Schwere Hirnentzündungen durch Bornavirus

Bornavirus

Bornavirus. In dieser Studie arbeiteten Forschergruppen der Universitäten in Regensburg, München, Gießen und Freiburg sowie des Bernhard-Nocht-Institutes für Tropenmedizin in Hamburg und des FLI auf der Insel Riems zusammen.

Das BoDV-1, das als Erreger der Borna’schen Krankheit bei Pferden, Schafen und anderen Säugetieren bereits seit langem bekannt ist, wurde 2018 erstmals als Ursache für schwere Hirnentzündungen beim Menschen nachgewiesen. Im Rahmen der jetzt vom FLI und der Universität Regensburg herausgegebenen Studie konnte das Virus neben aktuellen Krankheitsfällen auch in archivierten Fällen bestätigt werden. Der jüngste bekannte Fall trat Ende 2019 auf.

Das Reservoir des Erregers stellt die Feldspitzmaus dar. In der Mehrzahl der Fälle ist laut der Studie von einer Ansteckung durch Kontakt mit einer infizierten Feldspitzmaus bzw. ihren Ausscheidungen auszugehen. Der genaue Übertragungsweg ist jedoch noch unbekannt. Eine Übertragung auf natürlichem Wege von Mensch zu Mensch, Pferd zu Pferd oder Pferd zu Mensch wird nach den heutigen Erkenntnissen ausgeschlossen.

Die Ergebnisse der kooperierenden Forschergruppen und behandelnden Ärzte in den umliegenden Kliniken in Bayern machen klar, dass es sich bei BoDV-1 um ein Virus mit einer sehr hohen Todesrate handelt. Die absolute Zahl der Infektionen und damit die Gefahr, sich anzustecken, ist aber als sehr gering einzuschätzen. Ein Anstieg der Fallzahlen in den vergangenen Jahren ist nicht zu erkennen. Allerdings ist unklar, ob es weitere bislang nicht diagnostizierte Fälle gibt.

Um eine bessere Datenlage zum Vorkommen der Infektion beim Menschen zu schaffen, tritt zum 1. März 2020 eine Meldepflicht in Kraft.

Bornavirus kann Menschen töten

„Wichtig ist, dass gerade Fälle von unklarer Enzephalitis in Gebieten, in denen BoDV-1 vorkommt, auf das Virus untersucht werden“ so Prof. Dr. Martin Beer, Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am FLI. Die Erkrankung äußert sich neben Fieber und starken Kopfschmerzen durch schwerwiegende neurologischen Symptomen wie Sprach- und Gangstörungen und führt im weiteren Verlauf innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zum Koma. Zu den Risikogebieten in Deutschland gehören vor allem Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen sowie Teile angrenzender Bundesländer.

Wie Infektionen vermieden werden können, beschreibt ein vom FLI, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin und Robert-Koch-Institut veröffentlichtes Merkblatt.

Im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Konsortiums „ZooBoCo“ mit dem assoziierten Projekt „Borna-Fokus-Bayern“ wird die Erkrankung weiter erforscht und insbesondere an der Aufklärung der Übertragungswege sowie Behandlungsoptionen gearbeitet.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Martin Beer

Originalpublikation:
The Lancet Infectious Diseases: Zoonotic spillover infections with Borna disease virus 1 leading to fatal human encephalitis, 1999–2019: an epidemiological investigation
https://doi.org/10.1016/S1473-3099(19)30546-8

Scroll to Top