Hörminderung führt zu Missverständnissen – nicht nur in Schule und Beruf

Wie bitte, was hast Du gesagt? Eine scheinbar harmlose Nachfrage – die in einer Beziehung aber leicht zu Verstimmungen führen kann: 52 Prozent derjenigen, die sich oft wiederholen müssen, weil ihr Partner sie beim ersten Mal nicht richtig verstanden hat, argwöhnen, es handle sich um mangelnde Aufmerksamkeit. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage unter 1.000 zufällig ausgewählten Personen aller Altersklassen im Auftrag des Bundesverbandes der Hörgeräte-Industrie. 68 Prozent der Befragten erleben derartige Verständigungsprobleme in der Partnerschaft häufiger oder von Zeit zu Zeit. 23 Prozent von ihnen halten es für möglich, dass die eigene Artikulation eventuell zu undeutlich sei und sie daher nicht unmittelbar verstanden werden. Nur ein Viertel glaubt, dass solche Verständnisschwierigkeiten durch eine Hörminderung des Partners verursacht sein könnten.
 
Nachteile auch in Schule und Beruf
Mit zunehmendem Lebensalter wird die letztgenannte Möglichkeit jedoch häufiger in Erwägung gezogen: In der Altersgruppe 60 plus sind es 47 Prozent, bei den 50- bis 59-Jährigen 34 Prozent und bei den 16- bis 19-Jährigen lediglich zehn Prozent. Auch das Geschlecht der Befragten spielt in diesem Kontext eine Rolle: Frauen (28 Prozent) tippen öfter auf eine Hörschwäche als Männer (23 Prozent).
 
„Eine unbehandelte Hörminderung belastet nicht nur private Beziehungen, sondern wirkt sich oft auch in Schule und Beruf nachteilig aus“, sagt Hans-Peter Bursig, Vorsitzender des Vorstands beim Bundesverband der Hörgeräte-Industrie. Und weiter: „Viele Betroffene merken nicht, wenn ihr Gehör nach und nach schwächer wird. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige, Freunde und Kollegen den Mut aufbringen und auf eine mögliche Hörschwäche hinweisen. Je früher  eine Schwerhörigkeit festgestellt wird, desto besser kann geholfen werden. Einen kostenlosen Hörtest kann man bei jedem Hörgeräteakustiker machen.“
 
Finanzielle Schäden in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt Expertenschätzungen zufolge haben hierzulande gut 13 Prozent der Gesamtbevölkerung eine Hörminderung. In der Öffentlichkeit herrscht aber weitgehend Unklarheit über die gesamtgesellschaftlichen Schäden aufgrund von Alltagsmissverständnissen, vermeidbaren Fehlern oder Unfällen sowie Sonderbehandlungen im fortgeschrittenen Krankheitsstadium bei verspätetem Behandlungsbeginn. 72 Prozent der Befragten veranschlagen die jährlichen Kosten in diesem Zusammenhang auf 30 Millionen Euro, 17 Prozent auf lediglich 30.000 Euro und 12 Prozent auf 30 Milliarden Euro.

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