Hilfe, wenn selbst Trinken zum Kraftakt wird: Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung am Universitätsklinikum Bonn

Auf einen Schlag ist durch einen Unfall, eine Hirnblutung oder ein die Gefäße verstopfendes Gerinnsel nichts mehr wie es war. Denn wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, kann es trotz zeitnaher und guter medizinischer Versorgung dauerhaft Schaden nehmen. Daher erfahren Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen oft tiefe Einschnitte in ihrem bisherigen Leben. Für sie und ihre Angehörigen sind spezialisierte Nachsorge-Angebote eine große Chance, um sich Schritt für Schritt mit der veränderten Lebenssituation zurechtzufinden. Doch hier ist meist unbürokratische Hilfe gesucht, denn es gibt viele Fragen beispielsweise zu passenden Therapien, wohnortnahen Reha-Möglichkeiten und finanziellen Ansprüchen.

Hier setzt die ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung an, die ab sofort jeden Freitag von 13 bis 15 Uhr Patienten und Angehörige direkt in der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Bonn berät. Auch Angehörige von schwer kranken Betroffenen, die auf der Neurochirurgischen Intensivstation oder Intensivüberwachungspflegestation betreut werden, können sich dort bereits sehr frühzeitig beraten lassen. Das neue Angebot gilt zudem für Patienten der Neurochirurgischen Klinik mit beispielsweise Wirbelsäulentrauma oder Querschnittslähmung.

Für umfangreiche Teilhabe sind individuelle Angebote nötig

Klinikdirektor Prof. Dr. Hartmut Vatter weiß um die Sorgen von Menschen mit Behinderung oder von Behinderung bedrohter Menschen: „Der Beratungsbedarf dieser Patienten ist individuell und auch altersabhängig. So haben jungen Menschen eher dringende Fragen zum Berufsweg und zur Familienplanung. Ältere machen sich dagegen Sorgen um die fehlende Akzeptanz in ihrem sozialen und beruflichen Umfeld.“ Daher freut sich Prof. Vatter, in der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung einen Partner zur Unterstützung seiner Patienten in allen Fragen der Rehabilitation und Teilhabe gefunden zu haben.

Sowohl die Fachstelle EUTB, deren Beratungsangebot durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) gefördert wird, als auch der spezialisierte Beratungsdienst der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung richten sich an Ratsuchende in ganz Deutschland. Dabei beraten sie Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis – persönlich vor Ort, telefonisch und online sowie zunehmend in Kliniken und Praxen, in denen Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen behandelt werden. „Als EUTB ist es uns ebenso wichtig, auch vor Ort präsent zu sein und persönlich die Fragen der Ratsuchenden zu beantworten. Durch die langjährige Zusammenarbeit mit Herrn Prof. Vatter bieten wir jetzt wöchentlich Beratungsgespräche in der Neurochirurgischen Klinik auf dem Bonner Venusberg-Campus an – und somit direkt dort, wo sich Fragen rund um die Themen Rehabilitation, Nachsorge und Teilhabe zum ersten Mal stellen. So können wir die Ratsuchenden von Beginn an auf ihrem Weg begleiten“, sagt Helga Lüngen, Geschäftsführerin der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung

Peer-Beratung durch selbst Betroffene

„Wir sind frei von Interessenkonflikten und unabhängig. Im Mittelpunkt stehen für uns die Wünsche und die selbstbestimmte Lebensplanung und -gestaltung der ratsuchenden Person“, betont Sozialpädagogin Amrei Neißner. Im Rahmen des neuen EUTB-Angebots der ZNS – Hannelore Kohl Stiftung am Universitätsklinikum Bonn steht sie zusammen mit ihrem Kollegen Max Boecker Ratsuchenden zur Verfügung. Als sozialpädagogische Fachkraft, die selbst mit einer Behinderung lebt, kann Boecker als Experte in eigener Sache beraten. Als so genannter Peer-Berater kennt er sich aus eigenen Erfahrungen im Hilfesystem aus und kann sich daher sehr gut in die Lebenssituation und Anliegen der Ratsuchenden hineindenken. Neißner und Boecker sehen in ihrer Zusammenarbeit als inklusives „Tandem“-Team einen Gewinn für eine bestmögliche Beratung von Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen.

Scroll to Top