Im Dresdner Fokus: Blutfette und Autoimmunerkrankungen

„Vermutlich würden viele unserer Patienten heute nicht mehr leben, hätten wir in den letzten Jahren nicht beharrlich um eine Kostenerstattung der Lipoproteinapherese-Therapie gekämpft“, sagt Professor Ulrich Julius. Der Stoffwechselexperte der Medizinischen Klinik III am Dresdner Universitätsklinikum hat vor rund 25 Jahren in Dresden die erste Lipoproteinapherese durchgeführt, ein spezielles Blutreinigungsverfahren, bei dem mit maschineller Hilfe – vergleichbar der Hämodialyse – krankmachende Fettpartikel aus dem Blut gefiltert werden. „Die meisten Patienten mit einer Fettstoffwechselstörung können jedoch mit Medikamenten völlig ausreichend behandelt werden“, so Ulrich Julius. Doch die Patienten, die die Medikamente nicht vertragen oder bei denen die Wirkung der Medikamente unzureichend ist, profitieren von der speziellen Behandlung. „Manche Patienten erleiden trotz medikamentöser Therapie einen Herzinfarkt oder Gefäßverschluss nach dem anderen“, so Julius. Oft spielen genetische Faktoren dabei eine Rolle.

Seit der ersten Lipoproteinapherese hat Professor Ulrich Julius das größte universitäre Apheresezentrum in Deutschland aufgebaut. Angetrieben von seinen Erfahrungen und dem Wunsch nach Austausch mit anderen Kollegen rief der Dresdner Wissenschaftler und Mediziner im Jahr 2010 das „Dresden International Symposium on Therapeutic Apheresis“ ins Leben, bei dem international führende Experten über neue Therapieansätze im Bereich der Fettstoffwechselerkrankungen diskutieren. Gleich das erste Treffen stieß auf eine große Resonanz. Vom 13. bis 15. März bieten die Dresdner darum in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ein Forum für Spezialisten aus vielen Ländern, die diese spezielle Therapie erforschen und vorantreiben.

Während in der Anfangszeit die Behandlung des bekannten Risikofaktors LDL-Cholesterin (Low-Density-Lipoprotein-Cholesterin) im Fokus stand, hat sich in den letzten Jahren ein weiterer Risikofaktor, nämlich das Lipoprotein(a) (Lp(a)), als deutlich größeres therapeutisches Problem herausgestellt. So kann ein massiv erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel ein Risiko für Gefäßschäden und daraus resultierende Komplikationen wie Herzinfarkte sein. „Auch dieser Faktor liegt in den menschlichen Genen, wird aber weitaus weniger beachtet und darum zu selten getestet“, so Julius. Für das Lp(a) gibt es derzeit noch keine etablierte medikamentöse Therapie. Darum stellt für Patienten, die eine fortschreitende Gefäßerkrankung verbunden mit deutlich erhöhtem Lp(a)-Werten haben, die Apherese die einzige Therapie dar. Derzeit ist der jüngste Dresdner Patient gerade 32 Jahre alt. Die Dresdner Abteilung war auch maßgeblich an einer deutschlandweiten Studie zur Erforschung der Wirksamkeit der Lipoproteinapherese bei Patienten mit erhöhtem Lp(a) beteiligt. Diese Arbeit war 2013 im Medizinjournal Circulation veröffentlicht worden und wies nach, dass Gefäßereignisse unter der Therapie während eines Zeitraums von zwei Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert werden können. Statistisch betrachtet benötigen in Sachsen rund 1.600 Patienten eine Apheresetherapie. Faktisch erhalten zurzeit deutschlandweit rund 2.000 – davon 150 in Sachsen – diese spezielle Behandlung.

„Im weiteren Laufe der Jahre ist aber auch noch der große Komplex der Autoimmunerkrankungen hinzugekommen“, berichtet Professor Bernd Hohenstein. Der Mediziner, der ebenfalls der Medizinischen Klinik III angehört, ist einer der Nierenspezialisten des Universitätsklinikums und hier seit rund eineinhalb Jahren für den Bereich der Aphereseverfahren verantwortlich. „Inzwischen gibt es weitere spezielle Verfahren, die es möglich machen, bestimmte Eiweiße beziehungsweise Antikörper gezielt aus dem Blut zu entfernen“, so Hohenstein. Diese Verfahren unterstützen die Therapien für zahlreiche Erkrankungen oder ersetzen sogar medikamentöse Behandlungen. Positive Erfahrungen haben die Dresdner mit diesen als Immunadsorption bezeichneten Verfahren inzwischen bei schweren Hauterkrankungen, schweren Fällen von Neurodermitis und Erkrankungen des Nervensystems, wie Multiple Sklerose oder Myasthenie gemacht. Auch bei rheumatischen Erkrankungen, Nierenerkrankungen und natürlich der Organtransplantation haben sich diese unterstützenden Verfahren inzwischen etabliert. „Auch Kinder und Jugendliche können damit gut behandelt werden“, berichtet Bernd Hohenstein.

„Entscheidender Vorteil der Immunadsorption ist, dass wir keine Blutbestandteile ersetzen müssen und die Verträglichkeit recht gut ist.“ Aus diesem Grund widmet das Dresdner Symposium diesen Therapieverfahren einen ganzen Tag. „Die Anwendung der Immunadsorption wird in den kommenden Jahren deutlich zunehmen“, so Professor Hohenstein. Nach dem Bezug neuer Räume ist das Dresdner Uniklinikum mit inzwischen 12 Behandlungsplätzen darauf optimal vorbereitet. „Von großer Bedeutung ist für uns natürlich die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit den verschiedenen Spezialisten innerhalb und außerhalb des Klinikums und wir hoffen diese Zusammenarbeit durch unser Symposium weiter zu fördern“, betont Bernd Hohenstein.
Insgesamt 100 Patienten erhalten derzeit am Dresdner Uniklinikum eine Lipoproteinapherese oder Immunadsorption. Bei der Anwendung beider Verfahren gibt es eine deutlich zunehmende Tendenz.

Kontakt:
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Technische Universität Dresden
Prof. Dr. med. Bernd Hohenstein
Tel.: +49 0351 458 4955
E-Mail: bernd.hohenstein@uniklinikum-dresden.de

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