Internationale Experten tauschten sich über Autoimmunerkrankungen der Haut aus

Ziel des internationalen Symposiums unter dem Titel „Pemphigus – from autoimmunity to disease”, das von den Dermatologen Professor Dr. Michael Hertl und Professor Dr. Matthias Goebeler geleitet wurde, war der wissenschaftliche Austausch zu einer schweren Autoimmunerkrankung der Haut, dem Pemphigus. Der Pemphigus ist eine Hauterkrankung, bei der durch Antikörper, die sich gegen Haftstrukturen der Haut richten, Blasen an Haut und Schleimhäuten entstehen, die unbehandelt zum Tod führen können. „Die seltene Erkrankung ist nicht nur für Kliniker und Immunologen, sondern auch für Zellbiologen, Rheumatologen, Dermatologen und Hämatologen interessant, da sie bereits gut erforscht ist und dadurch als Modellerkrankung für andere Autoimmunerkrankungen zu sehen ist“, erklärt Hertl. Unter seiner Leitung wird seit 2008 ein europäisches Netzwerk zum Thema koordiniert (http://www.pemphigus.eu/). Rund 120 internationale Experten folgten der Einladung zum 2. Von Behring-Röntgen-Symposium nach Marburg, um verschiedene Aspekte des schweren Krankheitsbildes zu diskutieren, aktuelle Erkenntnisse zur Krankheitsentstehung und dadurch verbesserte Diagnostik sowie neue Behandlungskonzepte vorzustellen.

„Wir wollen die internationale wissenschaftliche Kommunikation für die Fachbereiche Medizin in Gießen und Marburg fördern“, erläutert Stiftungspräsident Professor Dr. Joachim-Felix Leonhard, Staatssekretär a. D., die Aufgabe der Von Behring-Röntgen-Stiftung. „Mit dem Pemphigus steht auch in diesem Jahr wieder ein wichtiges Forschungsthema mit hoher klinischer Relevanz im Zentrum des Symposiums.“ Das Themenspektrum reichte von der Funktion der Haut als Schutzorgan vor der Umwelt, bis zu genetischen Faktoren, die das Auftreten des Pemphigus begünstigen. Ein Schwerpunkt des 2. Von Behring-Röntgen-Symposiums lag auf Untersuchungen, die zeigen, wie die krankmachenden Antikörper im Blut der Patienten zur Störung der Haftfunktion der Haut führen und damit die Krankheit auslösen. Mittlerweile sind kleinste strukturelle und molekulare Veränderungen bekannt, die zum Auftreten des Pemphigus beitragen. Aufgrund des guten Verständnisses des Krankheitsbildes gibt es inzwischen zielgerichtete und wesentlich spezifischere Behandlungen. Ein neuer Ansatz ist, die B-Lymphozyten, die wichtig für die Produktion der krankmachenden Antikörper sind, mithilfe gentechnisch hergestellter Antikörper vorübergehend aus dem Blut der Patienten zu entfernen. Die Marburger Experten haben festgestellt, dass dadurch häufig ein sehr positiver Effekt auf das Krankheitsgeschehen erzielt werden kann. Der neue Therapieansatz hat zum Ziel, schnellere Behandlungserfolge als mit bisherigen Methoden wie der Gabe von Immunsuppressiva wie Kortison zu erzielen. Darüber hinaus weiß man mittlerweile vieles über die immunologische Regulation des Krankheitsbildes durch sogenannte T-Lymphozyten. In einer interdisziplinären Diskussion mit Rheumatologen, Neurologen und Hämatologen wurden neueste Daten präsentiert. Die Marburger Wissenschaftler hoffen, dass neue Behandlungsverfahren wie die sogenannte Immunadsorption (Blutwäsche) zukünftig auch von den Krankenkassen finanziert werden können.

Informationen zur Stiftung:
Die in Marburg ansässige Von Behring-Röntgen-Stiftung wurde am 8. September 2006 vom Land Hessen als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts errichtet. Mit einem Stiftungskapital von 100 Millionen Euro, aus dessen Zinserträgen die Förderung erfolgt, gehört sie zu den größten Medizinstiftungen in Deutschland. Gegründet wurde sie im Zuge der Fusion der Universitätskliniken Gießen und Marburg im Jahr 2005 und der anschließenden Privatisierung 2006 mit dem Ziel, an beiden Standorten neue Perspektiven für die Hochschulmedizin zu sichern und zu entwickeln. Die Stiftung schreibt jährlich Förderrunden aus und hat seit ihrer Errichtung bereits 7,6 Millionen Euro für medizinische Forschungsprojekte bewilligt.

Seit 2009 unterstützt die Von Behring-Röntgen-Stiftung die Ausrichtung der Von Behring-Röntgen-Symposien mit bis zu 50.000 Euro. Die Symposien, die der Förderung der wissenschaftlichen Kommunikation an den Fachbereichen Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg dienen, sollen zukünftig jährlich abwechselnd in Marburg oder Gießen ausgerichtet werden.(Heidi Natelberg/BR-Stiftung)

Weitere Informationen:
Professor Dr. Michael Hertl
Klinik für Dermatologie und Allergologie
Baldingerstraße
35043 Marburg
Tel.: 06421 5866280
Fax: 06421 5862902
E-Mail:
Internet:

Kontakt zur Stiftung:
Heidi Natelberg M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Von Behring-Röntgen-Stiftung
Schloss 1
35037 Marburg
Tel.: 06421-2822334
Fax: 06421-2822336
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Die BR-Stiftung im Internet:

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