Hochschule Landshut als Partner im Kompetenzfeld Medizintechnik

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Die Hochschule Landshut startete 2012 den Studiengang Biomedizinische Technik und hatte damit neues Terrain betreten. Bei der Veranstaltung Medizintechnik@Hochschule Landshut präsentierte die Hochschule vor mehr als einhundert interessierten Unternehmensvertretern ihre Kompetenzen und Aktivitäten in diesem innovativen Themenfeld und zog eine positive Bilanz. Der Kontakt zwischen Wissenschaft und Unternehmen stand im Vordergrund der Veranstaltung.

Seit der Entscheidung, mit der Medizintechnik ein neues Kompetenzfeld an der Hochschule zu profilieren, habe man vieles umgesetzt, wie Hochschulpräsident Prof. Dr. Karl Stoffel in seiner Begrüßung ausführte: Für die praxisnahe Ausbildung im Bachelor-Studiengang wurden Labore mit modernster Technik aufgebaut, um die Anbindung an die Industrie zu gewährleisten das Netzwerk Medizintechnik etabliert sowie die Forschungsgruppe Medizintechnik in die strategische Ausrichtung der Hochschule aufgenommen. Er zeigte sich ebenso angetan von der großen Publikumsresonanz wie Prof. Dr. Stefanie Remmele, Sprecherin der Forschungsgruppe, die die Veranstaltung moderierte und sie zusammen mit dem Netzwerk Medizintechnik der Hochschule initiiert hatte.

Anwendungsorientierung in Lehre und Forschung

Im Bachelor-Studiengang Biomedizinische Technik bilde man hochkompetente Ingenieure aus, dies über Fakultätsgrenzen hinweg, zeigte sich Prof. Dr. Holger Timinger (Vizepräsident der Hochschule Landshut und Studiengangleiter des Bachelor Biomedizinische Technik) überzeugt. Dabei sei der Kontakt zur Wirtschaft für den hohen Praxisbezug der Lehre, für Abschlussarbeiten und den Berufseinstieg ebenso von Bedeutung, wie für den Wissens- und Technologietransfer der Hochschule. Die Entwicklung von neuen Medizintechnik-Produkten müsse unter Abwägung der Wünsche von medizinischen Anwendern, der medizinischen Sinnhaftigkeit und der technischen Machbarkeit erfolgen.

Dabei könne die Hochschule Landshut, ihre Professoren und ihre Studierenden einen wichtigen Beitrag leisten. Dies besonders auch durch die Forschungsgruppe Medizintechnik, die sich aus sieben Professoren aus unterschiedlichen Fakultäten zusammensetzt, die den Unternehmensvertretern ihre Kompetenz- und Interessensfelder präsentierten. Diese reichen von der Bioanalytik und Biophysik über die optische Messtechnik, die medizinische Bildgebung und Bildverarbeitung für minimalinvasive Diagnose- und Therapieverfahren bis hin zum Pharmamarketing und dem Qualitäts- und Entwicklungsmanagement von Medizinprodukten. Eine weite Bandbreite, die neben der Lehre auch für die Zusammenarbeit mit Unternehmen genutzt wird.

Für die einzelnen Bereiche wurden an der Hochschule Labore mit moderner Technik-Ausstattung aufgebaut. Einige der hier verfügbaren Versuche und Anwendungen wurden zusammen mit Studierenden in Praxisarbeiten im Rahmen ihres Studiums umgesetzt. Dies beispielsweise beim Aufbau eines experimentellen Setups für ein Neurofeedbacksystem für die berührungslose Ansteuerung von Geräten oder ein Navigationssystem für die minimalinvasive Chirurgie.

Diese wurden während der Veranstaltung ebenso präsentiert, wie Projekte, die Fragestellungen aus Unternehmen bearbeitet hatten: Eine dynamische Stützschiene für die Therapie von Knieverletzungen (Funktionsorthese) entwickelten Studierende für die Albrecht GmbH (Stephanskirchen). Für die OFI Technologie & Innovation GmbH (Wien) wurden in einem Studierendenprojekt Methoden zur Detektion von Mikrokalk – als Vorstufe für Biofilm- und Keimbildung – in Medizinprodukten untersucht,. Und für die S.I.E. Deutschland GmbH (Landshut) erforschten Studierende Trends im Bereich der Mensch-Maschinen Schnittstellen für die Bedienung von medizintechnischen Geräten.

Erfolgreiche Medizintechnik-Produkte in einem besonderen Markt

Die Möglichkeit von Kooperationen zwischen Hochschule und Unternehmen reicht von kleineren Forschungsprojekten im Rahmen von Projekt- und Abschlussarbeiten bis hin zu größeren Förder- und Verbundprojekten. Gerade hier, können Unternehmen im Bereich Forschung & Entwicklung durch die Zusammenarbeit mit der Hochschule Landshut profitieren. Seine Erfahrungen aus dem Forschungsprojekt MedLast, in dem gemeinsam mit der Hochschule Landshut und weiteren Industriepartnern ein medizinischer Belastungssensor im Fußbereich entwickelt wurde, beschrieb Dietmar Dunkel (MicroNova AG, Vierkirchen) als absolut positiv.

Das batterielose Sensor-System misst die Belastung beim Auftreten, sendet die Werte an eine Armbanduhr, die bei Überlastung ein Warnsignal abgibt. Die aufgezeichneten Daten können z.B. von der behandelnden Klinik ausgelesen werden. Durch die professionelle Herangehensweise der Hochschule Landshut sei das Projekt, der Sensor befindet sich gerade in der Phase der Patenanmeldung, erfolgreich umgesetzt worden. Zusätzlich sei das Vorhaben in den Genuss einer finanziellen Förderung durch das Programm „Mikrosystemtechnik Bayern“ des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie gekommen. Durch die Zusammenarbeit mit der Hochschule sowie den weiteren Kooperationspartnern habe man Zugang zu neuen Know-how-Feldern erhalten, Innovation sei ins Unternehmen gekommen. Insgesamt „eine positive Erfahrung, die wir ausbauen wollen“, wie Dunkel zusammenfasste.

Dass im Markt für Medizintechnik ganz besondere Anforderungen für Lieferanten und Zulieferer mit besonderen Qualitätsanforderungen gelten, führte Dr. Johann Harer von der human.technolgy Styria GmbH in seinem Vortrag aus. In Europa seien ca. 500.000 Medizinprodukte zugelassen, bei der Herstellung müssten zahlreiche spezielle Normen berücksichtigt werden. Die Folgen von fehlender Produktqualität seien in diesem Bereich immens, da es um die Gesundheit von Menschen gehe.

Ein systematisches Lieferantenmanagement sei für Unternehmen der Medizintechnik eine Überlebensfrage. Von der genauen Spezifizierung von zugelieferten Produkten über die Auswahl und Bewertung von Lieferanten bis zur Kontrolle und zur Dokumentation des gesamten Prozesses und jedes ausgelieferten Produktes seien viele Maßnahmen nötig. Dabei müsse man sich immer die Frage stellen, wie hoch das Risiko eines zugelieferten Teiles für das Produkt sei und ob ein Fehler vor der Auslieferung erkannt werden kann. Je nach Kritikalität und Fehlererkennbarkeit müsse man die Ansprüche an das Qualitätsmanagement auslegen. Audits seien ein wesentlicher Teil des Qualitätsmanagementsystems für Hersteller, doch mache es keinen Sinn „blind alles und jeden zertifizieren zu wollen“, wie Dr. Harer erklärte.

Bei einem Rundgang durch die medizintechnischen Labore konnten sich die Gäste einen eigenen Eindruck von der Ausstattung und den Kompetenzen der Professoren und Studierenden verschaffen. Diese Gelegenheit sowie das anschließende get together nutzten viele der Medizintechnik-Spezialisten, um Kontakte zu knüpfen und Gespräche über Fragestellungen und Ideen für eine zukünftige Zusammenarbeit zu führen.

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