Ist Adipositas eine Frage des sozioökonomischen Status?

Adipositas gilt als globales Public Health Problem. Menschen mit Adipositas sind dabei nicht nur von physischen Einschränkungen und Folgeerkrankungen betroffen sondern auch von Stigmatisierung und struktureller Diskriminierung in vielen Lebensbereichen, wie beispielsweise im Gesundheitssystem, im Bildungssektor sowie auf dem Arbeitsmarkt. In vorangegangenen Studien wurde insbesondere die Perspektive der Betroffenen untersucht, wobei die Frage, durch wen Stigmatisierung erzeugt wird, bisher noch nicht vollumfänglich untersucht worden ist.

Sowohl die Erkrankung selbst als auch die Wahrnehmung von Adipositas scheinen mit sozioökonomischen Faktoren, wie Bildung und Einkommen, zusammenzuhängen. Zum einen zeigten Studien, dass insbesondere Menschen mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status von der Erkrankung betroffen sind. Zum anderen wird Adipositas – je nach Region – unterschiedlich wahrgenommen. In Entwicklungsländern galt ein erhöhter Body Mass Index lange Zeit als Zeichen von Schönheit, Gesundheit und Wohlstand, wohingegen Adipositas in hochentwickelten Industrienationen negativ wahrgenommen wird. Folgt man den soziologischen Theorien Pierre Bourdieus gelangt man zu der Hypothese, dass Menschen mit einem hohen sozioökonomischen Status dazu tendieren, sich von Menschen mit einem niedrigeren Status, der eben auch durch Adipositas gekennzeichnet sein könnte, zu distanzieren.

Prof. Dr. habil. Claudia Luck-Sikorski, Vizepräsidentin der SRH Hochschule für Gesundheit, Prof. Dr. Thomas Fankhänel, Studiengangsleiter Gesundheitspsychologie (B. Sc.), und Marie Bernard, wissenschaftliche Mitarbeiterin, veröffentlichen nun eine systematische Literaturübersicht in der sie der Frage nachgingen ob Stigmatisierung und Diskriminierung vom sozioökonomischen Status abhängig sind. Die systematische Literaturübersicht fasst bisher veröffentlichte Studienergebnisse zusammen. Dabei konnten keine eindeutigen Verbindungen zwischen sozioökonomischen Status und Stigmatisierung bzw. Diskriminierung von Menschen mit Adipositas festgestellt werden. Analysiert man allerdings die Studienergebnisse nach ihrer Herkunft, lassen sich Unterschiede ausmachen, je nachdem welche kulturellen und staatlichen Strukturen in den jeweiligen Untersuchungsländern vorliegen.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Marie Bernard
Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Evaluationsstudie des DiaLife-Programms
E-Mail: marie.bernard@srh.de
Campus Gera
Telefon: +49 365 773407-42

Originalpublikation:
Bernard, Marie; Fankhänel, Thomas; Riedel-Heller, Steffi G.; Luck-Sikorski, Claudia (2019b): Does weight-related stigmatisation and discrimination depend on educational attainment and level of income? A systematic review. In: BMJ open 9 (11), e027673. DOI: 10.1136/bmjopen-2018-027673.

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