Internationale Auszeichnung für Greifswalder Intensivmedizinspezialisten

Was das bedeutet, kann der 53-jährige Rüganer Klaus Wagner berichten. Er weilte nach einem Herzstillstand Anfang Mai eigentlich nicht mehr unter den Lebenden. Seit 14 Tagen kann er wieder die Sommerluft genießen und sich auf seine baldige Rückkehr auf die Insel Rügen freuen. Im vergangenen Jahr wurden 41 schwerstkranke Frauen und Männer in Greifswald an Herz-Lungen-Maschinen behandelt.

„Diese internationale Anerkennung ist für unser gesamtes Team, für unsere Arbeit am Patienten und für eine hochwertige Ausbildung eine enorme Bestätigung. Jeder Betroffene, den wir mit unserer Spitzenmedizin ein neues Leben schenken können, ist der Lohn für unseren Einsatz und unsere Forschung“, sagte Prof. Stephan Felix (Foto), Direktor der Klinik für Innere Medizin B an der Universitätsmedizin Greifswald. „Der ELSO Award bedeutet für die Patienten und ihre Familien, dass sie sich auf höchste Qualitätsstandards, spezialisierte Geräte und Verbrauchsmaterialien sowie eine entsprechende intensive Weiterbildung aller Mitarbeiter verlassen können.“

Wenn Herz und Lunge versagen

Schafft es die Lunge nicht mehr, das Blut ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen, ist schnelles Handeln gefragt. Jede Minute zählt. Die extrakorporale Membranoxygenierung, kurz ECMO, ist eine technische Methode, das Blut eines Patienten mit einem Lungenversagen mittels einer externen Maschine und über einen Venenzugang künstlich mit Sauerstoff zu versetzen (venovenöse ECMO). Die ECMO kann auch bei einem primären Herzversagen eingesetzt werden. Hier ersetzt die Maschine die Herz- und Lungenfunktion (Herz-Lungen-Maschine: HLM). Dabei wird Blut aus einer Vene angesaugt und in eine große Arterie gepumpt (venoarterielle ECMO). Vor einem Jahrzehnt waren herkömmliche HLM noch 200 Kilogramm schwer und stationär gebunden. Inzwischen sind die Geräte, die über einen gewissen Zeitraum die Funktionen von Herz und Lunge übernehmen können, handlich klein und transportabel. Die Mini-HLM können auch in Rettungswagen oder Hubschraubern eingesetzt werden und kosten ca. 60.000 Euro. Notwendig wird der maschinelle Lebensretter vor allem bei schwersten Lungenfunktionsstörungen und Herz-Kreislaufversagen. Jedes Jahr sind auch schwere Grippefälle betroffen.

Die Internistische Intensivmedizin in der Klinik für Innere B mit 18 Betten verfügt über eine hochmoderne Intensivstation mit neuester Technologie für alle Organersatzverfahren, darunter die ECMO Gleichzeitig können vier ECMO-Patienten auf dieser Intensivstation behandelt werden. „Aufgrund der bereits zehnjährigen Erfahrung mit der Methode bekommen wir Patienten aus ganz Norddeutschland“, sagte Oberärztin Dr. Sigrun Friesecke, die das ECMO-Zentrum gemeinsam mit Oberarzt Dr. Peter Abel leitet. „In erster Linie sind wir aber ein ECMO-Zentrum für die Kliniken im Land. Manchmal geht es auch andersrum. So konnten wir unter anderem einen Urlauber mit Herz-Lungen-Maschine in sein Heimatkrankenhaus nach Heidelberg fliegen“, so Friesecke.

Noch nie so auf Weihnachten gefreut

Auch Klaus Wagner traf das Unheil völlig unerwartet. Anfang Mai wurde ihm schlecht. Ein schwerer Herzinfarkt. Seine Familie rief den Notarzt und die Rettungskräfte haben sofort reagiert und den gelernten Fensterbauer mit Hubschrauber in die Greifswalder Universitätsmedizin bringen lassen. Dort kommt es zum Herzstillstand. Die Greifswalder Intensivspezialisten mussten den 53-Jährigen fast 90 Minuten mechanisch reanimieren, bevor er für neun Tage an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden konnte. Weitere Komplikationen erschweren den Heilungsprozess. Klaus Wagner verliert auch noch infolge von Durchblutungsstörungen ein Bein. Aber, er ist ein Kämpfer, er lernt wieder selbständig zu atmen, zu schlucken und zu sprechen. Nach drei Monaten kann er erstmals ohne Apparate und Beatmungsgeräte, aber mit großer Lebensfreude und seiner positiven Lebenseinstellung mit dem Rollstuhl das Greifswalder Klinikgelände erkunden. Nun geht es in die Reha-Anschlussbehandlung und der Rüganer freut sich schon riesig auf das Weihnachtsfest mit seiner Familie.

„Patienten wie Klaus Wagner zeigen uns, dass die Hightech-Medizin ihre Berechtigung hat“, betonte Oberarzt Dr. Peter Abel „Ohne die moderne Technik wären fast alle unserer ECMO-Patienten ohne Überlebenschance. Viele sind äußerst dankbar über ihre Rückkehr ins Leben und kommen uns regelmäßig besuchen. Je nach Schwere der Erkrankung oder Dauer der Reanimation ist auch wieder ein völlig normaler Alltag in gewohnter Lebensqualität möglich.“
Wie bei Klaus Wagner beginnt mit dem Anschluss an die lebensrettenden Maschinen ein meist langwieriger Aufbau- und Entwöhnungsprozess, der in der Regel mit Medikamenten und operativen Eingriffen, aber auch mit Selbstheilungskräften des Körpers, Physiotherapie und sehr viel Geduld verbunden ist.

Die 1989 gegründete *Extracorporeal Life Support Organisation (ELSO) ist ein internationales Non-Profit-Konsortium von Gesundheitszentren und Einzelpersonen, die sich der Entwicklung, Erforschung, Bewertung und Verbesserung der extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) und anderen innovativen Therapien zur Unterstützung von Organsystemen widmet. Das Ziel von ELSO ist es, ECMO-Programme zu fördern, die das höchste Maß an Leistung, Innovation, Zufriedenheit und Qualität erreichen.

Die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B Greifswald

Die Klinik für Innere Medizin B zählt mit neun Stationen und 132 Betten zu den größten Kliniken an der Greifswalder Universitätsmedizin. Im vergangenen Jahr wurden 2.471 Patienten ambulant und 4.677 Patienten stationär in der Universitätsklinik betreut. Die Herzklinik verfügt über eine High-Tech-Intensivstation sowie zwei hochmoderne Herzkatheterlabore, eines davon als Hybrid-OP. Die Klinik für Innere Medizin B gehört zum Deutschen Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird.

Fotos: Hans-Werner Hausmann/UMG
Eine Kämpfernatur – Patient Klaus Wagner (mi.) mit Oberarzt Dr. Peter Abel (v. li.), Pfleger Erik Mota, Oberarzt Dr. Kai Nöckler, Oberärztin Dr. Sigrun Friesecke, Pfleger Matthias Holz und Klinikdirektor Prof. Stephan Felix.
Ein Patient an einer ECMO-Anlage in der Klinik für Innere Medizin B – den Schwersterkrankten kommt das Greifswalder Know-how zugute.

Universitätsmedizin Greifswald
Klinik und Poliklinik für Innere Medizin B
Direktor: Prof. Dr. med. Stephan Felix
Sauerbruchstraße, 17475 Greifswald
T +49 3834 86-80 500
E InnereB@uni-greifswald.de

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