Internationales Symposium zur Depressionsforschung

Pressemitteilung

Heidelberg, 6. November 2013

Internationales Symposium zur Depressionsforschung
Deutsch-chilenisches Doktorandenkolleg befasst sich mit kulturellen Bedingungen depressiver Erkrankungen

Mit dem Einfluss kultureller Bedingungen auf depressive Erkrankungen beschäftigt sich ein internationales Symposium, das vom 13. bis 15. November 2013 an der Universität Heidelberg stattfindet. Vorgestellt werden dabei Forschungsarbeiten eines deutsch-chilenischen Doktorandenkollegs, in dem sich junge Wissenschaftler beider Länder mit dieser Thematik auseinandergesetzt haben. Das 2007 eingerichtete Kolleg wurde von Wissenschaftlern der Ruperto Carola und Kollegen von zwei Universitäten in Santiago de Chile – der Pontificia Universidad Católica de Chile und der Universidad de Chile – betreut. Zum Abschluss des Kollegs sollen nun die Ergebnisse der Promotionsprojekte diskutiert werden. Ergänzend dazu sind Schlüsselvorträge international renommierter Forscher geplant.

„Ob und inwieweit kulturelle Bedingungen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung einer psychischen Störung maßgeblich sind, rückt in einer globalisierten Welt zunehmend ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Die Depression, bei der weltweit die Erkrankungszahlen stetig steigen, steht dabei besonders im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen“, erklärt Prof. Dr. Annette Kämmerer vom Psychologischen Institut der Universität Heidelberg. Die Wissenschaftlerin ist gemeinsam mit Prof. Dr. Manfred Cierpka vom Institut für Psychosomatische Kooperationsforschung und Familientherapie des Universitätsklinikums Heidelberg auf deutscher Seite für das Kolleg verantwortlich. Die Doktoranden waren aufgefordert, Theorien zur Ursache von Depressionen – etwa zum Einfluss der Persönlichkeitsstruktur oder zur Bedeutung von Scham- und Schulderleben – in beiden Ländern in der Praxis zu untersuchen und dabei auch auf den Einfluss von Kultur auf die Entstehungsursachen einzugehen.

„Anhand der Ergebnisse aus den Promotionsprojekten zeichnet sich ab, dass es für die Depression einen universell gültigen Modus des Erlebens gibt, der durch Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Leere gekennzeichnet ist. Was sich allerdings kulturell unterscheidet, ist der Ausdruck der Depression, der in Chile stärker anklagend und fordernd ist, während er in Deutschland eher durch Rückzug und Unterwürfigkeit gekennzeichnet ist“, erklärt Prof. Kämmerer. Auch die Auslösesituationen unterscheiden sich in beiden Ländern: Wie die Wissenschaftlerin betont, hat beispielsweise der familiäre Zusammenhalt in Chile eine vergleichsweise größere Bedeutung als in Deutschland und bietet somit auch häufiger einen „Nährboden“ für Konflikte, die unter Umständen in Depressionen münden könnten.

Das Kolleg wurde aus Mitteln der Landesgraduiertenförderung und der Baden-Württemberg Stiftung gefördert. In den beiden Förderphasen von 2007 bis 2010 und von 2010 bis 2013 konnten insgesamt 25 Promotionsstipendien – 14 in Deutschland und elf in Chile – vergeben werden. Die Doktoranden kamen regelmäßig zu Treffen zusammen, abwechselnd in Heidelberg oder in Santiago de Chile. „Eine wichtige Koordinationsfunktion kam dabei dem Heidelberg Center Lateinamerika in Santiago de Chile zu“, betont Prof. Kämmerer.

Informationen im Internet:

Hinweis an die Redaktionen:
Das Symposium beginnt am Mittwoch, 13. November, um 13 Uhr und findet im Hörsaal 1 des Psychologischen Instituts statt. Am Donnerstag, 14. November, folgen die Schlüsselvorträge in der Aula der Alten Universität, Beginn ist um 9.00 Uhr. Für das Symposium ist eine Anmeldung per E-Mail an erforderlich.

Kontakt:
Prof. Dr. Annette Kämmerer
Psychologisches Institut
Telefon (06221) 54-7290

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