Infektionen kommen in warmen Monaten häufiger vor

Sonnenschutz, Infektionen

Infektionen. Die Ergebnisse erläutert der Studienleiter auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM), die dem Thema „Innere Medizin und Klimawandel“ gewidmet ist.

In den Jahren 2000 bis 2016 wurden über das Krankenhaus-Infektions-Surveillance-Systems (KISS) zwei Millionen Operationen dokumentiert. In deren Folge ist es zu mehr als 32.000 postoperativen Wundinfektionen gekommen. An KISS sind Krankenhäuser aus ganz Deutschland angeschlossen – verwaltet wird das System über die Charité, wo Dr. med. Seven Johannes Sam Aghdassi und seine Kollegen die Daten auswerteten.

Infektionen abhängig von Außentemperatur, Niederschlag und Luftfeuchtigkeit

Die Angaben zur Wundheilung aus dem KISS verknüpften die Mediziner mit meteorologischen Messdaten des Deutschen Wetterdienstes, wie etwa der Außentemperatur, dem Niederschlag und der Luftfeuchtigkeit. Da diese Parameter stark miteinander korrelierten, konzentrierten sich die Studienautoren bei der Analyse letztlich auf die monatliche Durchschnittstemperatur. Wie sich zeigte, stand diese in einem deutlichen Zusammenhang mit der Zahl der dokumentierten Wundinfektionen: „Grob gesagt nahm mit jedem Grad, um das die Außentemperatur anstieg, das Risiko für eine postoperative Wundinfektion um ein Prozent zu“, erklärt Aghdassi. Bei der Analyse definierter Temperaturbereiche ergab sich zwischen der kältesten Kategorie (weniger als 5 Grad Außentemperatur) und der wärmsten (20 Grad oder mehr) ein Risikozuwachs von 13 Prozent.

Dabei schienen manche Bakterientypen stärker auf die Außentemperatur zu reagieren als andere. Während sich die Zahl der Infektionen mit grampositiven Erregern nur wenig änderte, nahmen Infektionen mit gramnegativen Keimen – wie etwa E.coli-Bakterien – mit steigenden Temperaturen deutlich zu. Auch waren oberflächliche Wundinfektionen deutlich stärker temperaturabhängig als Infektionen in tieferliegenden Wundbereichen.

Die Analyse, an der auch Wissenschaftler des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung beteiligt waren, hat Aghdassi zufolge einen rein explorativen Charakter. „Es handelt sich lediglich um einen ersten Schritt in die Thematik hinein“, betont der Berliner Studienleiter. Entsprechend möchte er die Schlussfolgerungen aus seiner Analyse zunächst nur als Hypothese verstanden wissen. Eine Hypothese allerdings, die es angesichts der im Zuge des Klimawandels zu erwartenden Temperatursteigerung weiter zu untersuchen lohnt.

Das wird ebenso Thema der Pressekonferenz in Berlin sein, wie die Frage, welchen Einfluss das Klima auf herzkranke Patientinnen und Patienten und Menschen mit Allergien und Lungenerkrankungen hat.
“Klimawandel und Gesundheit” wird auch Thema beim 126. Internistenkongress von 25. bis 28. April 2020 in Wiesbaden sein. Mehr Infos unter .

Quelle:
Aghdassi, S J S; Schwab, F; Hoffmann, P; Gastmeier, P: The Association of Climatic Factors with Rates of Surgical Site Infections: 17 years‘ data from hospital infection surveillance.
Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 529-36. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0529

TERMINHINWEIS
Jahrespressekonferenz der
Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in Berlin
Innere Medizin und Klimawandel

Termin: Donnerstag, 13. Februar 2020, 12.00 bis 13.00 Uhr
Ort: Geschäftsräume der DGIM
Anschrift: Oranienburger Straße 22, 10178 Berlin (Mitte)

Themen und Referenten:
Klimawandel, Blutdruck und Flüssigkeitshaushalt: Was muss ich beachten?
Professor Dr. med. Jürgen Floege
Vorsitzender der DGIM 2019/2020 und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen an der Uniklinik der RWTH Aachen

Herzkrank im Klimawandel: Wie schütze ich mich?
Professor Dr. med. Georg Ertl
Generalsekretär der DGIM und Kardiologe aus Würzburg

Lungenkrankheiten, Allergien und Klimaänderungen
Professor Dr. med. Christian Witt
Leiter des Arbeitsbereiches Ambulante Pneumologie, Charité – Universitätsmedizin Berlin

Auswirkungen des Klimawandels auf die postoperative Wundheilung
Dr. med. Seven Johannes Sam Aghdassi
Institut für Hygiene und Umweltmedizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin

DGIM Pressestelle
Janina Wetzstein
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-457
Fax: 0711 8931-167

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