem Fach nimmt das Wissen mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit zu – und damit steigen auch die Möglichkeiten, die uns in Diagnostik und Therapie zur Verfügung stehen. Einen wirklichen Wert hat diese ausgesprochen intensive inhaltliche Dynamik aber nur durch das große fachliche und persönliche Engagement unserer jungen Kolleginnen und Kollegen. Durch sie gelangt das Wissen und die Dynamik erst zu unseren Patientinnen und Patienten“, betont Hallek.

Ausführliche Informationen unter: www.haematologie-onkologie-2019.com

Über die DGHO
Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. besteht seit über 80 Jahren und hat heute 3.500 Mitglieder, die in der Erforschung und Behandlung hämatologischer und onkologischer Erkrankungen tätig sind. Mit ihrem Engagement in der Aus-, Fort- und Weiterbildung, mit der Erstellung der Onkopedia-Leitlinien, mit der Wissensdatenbank, mit der Durchführung von Fachtagungen und Fortbildungsseminaren sowie mit ihrem gesundheitspolitischen Engagement fördert die Fachgesellschaft die hochwertige Versorgung von Patientinnen und Patienten im Fachgebiet.

Über die OeGHO
Die Österreichische Gesellschaft für Hämatologie & Medizinische Onkologie hat sich zum Ziel gesetzt, die Betreuung von Patientinnen und Patienten österreichweit an den höchsten Standard heranzuführen. Die OeGHO zählt als Fachgesellschaft aktuell ca. 800 Mitglieder, von denen ein Großteil Fachärzte oder Fachärztinnen für Innere Medizin mit Additivfach Hämatologie und Internistischer Onkologie sind. Neben der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften, der Festlegung von Standards für die Facharztausbildung und Ausbildungsstätten und der Erarbeitung von Leitlinien will die OeGHO die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen allen an der Krebstherapie Beteiligten und die Forschung auf dem Gebiet der Hämatologie und Onkologie aktiv fördern.

Über die SGMO
Die Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO) vereinigt als medizinische Fachgesellschaft Ärztinnen und Ärzte, die auf die Erforschung, Diagnose und Behandlung bösartiger solider Tumoren und hämato-onkologischer Erkrankungen spezialisiert sind. Seit der Gründung der SGMO im Jahre 1999 hat ihre Mitgliederzahl stetig zugenommen und erreicht heute 400 ordentliche und außerordentliche Mitglieder. Die SGMO vertritt die standespolitischen Interessen der medizinischen Onkologen und setzt sich für Forschung, Weiter- und Fortbildung ein.

Über die SGH
Die Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie (SGH) ist die medizinische Fachgesellschaft der Ärztinnen und Ärzte mit dem Facharzttitel Hämatologie. Sie hat folgende Zielsetzungen: Die Förderung der Hämatologie in der Schweiz, die Forschungsförderung, die Weiter- und Fortbildung und die Wahrung der beruflichen Interessen der Hämatologen in der Schweiz sowie die Förderung der Kollegialität unter den Mitgliedern. Die SGH zählt 325 Mitglieder.

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