Inklusive Sozialplanung für das Alter(n)

Erfreulicherweise erreichen heute viele Menschen mit einer geistigen, psychischen oder körperlichen Behinderung in Deutschland ein hohes Lebensalter. Wie andere Menschen auch, haben die meisten den Wunsch, wenn möglich bis ans Lebensende in ihrer eigenen Wohnung oder zumindest in der vertrauten Wohnumgebung bleiben zu können, die freie Zeit im Ruhestand nach eigenen Interessen zu gestalten, ehrenamtlich oder in der Nachbarschaft tätig sein zu können und die individuell notwendigen Hilfen (zum Beispiel für die Hauswirtschaft, die Pflege oder die Mobilität) dort zu bekommen, wo sie wohnen. Im Alter wird das Wohnviertel wichtiger und auch Menschen ohne lebenslange Behinderung benötigen Unterstützung, wenn die Kräfte nachlassen. Gleiche Interessen von Menschen mit und ohne lebenslange Behinderung bieten die Chance, die kommunale Seniorenplanung in den Stadtteilen und Gemeinden gemeinsam und inklusiv zu gestalten. Alle älteren BürgerInnen können davon profitieren, wenn die örtlichen Anbieter der Behindertenhilfe und Altenhilfe zusammenarbeiten. So öffnet zum Beispiel in Münster- Hiltrup eine Tagesstätte für psychisch kranke Menschen ihre Türen für Computerkurse für Senioren. Gemeinsam lassen sich auch Ruf- und Nachtbereitschaften in Quartieren organisieren.

Wie eine kommunale inklusive Sozialplanung für die Lebensphase Alter gestaltet werden soll, das hat ein Team von Teilhabeforschern von der Katholischen Hochschule NRW Münster zusammen mit der Stadt Münster, dem Kreis Steinfurt und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe in dem dreijährigen Forschungsprojekt SOPHIA erprobt. Das von Prof. Dr. Sabine Schäper geleitete Projekt wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderprogramms „Soziale Innovationen für Lebensqualität im Alter (SILQUA-FH)“ gefördert. An den beiden Projektstandorten Münster-Hiltrup und der Gemeinde Wettringen im Kreis Steinfurt experimentierten die jeweils zuständigen Planungsteams mit unterschiedlichen Formen der Bürgerbeteiligung und Kooperationsverfahren, erhoben Sozialdaten und werteten sie aus, entwickelten mit den Beteiligten neue Lösungsperspektiven. Aufgrund dieser Erfahrungen wurden Elemente für eine erfolgreiche inklusive kommunale Sozialplanung formuliert.

Dazu gehört ein Modell für den Planungsprozess, das ausdrücklich die Quartiersebene mit berücksichtigt. Anforderungen und Lösungsvarianten für die Organisation und Zusammenarbeit in der kommunalen Verwaltung und für Kooperationsstrukturen mit den relevanten professionellen und ehrenamtlichen Akteuren wurden formuliert. Eine von allen getragene Vorstellung davon, wie alte Menschen im Stadtteil leben können sollen, erleichtert Planungsentscheidungen. Sozialdaten lassen sich mit geografischen Informationssystemen räumlich veranschaulichen. Das Projekt zeigt, wie gängige öffentliche Beteiligungsverfahren und Evaluationsinstrumente angepasst werden können, sodass auch Menschen mit sehr unterschiedlichen Behinderungen teilnehmen können. Zusätzlich wurden Methoden entwickelt, um die Sichtweisen von Personengruppen einzubeziehen, die üblicherweise öffentlichen Versammlungen fern bleiben – zum Beispiel weil sie sich in öffentlichen Versammlungen nicht mitteilen können oder sich nicht über ihre persönliche Lebenssituation äußern wollen.

Diese Ergebnisse werden am 3. November im Rahmen einer Fachtagung mit 170 Teilnehmern (Sozialplanern, kommunalpolitisch Aktiven, Selbstvertretungsgruppen, Vertretern der Behindertenhilfe und Altenhilfe und Wissenschaftlerinnen) vorgestellt und diskutiert. Aus Sicht der Senioren- und der Teilhabeplanung werden Ursula Kremer-Preiß vom Kuratorium Deutsche Altershilfe und Prof. Dr. Johannes Schädler vom Zentrum für die Planung und Evaluation sozialer Dienste der Uni Siegen die Chancen eines inklusiven quartierbezogenen Ansatzes ausleuchten.

Kontakt:
Prof. Dr. Sabine Schäper, Katholische Hochschule NRW Münster,
Institut für Teilhabeforschung i. G.
Tel.: 0251 41767-29
s.schaeper@katho-nrw.de

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