Internetportal Cureus.com will den wissenschaftlichen Austausch verbessern

Die Ähnlichkeit zum englischen Wort für neugierig (curious) ist nicht zu übersehen. Und tatsächlich, mit ihrem Vorhaben lenken die Betreiber der Internet-Plattform www.cureus.com das Interesse der Mediziner auf sich. Cureus will nichts weniger als die Praxis der wissenschaftlichen Publikation revolutionieren. „Ein neues Zeitalter Experten-geprüfter wissenschaftlicher Magazine“ überschreibt Prof. John Adler, einer der Gründer von cureus.com, sein Editorial. Adler ist ein weltweit renommierter Neurochirurg von der Stanford Universität in Kalifornien, er hat in seiner Laufbahn schon viele Aspekte der Begutachtung (peer-review) in Fachzeitschriften erfahren und erlebt. Die Probleme bei diesem Verfahren sind vielfältig. „Wissenschaftliche Beiträge von Frauen oder Nicht-Akademikern werden seltener angenommen“, schreibt John Adler. Zudem dauere es aufgrund dieser Methode oft sehr lange, bis eine neue wissenschaftliche Studie veröffentlicht werde. „Cureus.com hingegen ist eine Möglichkeit, wissenschaftliche Publikationen zeitnah zu publizieren und darüber mit der Fachwelt zu diskutieren“, sagt Dr. Marcus Schlemmer von der Medizinischen Klinik III der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München am Campus Großhadern. „Wir brauchen einen guten Review-Prozess, aber ohne beispielsweise das Ungleichgewicht zwischen europäischen und US-amerikanischen Beiträgen.“ Denn noch immer ist es für die US-Forscher leichter als für Europäer, in den entsprechenden Journals zu publizieren.

Qualitätsmerkmal etablieren
Eine wesentliche Hürde bei der Akzeptanz der online-Plattform bei Forschern dürfte der fehlende Impact-Faktor darstellen. Der Impact-Faktor ist in der Wissenschaftswelt so etwas wie die Reputationswährung. Jeder veröffentlichte Artikel bringt eine gewisse Punktzahl – je höher ein Journal in seiner Bedeutung eingeschätzt wird, umso mehr Punkte bringen die darin publizierten Studien. Die Punktzahl ist für die Karriere von Wissenschaftlern von großer Bedeutung. Daran hängen oftmals die Bewilligung von Forschungsgeldern, Berufungen auf neue Positionen sowie Ehrungen und Preise. Cureus arbeitet hier mit dem sogenannten SIQ-Wert (Scholarly Impact Quotient), der sich daraus ergibt, wie viele bei cureus angemeldete Fachleute einen Artikel lesen und wie sie ihn bewerten. Bewertungen von Mitgliedern des Editorial Boards oder Gutachtern werden dabei höher eingestuft. Ziel muss nun sein, den SIQ-Wert als Qualitätsmerkmal zu etablieren.

Für junge Forscher aber bietet cureus.com schon jetzt eine einzigartige Möglichkeit, sich Aufmerksamkeit zu verschaffen. „Der Poster-Wettbewerb ist für Nachwuchswissenschaftler eine Chance, ihre Arbeit international bekannt zu machen“, sagt Prof. Christiane Bruns von der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Transplantations-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am LMU-Klinikum. Bruns ist eine von insgesamt fünf LMU-Medizinern im Editorial Board der Plattform, an der sich bereits über 180 internationale Experten beteiligen. „Auf Kongressen erhalten Poster oft nur wenige Minuten Beachtung. Das wird jedoch der hohen Qualität der Arbeit oft nicht gerecht“, betont die Chirurgin. „Zudem kann ein Poster die Vorstufe zu einer richtigen wissenschaftlichen Publikation sein, da ist es gut, frühzeitig Feedback zu bekommen.“ Den ersten Wettbewerb hat Matthew LaVelle von der Wayne State University School of Medicine gewonnen. Teilnehmer aus Deutschland waren in der Unterzahl. „Gerade vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität sollten sich mehr junge Forscher beteiligen, zumal man auch jene Poster einreichen kann, die schon auf Kongressen präsentiert worden sind“, erklärt Christiane Bruns.

Vorbild Wikipedia
So sieht das auch der Mitbegründer von cureus.com, Privat-Dozent Dr. Alexander Muacevic. Der Neurochirurg ist einer der ärztlichen Leiter des Europäischen Cyberknife Zentrums München-Großhadern, einem Kooperationspartner des LMU-Klinikums. „Beim Poster-Wettbewerb werden zudem in den einzelnen Fachdisziplinen nochmals die jeweils Besten gekürt. Die Chancen, hier auf seine Forschung international aufmerksam zu machen, sind also relativ hoch“, sagt Muacevic. „Und anders als bei Kongressen, bleiben die Poster dauerhaft verfügbar und können online diskutiert werden.“ Generell wollen Adler und Muacevic über cureus.com den wissenschaftlichen Austausch verbessern und beschleunigen. Dies ist insbesondere interessant für Beiträge aus der Medizintechnik und dem Pharmabereich, wo Geschwindigkeit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor ist. Im Internetzeitalter ist es nötig, zeitnah Ergebnisse zu veröffentlichen. „Letztlich steckt auch die Idee der Schwarmintelligenz, des sogenannten crowdsourcing dahinter, so wie bei Wikipedia“, sagt John Adler. „Wenn viele etwas zu einem Thema beitragen, ist womöglich schneller ein besseres Ergebnis zu erzielen.“

Der nächste Poster-Wettbewerb startet im Frühjahr 2013 unter www.cureus.com

Kontakt:
PD Dr. Alexander Muacevic
E-Mail: alexander.muacevic@cureus.com
PO Box 61002
Palo Alto, CA 94306
Tel: (+49)0172 4407680

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