HIV-Patienten besser versorgen – Kooperation mit Südafrika

Professor Hartwig Klinker leitet den Bereich Infektiologie an der Medizinischen Klinik II der Universität Würzburg. Mit seinem Team betreut er dort seit vielen Jahren auch HIV-infizierte Patienten. Derzeit sind es rund 300 bis 350, die regelmäßig in die Ambulanz kommen.

In Deutschland sind zur Behandlung der HIV-Infektion 22 Arzneistoffe zugelassen, die grundsätzlich in Kombination eingenommen werden müssen. Dadurch kann bei vielen Infizierten die Virenmenge im Blut stark gesenkt werden. Gleichzeitig steigt in der Regel die Zahl der für das Immunsystem wichtigen T-Helferzellen; der Gesundheitszustand verbessert sich.

Wichtig: Blutspiegel der Medikamente überwachen

„Langfristig hat die Therapie nur Erfolg, wenn die Medikamente im Organismus kontinuierlich in ausreichender Konzentration vorhanden sind“, sagt Professor Klinker. Das aber sei nicht immer gewährleistet. Denn viele Faktoren, wie zum Beispiel gleichzeitig eingenommene andere Arzneimittel oder die Art der Ernährung, können sich ungünstig auf die Konzentration der Medikamente auswirken.

Wichtig ist es darum, den Blutspiegel der Anti-HIV-Medikamente bei den Patienten zu überwachen. Die Würzburger Mediziner haben die dafür nötige Analytik entwickelt: Mit ihrer Hilfe lassen sich Medikamentenkombination und Dosis so gut auf jeden Patienten anpassen, dass die Effizienz der Therapie deutlich besser wurde.

Medikamenten-Dosierung nicht einfach auf Südafrika übertragbar

Auch HIV-Patienten in Südafrika sollen künftig von dieser Methode profitieren. „Einfach auf die dortigen Verhältnisse übertragen lässt sich die hier übliche Dosierung der Anti-HIV-Medikamente leider nicht“, sagt Klinker.

Grund: Das Wissen über die Wirksamkeit und Dosierung der Anti-HIV-Medikamente wurde fast nur in den USA und Europa gewonnen, und zwar überwiegend an erwachsenen Männern. In Afrika sind aber wesentlich mehr Frauen von der Infektion betroffen, und es müssen dort auch viele Kinder und Schwangere behandelt werden. Zudem haben die Patienten andere Begleitkrankheiten.

Weitere Unsicherheit: Möglicherweise verstoffwechselt der Organismus von Afrikanern die Medikamente anders, als es bei Europäern und Nordamerikanern der Fall ist. Deshalb ist bei Patienten in Südafrika die Untersuchung der Medikamentenspiegel besonders wichtig.

Südafrikanerin zu Gast in Würzburg

Forscher aus Südafrika und Würzburg kooperieren, um die hier etablierte Analytik der Anti-HIV-Medikamente in gemeinsamen Projekten weiterzuentwickeln. Noch bis vor einigen Tagen war bei Professor Klinker Desiré Fouché zu Gast, eine Pharmakologin, die an der Universität Stellenbosch zurzeit ihren Master macht.

Die junge Wissenschaftlerin untersucht mögliche Wechselwirkungen zwischen den Anti-HIV-Medikamenten und dem Arzneimittel Fluconazol, das in Südafrika häufig verschrieben wird. Fluconazol bekämpft einen Pilz, der Hirnhautentzündungen auslöst und HIV-Patienten häufig zu schaffen macht.

Methodik auch in Südafrika etablieren

Ziel der deutsch-südafrikanischen Kooperation: Die spezielle Analytik und die damit mögliche Anpassung der Dosierung der Anti-HIV-Medikamente soll sich auch in Südafrika etablieren – mit Blick auf die spezifischen Bedürfnisse dort. HIV-infizierte Kinder, Schwangere und Menschen mit bestimmter Begleitmedikation stehen im Mittelpunkt des Projekts.

Geleitet werden die Arbeiten von den Professoren Bernd Rosenkranz, Mark Cotton und Jantjie Taljaard in Kapstadt sowie von Hartwig Klinker in Würzburg. Das Projekt ist Teil des Internationalen Graduiertenkollegs „HIV/AIDS and associated infectious diseases in Southern Africa“ der Universitäten Würzburg, Kapstadt und Stellenbosch.

Kontakt

Prof. Dr. Hartwig Klinker, Schwerpunkt Infektiologie, Medizinische Klinik und Poliklinik II, Universitätsklinikum Würzburg, T (0931) 201-40043, Klinker_H@klinik.uni-wuerzburg.de
(idw, 05/2010)

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