Hornhautinfektion – Photodynamische Therapie bei infektiöser Keratitis

Die mikrobielle Keratitis (Hornhautinfektion) zählt weltweit zu den häufigsten Ursachen einer Erblin­dung durch Hornhauttrübung. Die häu­figsten Keime, die isoliert werden kön­nen, sind Bakterien, gefolgt von Pilzen und Protozoen. In der Augenheilkunde ist die „klassische“ photodynamische Therapie (PDT) seit etwa zehn Jahren vor allem zur Behandlung von Erkran­kungen des Augenhintergrundes etabliert. In den letzten Jahren rückte die PDT zur Behandlung des Keratokonus als sogenanntes „Cross­linking“ in den Vordergrund.

Die „klassische PDT“ arbeitet mit Porphyrinen und sicht­barem Licht einer Wellenlänge von 630–635 nm, Crosslinking mit Riboflavin und ul­traviolettem Licht einer Wellenlänge von 370 nm. Die Aktivierung des jeweiligen Pho­tosensibilisators Porphyrin oder Riboflavin erzeugt freie Radikale, welche die Zellmembran oder Nukleinsäure von eukaryoten Zel­len und Mikroorganismen schädigen. Beim Crosslinking wird zusätzlich eine Quervernet­zung von Kollagenlamellen erreicht. Experi­mentelle Studien wiesen bei hohen Photo­sensibilisatorkonzentrationen Nekrose und Apoptose von kornealen Zellen sowie eine Abtötung von Herpes-simplex-Virus um 4 bis 5 und von Staphylococcus aureus, Pseu­domonas aeruginosa oder Candida albi­cans um 1 bis 2 Größenordnungen nach.

Ak­tuelle klinische Studien zeigen, dass die PDT zur Therapie von bakteriellen oder durch Akanthamöben verursachten Keratitiden er­folgreich war. Einige Autoren vertreten die Auffassung, dass heute die PDT als Alternati­ve bei therapieresistenten infektiösen Kera­titiden in Betracht gezogen werden kann. In weiteren Studien müssen jedoch insbesondere auch die Grenzen dieser neuen Therapieoption untersucht werden. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann die PDT keinesfalls als eine First-live-Therapie der infektiösen Keratitis bezeichnet werden“, ist. Frau Dr. Nora Szentmáry vom saarländischen Universitätsklinikum nach Analyse ihrer Forschungsergebnisse überzeugt. Ob und wann PDT als Standardthera­pie bei Keratitis zugelassen werde könne, bleibe noch abzuwarten. Vor- und Nachteile sowie die Grenzen der PDT bei infektiöser Keratitis müs­sten in experimentellen und klinischen Studien evaluiert werden. Bis dahin bleibt sie eine alternative Therapieop­tion für die therapieresistente Kera­titis als potenzieller Off-label-Einsatz im Sinn eines individuellen Heilver­suchs.
 
Weitere Informationen:
PD Dr. Nora Szentmáry
Klinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum des Saarlandes
UKS
Kirrberger Str. 100
66424 Homburg/Saar

Mail: nszentmary@hotmail.com

Hintergrundinformationen:

Augenklinik des saarländischen Universitätsklinikums
Die Klinik für Augenheilkunde des Saarländischen Universitätsklinikums Homburg/Saar verfügt über die moderne und umfassende Infrastruktur eines Krankenhauses der Maximalversorgung. Es wird das gesamte Leistungsspektrum der klinischen Ophthalmologie angeboten: moderne Operationssäle, verschiedene invasive und diagnostische Laser, eine Spezial-Ambulanz für Kinder- und Neuro-Ophthalmologie, eine Sprechstunde zur Lasertherapie, Kontaktlinsenanpassung und für vergrößernde Sehhilfen. Die Hochschulambulanz umfasst die Schwerpunkte: Hornhauterkrankungen und Transplantationen, Glaukome, Netzhaut- und Makulaerkrankungen, Lid- und Orbitaerkrankungen. Für Patienten mit grauem Star steht ein eigenes ambulantes OP-Zentrum (AOZ) zur Verfügung. Für Patienten mit Fehlsichtigkeit und Altersrichtigung ein Zentrum für Refraktive Chirurgie. Eine Besonderheit der Klinik bildet die LIONS-Hornhautbank Saar-Lor-Lux, Trier/Westpfalz, welche die Entnahme, Kultivierung und Verpflanzung von Hornhaut-Transplantaten gewährleistet.

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