Internationales Symposium zu Determinanten psychischer Störungen

Psychische Erkrankungen sind weltweit in allen Kulturen anzutreffen. Für das Jahr 2020 prognostiziert die WHO, dass beispielsweise depressive Störungen die zweithäufigsten Erkrankungen überhaupt sein werden, die zu einem Leben mit Behinderung führen („years lived with disability“). Unter den zehn häufigsten Erkrankungen rangieren heute außerdem Angsterkrankungen, Suchterkrankungen und Schizophrenien.
Eine derartige Zunahme psychischer Störungen scheint sich jedoch stärker in den entwickelten Ländern abzuzeichnen. Unklar ist daher, warum trotz verbesserter Gesundheitsvorsorge und Lebensbedingungen psychische Erkrankungen auf dem Vormarsch zu sein scheinen.
Die Evolutionäre Psychiatrie bietet als eine mögliche Antwort die These an, dass ein „Mismatch“ zwischen Anpassungen des psychischen Apparates an ursprüngliche Umwelten und der Konfrontation mit „modernen“ Umwelten ursächlich an einer Zunahme psychischer Erkrankungen beteiligt ist.
Gegenwärtige psychiatrische Forschung konzentriert sich dagegen einseitig auf die genetischen Grundlagen psychischer Störungen. Allerdings ist hier eine gewisse Ernüchterung eingetreten, weil die Hypothese der „Suszeptibilitätsallele“ nur kleine Anteile der statistischen Varianz erklären kann. Zudem können genetische Dispositionen die Zunahme psychischer Störungen in derart kurzer Zeit, wie von der WHO prognostiziert, nicht erklären, weil sich Änderungen im Genpool einer Population nicht innerhalb so kurzer Zeiträume einstellen können. Es müssen also Anlage-Umwelt-Interaktionen an der Auslösung psychischer Erkrankungen beteiligt sein.
Das komplexe Zusammenspiel von Anlage und Umwelt für die Entstehung psychischer Erkrankungen zu verstehen, ist die Domäne der Evolutionären Psychiatrie. Dies umfasst eine sorgfältige Analyse verschiedener Ebenen von Erleben und Verhalten, einschließlich ontogenetischer Gesichtspunkte (etwa vorgeburtliche und frühkindliche Entwicklung) sowie der beteiligten psychischen Funktionskreise und Mechanismen. Ziel einer derart differenzierten Analyse ist es, psychische Störungen nicht als qualitativ verschieden von gesundem Erleben und Verhalten aufzufassen, sondern als pathologische Extremvarianten ursprünglich angepasster Verhaltensweisen.
Die Konferenz über psychische Störungen als menschliche Universalien stellt sich die Aufgabe, diese unterschiedlichen Faktoren am Beispiel der häufigsten psychischen Störungsbilder herauszufiltern.
Diese Konferenz wird durch die VolkswagenStiftung großzügig unterstützt. Dadurch können die Veranstalter bis zu 15 Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern (Disziplinen: Medizin, vor allem Psychiatrie; Neurowissenschaften, Anthropologie, Philosophie, Psychologie, Humanbiologie, Genetik) eine weitgehend kostenfreie Teilnahme an der Konferenz ermöglichen (Konferenzteilnahme, Übernachtungskosten, teilweise Erstattung von Anreisekosten).
Organisation: Prof. Dr. Martin Brüne (Bochum), Prof. Dr. Reto Weiler (Delmenhorst), die Tagungssprache ist Englisch.

Die 15 Plätze werden im Rahmen eines Bewerbungsverfahrens vergeben. Das Tagungsprogramm, Hinweise zum Bewerbungsverfahren und das Bewerbungsformular stehen auf der Internetseite des Hanse-Wissenschaftskollegs zum Download bereit (http://www.h-w-k.de/index.php?id=1733).

Ansprechpartner: Wolfgang Stenzel, Hanse-Wissenschaftskolleg, Lehmkuhlenbusch 4, 27753 Delmenhorst, Tel: 0 42 21 91 60-103, E-Mail: wstenzel@h-w-k.de

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