„Hier geht häufig etwas schief“

Jena (15.06.10) Wenn Zellen sich stark verändern, gar mutieren, ist Krebs nicht weit. Doch auch das Immunsystem verändert Zellen, um sie gegen Krankheitserreger einsetzen zu können. „Die Zellen, die Antikörper produzieren, mutieren die Gene für die Antikörper, um diese zu verbessern“, hat Berit Jungnickel in ihrer Habilitation im Fach Genetik (2008 in München) erforscht. Sie ist heute (15.6.) zur Professorin für Zellbiologie an der Universität Jena ernannt worden und damit die erste Professorin für dieses Fach an der Biologisch-Pharmazeutischen Fakultät. Damit ist sie gleichzeitig Brücke und wichtige Säule des Jenaer Zentrums für Molekulare Biomedizin (CMB), das ein wichtiger Grund für ihre Rufannahme in Jena war.

Die 42-jährige Zellbiologin, die aus Jena stammt und in Berlin Biochemie studierte, hat sich in ihrer Promotion mit den Signalen beschäftigt, die Kanäle öffnen, damit Proteine die Zelle verlassen können. Danach hat sich die Mutter zweier Kinder vor allem mit der Evolution von Antikörpern sowie der Tumorentstehung und -therapie beschäftigt. Sie untersucht die Mechanismen der Genmutation und wie diese Prozesse reguliert werden. Und dabei interessiert sie sich besonders für die Zellbiologie des Immunsystems, die ihr Arbeitsschwerpunkt in Jena ist: „Hier geht häufig etwas schief“, weiß die Wissenschaftlerin. „Beim Bekämpfen von Infektionen existiert das Risiko, Krebs zu produzieren – als Abfallprodukt der Abwehr“, sagt Jungnickel.

Gerade diese Prozesse möchte die frisch ernannte Professorin auch in Jena erforschen – in Fortführung ihrer Arbeiten als Leiterin einer Forschergruppe am Helmholtz-Zentrum München. Dort hat Berit Jungnickel mit ihrem Team u. a. identifiziert, warum die Zellen anders funktionieren, die bewusst diese ,Genfehler’ machen.

Prof. Jungnickel sieht sich auch als Immunologin und Altersforscherin und wird diese Themen im Jenaer Netzwerk auch in Kooperation mit den beiden Leibniz-Instituten weiter intensiv erforschen, auch wenn ihre ersten Forschungsprojekte stärker genetisch und zellbiologisch ausgerichtet sind. Aber vor allem ist es ihr Ziel, „hier in Jena eine starke Zellbiologie aufzubauen“, die eng mit der Biomedizin kooperiert.

Bei diesem Ziel sind ihr die Studierenden sehr wichtig, betont die Hobby-Musikerin, die sich selber als „Lehr-Junkie“ bezeichnet. „Die gesamte Biologie findet in der Zelle statt“, sagt Prof. Jungnickel. Dies will sie ihren Studierenden ebenso aufzeigen wie die guten Zukunftsperspektiven: „Biomedizinische Forschung bietet exzellente Karrierechancen“. Das biomedizinische Netzwerk in Jena, an dem die engagierte Wissenschaftlerin mitbauen wird, erhält durch die neue Professorin eine weitere Stärkung.

Kontakt:
Prof. Dr. Berit Jungnickel
Institut für Biochemie und Biophysik der Universität Jena
Hans-Knöll-Str. 2
07745 Jena
Tel.: 03641 / 579757
E-Mail. berit.jungnickeluni-jena.de
(idw, 06/2010)

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