Hygienerisiken lauern im Verborgenen

(djd). Klares, erfrischendes Wasser ist ein unverzichtbares Lebenselixier. Doch aus dem reinen Nass kann schnell ein Risiko für die Gesundheit werden, wenn es – auf den ersten Blick nicht erkennbar – verschmutzt ist. Typhus- und Cholera-Epidemien gehören hierzulande seit dem Ausbau der Abwasserkanalisation der Vergangenheit an. Doch das Thema Hygiene wird wieder aktuell: Nach Angaben der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) sind 15 Prozent der Kanalisation über 75 Jahre und sechs Prozent sogar über 100 Jahre alt. Dadurch entstehen immer häufiger Undichtigkeiten, die das Grundwasser bedrohen.

Grundwasser in Gefahr

Besonders tückisch ist, dass die Gefahr im Verborgenen schlummert. Schäden an Abwasserleitungen werden oft erst spät entdeckt. Bis dahin kann es zu sogenannten Exfiltrationen kommen – Abwasser sickert ungehindert ins Erdreich. „Der direkte Kontakt stellt eine Gefährdung des Grundwassers und der Versorgung mit Trinkwasser dar“, sagt Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert, Institut für Wasserwesen, Professur für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik an der Universität der Bundeswehr München. Experten der Arbeitsgemeinschaft „Impulse pro Kanalbau“ schätzen, dass jährlich bundesweit bis zu 440 Millionen Kubikmeter Abwasser in die Böden gelangen. Aber auch Infiltration wird immer mehr zum Problem: Dabei strömt Grundwasser in die beschädigten Kanäle. Die Folge: Die Kläranlagen werden übermäßig belastet und bei Starkregen kann Abwasser nicht gereinigt in die Umwelt gelangen.

Inspektion für Abwasserleitungen

Das Kanalnetz braucht laut Expertenmeinung daher dringend ein Sanierungsprogramm. „Eine optische TV-Inspektion des Kanalsystems ist die erste Maßnahme, um den Zustand zu erfassen und im Bedarfsfall einen geeigneten Weg für eine Sanierung oder Erneuerung zu wählen“, sagt Prof. Günthert. Dies gelte für die öffentlichen Netze ebenso wie für den Teil der Kanalisation, der über private Grundstücke verläuft. Hier sind die Hauseigentümer selbst in der Verantwortung, für buchstäblich „saubere Verhältnisse“ zu sorgen.

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