Internationale Tagung der Proteom-Forscher in Jena

Proteomik beschreibt die Analyse der Gesamtheit aller Proteine in einer Zelle, einem Gewebe oder einem Organismus. Im Unterschied zur Genomik, die alle Gene eines Organismus erfasst, ist das Proteom bedeutend vielfältiger. Der Mensch besteht aus rund 30.000 Genen. Im Gegensatz dazu besitzt er aber mehr als 250.000 Proteine − und diese unterschiedlich verteilt in Zellen und Organen, je nachdem, was die Zellen oder Organe bewerkstelligen müssen. Oder anders gesagt: Jeder Mensch besitzt ein Genom, aber viele Proteome − je nachdem, ob er krank oder gesund, jung oder alt, entspannt oder gestresst ist. Die unterschiedlichen Proteinzusammensetzungen entscheiden nicht nur über die Funktion eines Gewebes oder Organs, sondern dienen inzwischen auch als Indikator für Fehlfunktionen und somit beispielsweise zur Früherkennung von Krebs- und anderen Krankheiten. Die aktuelle Proteomforschung nutzt enzymatische, massenspektrometrische und bioinformatische Methoden, wodurch einzelne Proteine im Schnellverfahren sequenziert werden können. Mit Hilfe der Sequenzinformation werden Mutationen sofort erkannt und Rückschlüsse auf eventuell gestörte oder veränderte Genfunktionen ermöglicht.

Der Schwerpunkt der diesjährigen Central and Eastern European Proteomics Conference liegt auf neuen Entwicklungen und neuen Anwendungen in der Medizin sowie der Erforschung von Wechselwirkungen zwischen Organismen, einschließlich Mikroben. Hinzu kommt die Vorstellung neuer technischer Verfahren der Hochdurchsatzanalyse sowie Quantifizierung und Kleinstauflösung von Proteomen im Einzelzellbereich. Besonders Augenmerk werden die Vorträge über ein neues Teilgebiet der Proteomforschung bekommen: die „Interactomics“. Hierunter verbirgt sich die genaue Erforschung und Erfassung der – wie man inzwischen weiß – lebenswichtigen Wechselwirkungen bestimmter Proteine. Nicht das Vorhandensein eines Proteins, sondern dessen Interaktion mit einem bestimmten „Proteinpartner“ macht nicht selten die eigentliche Lebensfunktion aus. Typische und bereits gut erforschte Beispiele sind Proteinwechselwirkungen im Verlauf der Genausprägung oder im Zellzyklus. Sogar die sogenannte „innere Uhr“, die wahrscheinlich alle Lebewesen haben, beruht auf Protein-Protein Interaktionen.

Die Veranstaltung bietet Forscherinnen und Forschern, insbesondere jungen Nachwuchswissenschaftlern aus Mittel- und Osteuropa, die Möglichkeit, sich mit führenden Experten der Proteomik auszutauschen. Die Tagung wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie von zehn Firmen finanziell unterstützt.

Weitere Informationen von
Dr. Aleš Svatoš, Max-Planck-Institut für chemische Ökologie, , +49 3641 57 1700

Veranstaltungswebseite:

Kontakt und Bildanfragen
Angela Overmeyer M.A., MPI für chemische Ökologie, Hans-Knöll-Str. 8, 07743 Jena, Tel.: 03641 57-2110,

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