hsg-Forschungsinstitut feierlich eröffnet

An der feierlichen Eröffnung des Instituts für Angewandte Gesundheitsforschung (IAG) der Hochschule für Gesundheit (hsg) am 3. November 2016 auf dem Gesundheitscampus NRW in Bochum nahmen rund 90 Gäste teil. „Viele denken, dass die Akademisierung der Gesundheitsberufe mit dem Aufbau von Bachelor-Studiengängen beendet ist. Im Gegenteil. Wir stehen derzeit erst am Anfang, wenn wir das Ziel haben, aus schulischen Fächern wissenschaftliche Disziplinen zu entwickeln. Auf der Basis wissenschaftsbasierten Arbeitens wollen wir mit Forschungseinrichtungen sowie unseren Partnern Forschung betreiben und die hsg als Partner interessant machen“, sagte hsg-Präsidentin Prof. Dr. Anne Friedrichs in ihrer Begrüßungsrede.

Das IAG wurde im Februar 2016 durch das Präsidium der hsg gegründet. Als zentrale Einrichtung widmet es sich primär der Gesundheitsforschung aus interdisziplinärer Perspektive. Ziel ist es, einen Beitrag zur Lösung gesellschaftlicher und gesundheitlicher Fragestellungen zu leisten. Prof. Dr. Kerstin Bilda, Vize-Präsidentin für den Bereich Forschung an der hsg und Vorsitzende des IAG, betonte in ihrer Rede den lösungsorientierten Anspruch des Instituts und das Ziel, forschungsbasierte Praxisnetzwerke fördern und ausbauen zu wollen. Die drei etablierten Forschungsschwerpunkte lauten „Gesundheit und Technologie“, „Kultur und Gesundheit“ sowie „Kindliche Entwicklung – Diagnostik, Prävention und Intervention aus interdisziplinärer Perspektive“, die von Fachgruppen bearbeitet werden.

Kerstin Bilda begrüßte die Mitglieder des ersten wissenschaftlichen Beirates des Instituts, der frisch berufen ist und nun die Tätigkeit aufnimmt. Bilda: „Wir haben für den wissenschaftlichen Beirat des IAG ausgewiesene Persönlichkeiten gewinnen können, die die ausgewählten Themenschwerpunkte besetzen und uns beim Aufbau des Instituts behilflich sind. Herr Prof. Napier vom UCL (University College London) bringt internationalen Glanz mit ein.“

Die Mitglieder des Beirates, die sich im Rahmen von Ansprachen, Grußworten sowie einer Videobotschaft den Gästen vorstellten, sind: Prof. Dr. Josef Hilbert (Geschäftsführender Direktor des Instituts Arbeit und Technik in Gelsenkirchen), Prof. Dr. Dorothea Kolossa (Kognitive Signalverarbeitung in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Ruhr-Universität Bochum), Prof. Dr. A. David Napier (Professor of Medical Anthropology des UCL), Michael Rentmeister (Pflegedirektor des Universitätsklinikums Münster), Prof. Dr. Martin Schnell (Direktor des Instituts für Ethik und Kommunikation im Gesundheitswesen der Universität Witten/Herdecke). Martin Schnell hielt ein Vortrag zum Thema „Digitalisierung im Gesundheitswesen: Entwicklung und ethische Herausforderungen“ und David Napier rollte das Thema „Health and Culture“ auf.

Bilda: „Das IAG soll Forschungsvorhaben im Themenfeld Gesundheit fördern und die Profilbildung der hsg im Bereich Forschung unterstützen. Hierbei hat die Vernetzung und Kooperation mit anderen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen aus der Wirtschaft eine große Bedeutung.“

Am Ende der Feier wurden die Forschungsschwerpunkte in Kurzvorträgen vorgestellt. Sprecher des Schwerpunktes „Gesundheit und Technologie“ ist Prof. Dr. Sascha Sommer, Professor für Kognitive Neuropsychologie im Studienbereich Logopädie der hsg. „In der Fachgruppe soll die interdisziplinäre Expertise für das Handlungsfeld Gesundheitsversorgung, Partizipation und neue Technologien gebündelt werden. Unsere Anforderungen, die wir an die Forschung stellen, sind, dass die Entwicklung neuer Verfahren bedürfnis- und bedarfsorientiert ist, akzeptiert wird und effektiv sowie kosteneffizient ist. Außerdem sollen Anwendungsstandards gesetzt werden, die in die Regelversorgung im Gesundheitsbereich überführt werden können“, so Sommer.

Bei der Vorstellung einiger Forschungsprojekte nannte er als ein Beispiel der engen Verknüpfung der Forschung mit der Lehre die Bachelorarbeit von Dorothee Hinsen. Im Rahmen des mittlerweile abgeschlossenen Forschungsprojekts „Wege vorwärts“ arbeitete sie das Thema „Rehabilitation bei Aphasie mittels computergestütztem neuropsychologischem Training“ in ihrer Bachelorarbeit auf. Hinsen, die ihre Bachelor-Urkunde im März 2015 erhielt, ist heute Mitglied im Schwerpunkt und studiert im Masterstudiengang der hsg.

Prof. Dr. Dr. Christian Postert, Professor im hsg-Studiengang Ergotherapie mit dem Schwerpunkt Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie an der hsg, ist Sprecher des Schwerpunktes „Kultur und Gesundheit“. Er erläuterte die Forschungsthemen und Arbeitsfelder dieser Fachgruppe, die sich um die Themen Diversity (Migration, Religion, Alter, Gender, sexuelle Orientierung, Behinderung) und Gesundheit, partizipative Gesundheitsforschung und gesundheitsbezogene Ressourcen in multidiversen Stadtteilen/Quartieren ranken. Bei der partizipativen Gesundheitsforschung geht es darum, die Betroffenen in die Forschung einzubeziehen. Postert: „Betroffene sollten möglichst frühzeitig in die Projekte integriert werden – insbesondere in multidiversen Quartieren“. In multidiversen Quartieren leben Menschen mit unterschiedlichen Merkmalen in Bezug auf Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

Sprecherin des Schwerpunktes „Kindliche Entwicklung – Diagnostik, Prävention und Intervention aus interdisziplinärer Perspektive“ ist Prof. Dr. Andrea Dohmen, Professorin im hsg-Studiengang Logopädie mit dem Schwerpunkt Kindersprache. Auch sie stellte in einem Kurzvortrag die Fachgruppe, einige Forschungsprojekte, und den Forschungsschwerpunkt vor, in dem es um die interdisziplinäre Erforschung der unauffälligen und abweichenden kindlichen Entwicklung gehen soll. Dabei hat die Fachgruppe die Sprache, Interaktion, Kommunikation, Kognition, Motorik und sozial-emotionale Entwicklung des Kindes besonders im Blick. Dohmen: „In unserem Forschungsschwerpunkt wirken die Professionen Logopädie, klinische Linguistik, Physiotherapie und Psychologie mit. Wir haben das Ziel, an der Neu- und Weiterentwicklung von Diagnostik- und Interventionsverfahren zur Identifikation und Therapie kindlicher Entwicklungsstörungen in unterschiedlichen Entwicklungsbereichen mitzuarbeiten.“

Zudem sei der Forschungsschwerpunkt dabei, einen fachspezifischen Beirat aufzubauen. Prof. Dorothy Bishop von der University of Oxford und Dr. Kirsten Abbot-Smith von der University of Kent gehören laut Dohmen bereits dem Beirat der Fachgruppe an.

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