hsg legt Wert auf den Austausch mit der Praxis

„Die Akademisierung der Gesundheitsberufe ist ein Prozess, der nicht nur in der Hochschule stattfinden kann. Wir müssen hierfür den Bezug zur Praxis herstellen. Deshalb ist uns der Austausch mit der Praxis so wichtig“, sagte hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs.

Stipendiatin Saskia Wickert, die im vierten Semester Logopädie an der hsg studiert, hat bereits einige Erfahrung im Austausch mit der Praxis gemacht: „Wir erleben, dass Praxisanleiter und -anleiterinnen oft für Hinweise dankbar sind, welche Behandlung evidenzbasiert, also wissenschaftlich nachgewiesen, ist und welche nicht. Die Praxisanleiter freuen sich, dass sie mit unserer Hilfe über ihre eigene Praxis reflektieren können. So können wir als Studierende im Praxiseinsatz helfen, die Praxis weiterzuentwickeln.“

Anja Fehrenbach, Physiotherapie-Studentin im vierten Semester, berichtete, dass ihr für ihren Paxiseinsatz die Aufgabe gestellt wurde, ein bestimmtes Thema wissenschaftlich aufzuarbeiten und dem Praxispartner vorzustellen, der sich das Thema zuvor auswählen durfte. Fehrenbach: „So bringen wir Themen, über die in der Physiotherapie geforscht wird, in die Praxis ein.“

Die Physiotherapeutin Annette Koch,die als Praxisanleiterin hsg-Studierende bei Reha Pro Med in Bochum betreut, resümierte nach ihrer Präsentation: „Von dem Austausch zwischen Hochschule und Praxis profitiert der ganze Berufsstand“. Jürgen Griebel, Geschäftsführer von Reha Pro Med: „Als Kooperationspartner der hsg sind wir an der Entwicklung der Hochschule nah dran. Wir werden über Schwerpunkte im Studium informiert und erleben die Physiotherapie-Studierenden bei uns in der Praxis. Insofern können wir unsere praktischen Erfahrungen mit in den Studiengang einbringen.“

Reha Pro Med, eine Praxis für Physiotherapie und ambulante Rehabilitation, schult nicht nur Physiotherapie-Studierende im Praxiseinsatz, sondern sponsert auch ein Stipendium. Griebel: „Die Nachwuchsarbeit ist für uns sehr wichtig, da es sehr schwierig ist, qualifiziertes Personal zu finden, das unserem Aufgabenprofil entspricht. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, einen Studierenden mit einem Stipendium zu fördern.“

Warum Dr. Bernhard Wiebel, der Vorsitzende der Gesellschaft der Freunde der hsg und ehemalige Kanzler der Ruhr-Universität Bochum, als Privatperson ein Stipendium finanziert, erklärt er so: „Es gibt mehrere Motive: Erstens macht es Spaß, förderungswürdige Studentinnen und Studenten zu unterstützen. Zweitens soll es ein Signal für die Hochschule sein. Und drittens: Einer muss den Anfang machen – in der Hoffnung auf viele Nachahmer.“

Auch die Laerdal Medical GmbH in Puchheim gehört zu den Stipendiengebern. Das Unternehmen vertreibt Patienten-Simulationslösungen für die medizinische Ausbildung im Gesundheitswesen. „Die Hochschule für Gesundheit ist die erste ihrer Art, die umfassend die Simulation für die Studiengänge einsetzt. Diese Form des Lehrens und Lernens bietet eine Grundlage zur Verbesserung der Pflegequalität und damit auch zur Optimierung der Patientensicherheit. Die Förderung einer Studentin ist Anerkennung für die Arbeit der Hochschule, aber noch viel mehr zur Motivation weiterer Pflegekräfte, sich mit Simulation aus- und fortzubilden“, erklärte Gerald Kraemer, Managing Director Germany der Laerdal Medical GmbH, der leider nicht am hsg-Stipendiatentreffen teilnehmen konnte.

Im vierten Semester Pflege an der hsg studiert Luisa Küpper, die ein Stipendium erhält, weil sie sich wie die anderen Stipendiatinnen durch beste Schulleistungen und ihr bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet hat. Sie erlebt ein großes Interesse am neuen Studiengang, sehr engagierte Praxisanleiter und -anleiterinnen, aber auch Skepsis. „Uns wird vorgehalten, wir seien Theoretiker. Dabei haben wir den gleichen Praxisanteil wie die Schüler einer Fachschule“, sagte Küpper. Nach vier Jahren Pflege-Studium an der hsg haben Absolventen eine doppelte Qualifikation: den akademischen Abschluss „Bachelor of Science“ und die für die Berufszulassung erforderliche staatliche Prüfung.

Björn Taubitz, Gesundheits- und Krankenpfleger am St. Elisabeth-Hospital im Klinikverbund Katholisches Klinikum Bochum, muss sich als Praxisanleiter auch immer wieder mit Vorurteilen auseinandersetzen. „Wenn mir gegenüber jemand sagt, dass die Pflegestudierenden von der Hochschule bestimmt kein Bett machen können, dann antworte ich, dass das auch gar nicht mein Anspruch an einen Gesundheits- und Krankenpfleger ist. Für den Beruf ‚Gesundheits- und Krankenpfleger/in‘ spielt zum Beispiel bei der Betreuung, Beratung und Anleitung der Patienten die soziale Kompetenz eine große Rolle. Es geht nicht nur um die handwerkliche Tätigkeit, sondern auch um eine geistig anspruchsvolle Tätigkeit, die eine hohe Qualifikation erfordert“, sagte Taubitz.

Mit den hsg-Studierenden im Praxiseinsatz im St. Elisabeth-Hospital hat Taubitz gute Erfahrungen gemacht: „Ich war gespannt darauf, wie sich die Studierenden der hsg im praktischen Alltag bewähren. Wie reagieren sie auf Akutsituationen oder auf Gefühle der Patienten? Beide Studentinnen hatten im Umgang mit den Patienten ein erstaunliches Gefühl für Nähe und Distanz. Das haben die Studentinnen sehr gut gemacht.“

Die Stipendiatinnen hatten für den Abend einen Beitrag vorbereitet, in dem sie unter anderem über ihre Praxiseinsätze und die Verzahnung von Theorie und Praxis an der hsg berichteten. Saskia Wickert hat von dem Abend und den Vorbereitungen profitiert: „Ich fand es schön, meinen Förderer wiederzusehen und die anderen Studiengänge noch einmal intensiver kennenzulernen. In den Vorbereitungen habe ich viel Neues über die anderen Stipendiatinnen aus den anderen Studiengängen erfahren. Außerdem war es für mich spannend, zu reflektieren, welche Erfahrungen ich aus der Praxis mitgenommen habe.“

Das Stipendium, 300 Euro pro Monat, investiert Wickert hauptsächlich in Fachliteratur. „Einen Teil davon lege ich immer zurück und gönne mir etwas Schönes dafür. Das Studium ist sehr zeitintensiv, aber wenn ich mal Freizeit habe, kaufe ich mir zum Beispiel ein Zugticket und besuche eine Freundin“, sagte Wickert.

Anja Leibfritz studiert im vierten Semester Hebammenkunde. Auf einen Nebenjob kann sie dank ihres Stipendiums verzichten. Leibfritz: „Das Stipendium hilft mir beim Networken. Ich kann an verschiedenen Hebammenkongressen teilnehmen, ich setze mich beim Bundesrat Werdender Hebammen ein und gehe zu Treffen des Deutschen Hebammenverbandes, wo ich viele Menschen kennenlerne.“

Verena Klagges, Ergotherapie-Studentin im vierten Semester, und Sandra Humm, Studentin der Hebammenkunde im zweiten Semester, haben sich als die beiden neuen Stipendiatinnen für die Gäste gegenseitig vorgestellt. Humm: „Ich fand es interessant, den Werdegang von Verena Klagges zu präsentieren. Wir haben uns noch einmal damit auseinandergesetzt, wie es dazu kam, dass wir beide jetzt hier studieren.“ Verena Klagges schätzte an dem Stipendiatentreffen den interdisziplinären Austausch. In diesem Zusammenhang berichtete sie unter anderem von gemeinsamen Fallarbeiten im Rahmen der interprofessionellen Module an der hsg. Klagges: „Wir erhalten über die interprofessionellen Module von Anfang des Studiums an tiefere Einblicke in die anderen vier Gesundheitsberufe. Der Kontakt bleibt im Studium kontinuierlich bestehen.“

Seit dem Wintersemester 2010/2011 wird ein NRW-Stipendium in jedem der fünf Bachelor-Studiengänge der hsg vergeben. Ein Deutschland-Stipendium erhält seit Oktober 2011 Sandra Humm. Die Fördersumme beträgt beim NRW- und beim Deutschland-Stipendium 300 Euro pro Stipendiat im Monat und wird zur Hälfte von privaten Sponsoren finanziert. Die andere Hälfte trägt beim NRW-Stipendium das Land Nordrhein-Westfalen und beim Deutschland-Stipendium der Bund.

Das erste Deutschland-Stipendium an der hsg wird von der Weleda AG gesponsert, einer Unternehmensgruppe, die weltweit anthroposophische Arzneimittel und ganzheitliche Naturkosmetik herstellt und vertreibt. Die Motivation für das Unter-nehmen, sich als Stipendiengeber zu engagieren, beschrieb Christina Hinderlich, die den Fachbereich Hebammen bei Weleda verantwortet, so: „Unser Handeln sollte von Liebe und Respekt der Natur gegenüber geprägt sein – wo kann man das besser leben als in der Hebammenarbeit? Denn diese Arbeit begleitet den natürlichsten Vorgang überhaupt. Eine grund¬legende Orientierung auf ganz-heitliche, natürliche Aspekte und auf das Gesundmachende in der Geburtshilfe ist daher ein zentrales Anliegen der Weleda AG. Somit ist die Begleitung von Hebammen, und damit auch die Förderung werdender Hebammen, für uns obligatorisch. Das Deutschland-Stipendium bietet nun eine gute Möglichkeit, eine Studentin auf dem Weg zu dieser wichtigen Aufgabe zu unterstützen.“ Christina Hinderlich verantwortet den Fachbereich Hebammen bei Weleda und konnte leider nicht am Stipendiatentreffen teilnehmen.

Die Weleda AG sponsert außerdem ein NRW-Stipendium an der hsg. Ein weiterer Stipendiengeber ist die Darpe Bürocenter GmbH & Co. KG.

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