Hoffnung für chronische Schmerzpatienten durch Spinalganglienstimulation

Jeder fünfte Erwachsene leidet an chronischen Schmerzen. Dadurch wird die Arbeitsproduktivität des Betroffenen massiv geschwächt und sein ganzes Leben beeinträchtigt. Millionen von Menschen leiden monate- oder sogar jahrelang ohne eine wirksame Behandlung zu finden. Chronische Schmerzen, also die Schmerzsignale, die ihr Körper an das Gehirn sendet, können andauern, selbst wenn die Schmerzursache schon längst nicht mehr vorhanden ist. Bei allen Schmerzbehandlungen wird versucht, das Schmerzgefühl zu unterbinden, indem das Signal blockiert oder geschwächt wird, bevor es das Gehirn erreicht. Medikamente helfen oft nur bedingt, weil sie den ganzen Körper beeinflussen und meist starke Nebenwirkungen verursachen. Die präzise und nur in der Schmerzregion wirksame Stimulation des Spinalganglions eröffnet jetzt neue, schonende Wege für die Schmerzbehandlung.

Chronische Schmerzen erfolgreich verringern

Die Spinalganglienstimulation ist ein neues Verfahren der Nervenstimulation, mit dessen Hilfe an einigen wenigen Versorgungszentren in Europa neue Hoffnung für chronische Schmerzpatienten entstanden ist. Ein modernes diagnostisches Verfahren ermöglicht zunächst exakt den Nerven ausfindig zu machen, der nach einem operativen Eingriff oder Unfall verletzt ist und dauerhaft massive Schmerzsignale aussendet. Ist der Nerv identifiziert wird eine neuartige Elektrode exakt im Spinalganglion platziert. Sie sendet ein elektrisches Signal aus, das die Schmerzweiterleitung reduziert oder ganz verhindert, bevor es über das Rückenmark an das Gehirn geleitet wird. Bereits behandelte Patienten geben eine Schmerzreduktion von durchschnittlich 78% an. Die neue Methode wird bereits im Schmerzzentrum des Knappschaftsklinikums Saar in Püttlingen erfolgreich angewendet.

Die Suche nach dem den Schmerz verursachenden Nerven

Bisher war die größte Herausforderung in der Neurostimulation, den betroffenen Nerven und die Schmerz weiterleitenden Nervenbahnen genau zu identifizieren. Diese Nerven sind für den chronischen Schmerz des Patienten ursächlich. Damit genau dieser Nerv gefunden wird, wurden spezielle diagnostische Standards entwickelt. Dazu betäubt Dr. Gerhard Deynet, Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin, nacheinander in Frage kommende Nerven, die ursächlich für die Weiterleitung des Schmerzsignals vom verletzten Nerv in das Gehirn sind. Wurde der richtige Nerv gefunden, ist der Patient für eine kurze Zeit nahezu schmerzfrei. Mit Hilfe der Spinalganglienstimulation hat der Patient jetzt gute Chancen, dauerhaft seine chronischen Schmerzen deutlich zu reduzieren.

Neurostimulator überdeckt den Schmerzreiz an der Stelle seines Entstehens

Mit Hilfe einer kleinen Operation wird eine dünne Elektrode an die Nervenwurzel in der Wirbelsäule platziert. Der Axium™-Neurostimulator ist ein Rückenmarkstimulator, der auf eine Abzweigung des Rückenmarks abzielt, die auch als Spinalganglion bezeichnet wird. Neurowissenschaftler wissen schon seit langem, dass das Spinalganglion bei der Schmerzverarbeitung eine zentrale Rolle spielt. Bisher war es technisch jedoch nicht möglich, diese Position mit einer Elektrode zu erreichen. Die neue Methode schafft Abhilfe: Das Spinalganglion funktioniert dabei wie eine Ampel und kontrolliert, wann Empfindungen zum Rückenmark gelangen. Durch die Stimulation des Spinalganglions kann die Ampel auf Rot geschaltet werden, so dass Schmerzsignale gestoppt werden und nicht zum Gehirn gelangen. Diese Stimulation bewirkt ein angenehmes Kribbeln, das sich wie eine leichte Massage anfühlt. Dieses Gefühl wird als „Parästhesie“ bezeichnet. Diese Parästhesie kann der Patient selber so steuern, dass dieses Kribbeln leicht oder gar nicht zu spüren ist in dem Bereich, in dem man sonst Schmerz empfindet.

Implantation des „Schmerzschrittmachers“ schafft dauerhafte Linderung

Nach der Implantation der Elektrode testet der Patient in den folgenden Tagen aus, ob die Elektrostimulation den erwünschten Effekt auf die Schmerzen hat. Die Stromversorgung in der Testphase übernimmt eine kleine externe Batterie. Nach einer einwöchigen Testphase entscheidet der Patient zusammen mit seinem behandelnden Arzt über die Implantation des sogenannten Schmerzschrittmachers für die dauerhafte Stromversorgung. Dieses kleine Gerät ähnelt einem Herzschrittmacher. Das Gerät erzeugt sanfte elektrische Impulse, die in das Spinalganglion gelangen.

Krankenkassen übernehmen die Kosten

In Frage kommt diese neue Therapieform, deren Kosten bei entsprechender Indikation von den Krankenkassen übernommen wird, für eine Vielzahl von Patienten mit Nervenschmerzen. Äußerst erfolgreich behandelt wurden bereits Patienten mit chronischen Leistenschmerzen nach Leistenbruchoperationen oder anderen operativen Eingriffen. Auch bei Nervenverletzungen in Armen und Beinen oder bei Morbus Sudeck, nach Unfällen, komplexen regionalem Schmerzsyndrom oder Formen der Neuralgie zeigen sich große Vorteile gegenüber bestehenden Behandlungsverfahren. Die operierenden Ärzte sprechen bei diesem neuen Verfahren der direkten Nervenstimulation von einem „Quantensprung“.
Mehr Lebensqualität durch Schmerzreduktion

Schmerzspezialist Dr. Gerhard Deynet hat diese neue Art der Neurostimulation bereits erfolgreich etabliert und vielen chronischen Schmerzpatienten helfen können: „Mit dem Neurostimulator-Gerät wird die Schmerzursache nicht geheilt. Aber wir verbessern die Lebensqualität, indem wir Schmerzen erheblich lindern. Jetzt können wir mit dieser neuen Methode viele Betroffene noch wirksamer behandeln.“

Weitere Informationen:
Knappschaftsklinikum Saar GmbH
In der Humes 35
66346 Püttlingen
Telefonzentrale: 06898 / 55-0
Website: www.kkpuettlingen.de

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