Hohe Rate plötzlicher Todesfälle:

Als katastrophal bezeichnet die Deutsche Herzstiftung die weiterhin geringe Reanimationsbereitschaft unter Laien-Helfern, bei Patienten mit plötzlichem Herzkreislaufstillstand sofortige Wiederbelebungsmaßnahmen einzuleiten. „Weil Laien als Ersthelfer vor Ort häufig nur unzureichend reanimieren oder aus Angst vor Fehlern gar nichts machen, sterben in Deutschland jährlich über 60.000 Menschen am plötzlichen Herztod“, warnt der Notfallmediziner und Kardiologe Prof. Dr. med. Dietrich Andresen vom Vorstand der Deutschen Herzstiftung. Nur etwa 30 bis 35 Prozent der Zeugen eines Herzkreislaufstillstandes führen eine Herzdruckmassage durch. „Eine Sofortmaßnahme, ohne die der Betroffene kaum Überlebenschancen hat“, betont Prof. Andresen in Berlin bei einer Aufklärungsaktion gemeinsam mit Vertretern des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag, dem Deutschen Fußball-Bund (DFB), Hertha BSC und der Berliner Feuerwehr. Deshalb bietet die Herzstiftung das kostenfreie Herznotfall-Set unter an, in dem genau erläutert wird, was im Notfall zu tun ist und wie die Herzdruckmassage durchgeführt wird.

Jeder kann die Herzdruckmassage erlernen
„Deutschlands sehr niedriger Helferquote durch Laien können wir nur durch flächendeckende Aufklärungsaktionen und Informationsangebote gegensteuern, die alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen mit einbeziehen. „Wiederbelebung muss zur Selbstverständlichkeit in Familie, Schule, Arbeit sowie Sport- und Freizeitbereich werden“, fordert der Vorsitzende des Ausschusses für Gesundheit im Bundestag, Dr. Edgar Franke. Gemeinsam mit weiteren Bundestagsabgebordneten ließ sich Dr. Franke in der Herzdruckmassage unterweisen, um damit der Bevölkerung ein Signal zu setzen: „Jeder kann lernen, Leben zu retten. Die Niederlande und die skandinavischen Länder haben es uns vorgemacht. Dort liegen die Ersthelferquoten deutlich höher bei über 70 Prozent, und entsprechend höher ist die Überlebensrate. Auf der Homepage der Herzstiftung wird gezeigt, wie wir in Zukunft Betroffene vor einem plötzlichen Herztod oder einer schweren Hirnschädigung mit lebenslanger Behinderung bewahren sollten.“ (www.herzstiftung.de)

Was tun bei Herzkreislaufstillstand?
Jederzeit kann es passieren: Jemand bricht plötzlich infolge eines akuten Herzkreislaufstillstandes zusammen, liegt bewusstlos am Boden und atmet nicht mehr oder nur noch in Schnappatmung. Was tun? Sofort muss nach Prüfung der Bewusstlosigkeit und der Atmung des Betroffenen der Rettungsdienst alarmiert werden (Notruf 112). Danach beginnt man sofort mit einer Herzdruckmassage. Der Helfer kniet dazu seitlich neben dem auf dem Rücken liegenden Betroffenen und legt bei durchgestreckten Armen beide Handballen übereinander auf die Mitte des Brustbeins (dort, wo eine gedachte Linie zwischen den Brustwarzen das Brustbein kreuzt). Dann drückt man den Brustkorb schnell (mindestens 100-mal pro Minute) und kräftig (mindestens fünf Zentimeter tief) in Richtung Wirbelsäule ein. Dadurch wird ein künstlicher Blutkreislauf erzeugt, über den der Körper und vor allem das Gehirn des Betroffenen mit Sauerstoff versorgt wird. Gedrückt wird so lange, bis der Rettungsdienst/Notarzt eintrifft. Sind weitere Helfer vor Ort, kann man sich abwechseln. Dazu darf die Herzdruckmassage aber nur ganz kurz unterbrochen werden („fliegender Wechsel“). Deshalb ist auf eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung zu verzichten, um die Herzdruckmassage nicht zu unterbrechen (auch nach Herzkreislaufstillstand befindet sich im Blut für mehrere Minuten ausreichend Sauerstoff).

Erscheint noch vor dem Eintreffen des Notarztes ein anderer Helfer mit einem Defibrillator („AED“ für Automatisierter Externer Defibrillator) – ein Gerät, das durch einen kräftigen Stromstoß das Herz wieder „zum Schlagen bringt“ –, dann kann der AED eingesetzt werden. Eine automatische Stimme führt durch das Programm. Ganz wichtig: „Beim Anschließen des AED darf die Herzdruckmassage möglichst nicht und wenn, nur kurz unterbrochen werden. Auch hier gilt: Fehlende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff lässt tausende Gehirnzellen untergehen“, warnt Prof. Andresen.

Herzstiftung und Deutscher Fußball-Bund starten Initiative zur Laien-Reanimation
Zur Verbesserung der Laien-Wiederbelebung insbesondere in den Fußballvereinen und deren Umfeld bieten die Deutsche Herzstiftung und der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit dem Gemeinschaftsprojekt „LEBENSRETTER SEIN“ im Herbst 2015 in zwei Pilot-Regionen Reanimationsschulungen für Fußballer in höherem Lebensalter an, im sogenannten Ü-Fußball (in den meisten Regionen ab einem Alter von 32 Jahren). Mit dem Ü-Fußball sind laut DFB neben verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen auch Risiken verbunden, denn insbesondere ältere Männer stellen eine Gruppe mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar. „Daher empfehlen wir den aktiven Ü-Fußballern regelmäßige ärztliche Tauglichkeitsuntersuchungen, um ihre individuelle Gefährdung zu minimieren“, unterstreicht Prof. Dr. med. Tim Meyer, Vorsitzender der Kommission Sportmedizin des DFB und Mannschaftsarzt der Fußball-Nationalmannschaft. „Darüber hinaus erfolgt gemeinsam mit der Deutschen Herzstiftung eine Initiative, die die Laienreanimation in dieser Zielgruppe fördern und den korrekten Umgang mit denkbaren tragischen Ereignissen eines Herzkreislaufstillstandes schulen soll“, so Prof. Meyer weiter.
Der Herzstiftungs-Vorstand ist überzeugt, dass sich die Herzdruckmassage nur mit Hilfe flächendeckender Kurzschulungen in Laien-Reanimation zu einer Notfallmaßnahme etablieren lässt, die dann in der Bevölkerung auch wie selbstverständlich beherrscht wird. „Nur so kommen wir unserem Ziel näher, dass innerhalb der nächsten drei Jahre bei mindestens bei 80 Prozent aller Menschen, die einen beobachteten Herzkreislaufstillstand erleiden, eine qualitativ hochwertige Laienreanimation durchgeführt wird“, betont Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Dass sich die Herzdruckmassage in wenigen Minuten erlernen lässt, zeigt der Wiederbelebungs-Film der Deutschen Herzstiftung unter

Ein kostenloses Herznotfall-Infopaket der Deutschen Herzstiftung unter kann auch angefordert werden bei: Deutsche Herzstiftung, Bockenheimer Landstr. 94-96, 60323 Frankfurt, Tel. 069 955128-400.

Häufige Fragen zum richtigen Verhalten bei Herzstillstand werden beantwortet in dem Experten-Beitrag „Können Sie noch reanimieren? Vier Dinge, die jeder wissen sollte“ unter

19/2015

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle:
Michael Wichert / Pierre König
Tel. 069/955128-114/-140
Fax: 069/955128-345
E-Mail: wichert@herzstiftung.de /
koenig@herzstiftung.de

Scroll to Top