Hohe Prävalenz und Inzidenz von Bluthochdruck unter HIV-Betroffenen in ländlichen Gebieten Afrikas

Zahlreiche afrikanische Länder südlich der Sahara sind neben Infektionskrankheiten zunehmend auch mit nicht übertragbaren Erkrankungen konfrontiert. Diese ‹doppelte Krankheitsbelastung› setzt Gesundheitssysteme, die ohnehin über unzureichende Ressourcen verfügen, zusätzlich unter Druck. Insbesondere Bluthochdruck ist ein unabhängiger, reversibler Risikofaktor für Erkrankungen des Herz-Kreislaufs, der Blutgefässe des Gehirns und der Nieren. Dennoch wird Bluthochdruck in Afrika südlich der Sahara oft nicht diagnostiziert und nur unzureichend behandelt.

Das vom Swiss TPH durchgeführte Forschungsprojekt zählt zu den ersten Längsschnittstudien, die sich mit der Entwicklung von Bluthochdruck unter Menschen mit HIV in Afrika südlich der Sahara befassen. In einer Kohorte von 955 HIV-Infizierten hatten 111 (11,6%) zum Zeitpunkt ihrer HIV-Diagnose einen erhöhten Blutdruck. Weitere 80 Patienten (9,6%) entwickelten nach dem Beginn der antiretroviralen Therapie (ART) gegen HIV einen Bluthochdruck. Die in dieser Studie beobachtete Bluthochdruck-Inzidenz nach Beginn einer ART liegt mehr als 1,5 mal höher als die in einer grossen multinationalen Studie in Europa, den Vereinigten Staaten und Australien gefundene Zahl.

Der Studie zufolge stand die Entwicklung von Bluthochdruck nicht in Zusammenhang mit dem Grad der Immunsuppression oder einem bestimmten antiretroviralen Therapieschema, sondern war vielmehr durch herkömmliche kardiovaskuläre Risikofaktoren wie das Alter, den Body-Mass-Index und die Nierenfunktion zurückzuführen. Die Auswirkungen von ART auf die Körpermasse und die Wiederherstellung der Immunität gelten als mögliche Auslöser für Bluthochdruck unter der Behandlung.

Die Studienkohorte schloss nicht schwangere Patienten ab einem Alter von 15 Jahren ein, die vor der Studie noch keine ART erhalten hatten. Das mittlere Alter der Patienten lag bei 38 Jahren.

Integrierte Versorgung gegen die doppelte Krankheitsbelastung
Bluthochdruck und andere nicht übertragbare Krankheiten haben mit HIV einiges gemeinsam, wie beispielsweise den chronischen Verlauf der Erkrankung sowie die Notwendigkeit regelmässiger Kontrollen und optimaler Therapietreue. Die Studie empfiehlt daher, routinemässige Bluthochdruck-Screenings in HIV-Kliniken zu integrieren.

«Routinemässiges Screening stellt eine machbare und wirksame Strategie dar, um Bluthochdruck im Rahmen eines HIV-Programms zu diagnostizieren», erklärte Dr. Emilio Letang, vom Swiss TPH und Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal). «Bei der Umsetzung müssen wir jedoch sicherstellen, dass die Effizienz bestehender HIV-Programme nicht beeinträchtigt wird».

Bedarf an breiterem Zugang zu blutdrucksenkenden Medikamenten
Die Studie verdeutlicht auch die Notwendigkeit, den Zugang zu blutdrucksenkenden Medikamenten zu erweitern. «In vielen afrikanischen Ländern südlich der Sahara sind Medikamente gegen nicht übertragbare Krankheiten nach wie vor nur unzureichend zugänglich», betonte Prof. Dr. Christoph Hatz, Chefarzt am Swiss TPH. «Damit solche integrierten Versorgungsprogramme funktionieren, ist es entscheidend, dass Medikamente besser verfügbar und erschwinglicher sind, und umfassende präventive und behandelnde Massnahmen umgesetzt werden.»

Über die Studie
Durchgeführt wurde die Studie an der Chronic Diseases Clinic in Ifakara, im Rahmen der Kilombero and Ulanga Antiretroviral Cohort (KIULARCO) in Tansania, einem Gemeinschaftsprogramm des Swiss TPH, des Ifakara Health Institute, des Universitätsspital Basel und des Saint Francis Referral Hospital in Ifakara. Die Studie wurde entworfen von Emilio Letang (Swiss TPH und ISGlobal) und Eduardo Rodríguez-Arbolí (Virgen del Rocío University Hospital, Sevilla, Spanien) sowie entwickelt und umgesetzt von der KIULARCO Study Group unter der Koordination von Emilio Letang.

Über das Swiss TPH
Das Schweizerische Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) ist die grösste Institution der Schweiz im Bereich Public- und Global Health. Durch Forschung, Lehre und Umsetzungsprogramme trägt das Swiss TPH zur Verbesserung der Gesundheit weltweit bei. Das Swiss TPH ist eine öffentlich-rechtliche Institution, assoziiert mit der Universität Basel. Das Swiss TPH beschäftigt über 700 Mitarbeitende und Studierende in 22 Ländern und wird von Prof. Jürg Utzinger geleitet.
www.swisstph.ch

Über die Chronic Diseases Clinic in Ifakara (CDCI)
Das CDCI ist ein integraler Bestandteil des St. Francis Referral Hospital (SFRH) in Ifakara, Tansania, und wird vom Swiss TPH und dem Ifakara Health Institute (IHI) unterstützt. Seit 2005 versorgt das CDCI HIV-Patienten in den Bezirken Kilombero und Ulanga. Es wurde ursprünglich erbaut, um das ‹Tanzanian National AIDS Control Programme› zu unterstützen. Seitdem wurden seine Aktivitäten kontinuierlich erweitert, um sämtlichen ambulanten und stationären Patienten mit HIV, einschliesslich schwangerer und nicht schwangerer Erwachsener sowie HIV-exponierter und HIV-infizierter Kinder, eine Versorgung anzubieten. Bis heute hat das CDCI fast 9000 HIV-Patienten erreicht.
www.cdci.ch/

Publikation
Autoren: Eduardo Rodríguez-Arbolí, Kim Mwamelo, Aneth Vedastus Kalinjuma, Hansjakob
Furrer, Christoph Hatz, Marcel Tanner, Manuel Battegay und Emilio Letang

Zeitschrift: PLOS ONE

Annahmedatum: 15. Februar 2017
Publikationsdatum: 8. März 2017

Medienkontakte
Dr. Emilio Letang, MD, MPH, PhD, ehemaliger Leiter der Chronic Disease Clinic in Ifakara (CDCI), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH) und Assistant Research Professor am Barcelona Institute for Global Health (ISGlobal), Tel. +34 93 227 5400, Durchwahl 2982, emili.letang@unibas.ch, emili.letang@isglobal.org

Prof. Dr. Christoph Hatz, Chefarzt, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), Tel. +41 61 284 81 11, christoph.hatz@unibas.ch

Sabina Beatrice-Matter, Kommunikation, Schweizerisches Tropen- und Public Health-Institut (Swiss TPH), Tel. +41 61 284 83 64, Mob. +41 79 737 91 58, sabina.beatrice@unibas.ch

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