Hochschule bildet aus für echte Boom-Branchen: Drei neue Studiengänge in Offenburg ab dem WS 2010/11

Offenburg. In seinem Regal stehen Ordner, deren Rücken beschriftet sind mit "Know your enemy" oder "Digitale Forensik". Aber welchen Feind empfiehlt Professor Dr. Daniel Hammer zu kennen? Und was unterscheidet den Digitalen Forensiker von den Kollegen des CSI New York? "Die Wirtschaftskriminalität ist genau so vernetzt und digitalisiert wie die Wirtschaft selbst", erklärt der 44-jährige Professor für Informatik an der Hochschule Offenburg. Und weil jährlich Schäden in Höhe von Milliarden von Euro entstehen durch Computerviren oder gezielte Einbrüche in die Datennetze von Unternehmen und Institutionen, reagiert nun auch die Offenburger Hochschule und richtet einen neuen Studiengang "Unternehmens- & IT-Sicherheit" ab dem Wintersemester 2010/2011 ein. "Unsere Absolventen haben in der Regel nach 1,7 Monaten einen Arbeitsplatz", fasst Daniel Hammer zusammen. Dank der Verbindung von Kenntnissen im Bereich IT-Sicherheit und wirtschaftlichem Know-how – immerhin rund ein Drittel der Studieninhalte gehören zur Betriebswirtschaftslehre – sind die Studierenden wie gemacht, um auf Management-Ebene Sicherheitskonzepte zu realisieren, in der digitalen Forensik zu arbeiten oder – wie Daniel Hammer es humorvoll ausdrückt – "sich als Hacker auf die Seite der Guten zu stellen."
Auf der Seite der Guten… Dort steht Dr. Peter Osypka eigentlich schon sein ganzes Leben. Der promovierte Elektrotechniker hat ein erfolgreiches Medizintechnik Unternehmen in Rheinfelden aufgebaut (Dr. Osypka GmbH), meldet selbst mit seinen 75 Jahren noch regelmäßig Patente an – 200 insgesamt, alleine vier schon in 2010 – und ermöglicht mit seiner Stiftung jetzt an der Hochschule in Offenburg die Einrichtung eines Studiengangs "Medizintechnik". "Wir versorgen damit eine Branche in Deutschland, deren Wertschöpfung im zweistelligen Milliardenbereich liegt – und zwar mit Zuwachsraten", so Hochschulrektor Professor Dr. Winfried Lieber. Aber nicht nur die guten Job-Aussichten und Peter Osypka, der Pionierarbeit leistete auf dem Gebiet der Herzschrittmacher und dessen erste Vorlesung in Offenburg sich mit dem Thema "Die elektrische Stimulation des Herzens" befassen wird, machen die Medizintechnik in Offenburg zu einem attraktiven Studiengang. Auch Unternehmen und Kliniken der Region wollen die Studenten ab dem Wintersemester 2010/11 mit Praxis- und Seminarplätzen unterstützen: "Unter anderen engagieren sich die Max-Grundig-Klinik in Bühl mit der Beistellung von Lehrkapazität, das Herz-Zentrum in Lahr hat eine Absichtserklärung unterzeichnet, sich mit laufenden Studien zu integrieren und Praxisplätze zur Verfügung zu stellen, und auch mit dem Ortenau-Klinikum laufen derzeit Gespräche über eine mögliche Zusammenarbeit," so Winfried Lieber.
Eine ganze Reihe von Unternehmen, die seinen neuen Studiengang unterstützen, hat auch Professor Elmar Bollin zu bieten. Der Professor für Regelungstechnik, Gebäudeleittechnik und Solartechnik hat das Studium der Energiesystemtechnik interdisziplinär angelegt. Was sich im Deutschen sperrig anhört, beschreibt man im angelsächsischen Raum mit "Engineering of Energy Systems" und das wiederum fasst laut Elmar Bollin nichts Geringeres zusammen, als die Suche nach der Antwort auf die wichtigsten Fragen dieses Jahrhunderts: "Wie kann man Energiesysteme schaffen, die die vorhandenen natürlichen Energieressourcen dauerhaft nutzen, ohne fossile Energieträger zu verbrauchen und dabei die Umwelt zu schädigen?" Diese Frage trieb auch Bollin, übrigens einer der ersten Mitarbeiter am Freiburger Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme, an und ließ ihn eine beachtliche wissenschaftliche Karriere absolvieren. Eine interessante Karriere könnte auch seinen Studenten offen stehen: "Bedingt durch die ehrgeizigen Pläne der Bundesregierung, bis 2020 rund 20 Prozent des Primärenergiebedarfs auf regenerative Energieerzeugung umzustellen, gehen wir von einem enormen Bedarf an Ingenieuren in diesem Bereich aus."
(idw, 03/2010)

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