Hessischer Tierschutz-Forschungspreis für Christina Spohr

Tuberkuline werden mithilfe von In-vivo- und In-vitro-Testverfahren für die Diagnose der Tuberkulose bei Mensch und Tier eingesetzt. Tuberkuline sind Antigenpräparationen, die aus dem Filtrat von Mykobakterienkulturen gewonnen werden. Aufgrund des biologischen Herstellungsprozesses können Chargen in ihrer Antigenzusammensetzung variieren. Jede Tuberkulincharge muss daher vor dem Inverkehrbringen getestet werden. Eine zu hohe Wirksamkeit könnte schwere Immunreaktionen auslösen und zu falsch positiven Ergebnisse führen, eine zu niedrige könnte falsch negative Ergebnisse erzeugen. Bis heute müssen Tuberkuline in Übereinstimmung mit den Prüfvorschriften des Europäischen Arzneibuchs bei Meerschweinchen getestet werden. Dieser Test ist für die Meerschweinchen sehr belastend und hat eine geringe Reproduzierbarkeit, die häufige Wiederholungen notwendig macht.

Dr. Christina Spohr entwickelte im Rahmen ihrer Promotion am Paul-Ehrlich-Institut mithilfe moderner immunologischer Methoden ein Testmodell, das die Wirksamkeitsprüfung mit knapp der Hälfte der bisher eingesetzten Tiere ermöglichen könnte. Zudem entfällt bei dem neuen Ansatz der für die Tiere belastende Tuberkulin-Hauttest. Stattdessen wird den Tieren bei diesem neuen, als „T-Zell-Proliferationstest“ bezeichneten Verfahren lediglich Blut für die Testung entnommen.

„Wir freuen uns, dass mit dem Hessischen Tierschutzforschungspreis Frau Spohrs Engagement für die Entwicklung eines zuverlässigeren Tuberkulin-Testverfahrens belohnt wurde“, betont Prof. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts.

Schon seit vielen Jahren engagiert sich das Paul-Ehrlich-Institut in erheblichem Umfang für den Ersatz von Tierversuchen bei der Zulassung von Arzneimitteln bzw. deren Prüfung auf Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit und hat hierfür bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Die Person
Dr. Christina Spohr ist Biologin und arbeitete von November 2011 bis Januar 2015 im Rahmen ihrer Promotion am Paul-Ehrlich-Institut. Seit Februar 2015 ist sie „Study Director Genetic Toxicology“ bei Envigo CRS GmbH, Roßdorf.

Der Hessische Tierschutz-Forschungspreis
Der mit 14.000 Euro dotierte Hessische Tierschutz-Forschungspreis wird von der Hessischen Landesregierung verliehen. Das Land Hessen möchte damit dazu beitragen, die Anzahl und das Leiden von Versuchstieren in der wissenschaftlichen Forschung und Lehre sowie der Herstellung biomedizinischer Produkte zu verringern. Der Preis wird alle zwei Jahre ausgeschrieben.

Publikationen
Spohr C, Kaufmann E, Battenfeld S, Duchow K, Cussler K, Balks E, Bastian M (2015): A New Lymphocyte Proliferation Assay for Potency Determination of Bovine Tuberculin PPDs; ALTEX. 2015;32(3):201-210.

Spohr C: Dissertation: Etablierung einer 3R-Alternativmethode für die Chargenprüfung von bovinem Tuberkulin unter Berücksichtigung mykobakterieller Lipidantigene im Meerschweinchenmodell; September 2015; Kaufmann E, Spohr C, Battenfeld S, De Paepe D, Balks E, Reiling N, Gilleron M, Bastian M: Experimental BCG vaccination induces lipopeptide reactive T cells specific for Myco-bacteria of the Mycobacterium tuberculosis complex; J Immunol. 2016; 196(6):2723-2732.

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Das Paul-Ehrlich-Institut in Langen bei Frankfurt am Main ist als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG). Es erforscht, bewertet und lässt biomedizinische Human-Arzneimittel und Veterinär-Impfstoffe zu und ist für die Genehmigung klinischer Prüfungen sowie die Pharmakovigilanz – Erfassung und Bewertung möglicher Nebenwirkungen – zuständig. Die staatliche Chargenprüfung, wissenschaftliche Beratung/Scientific Advice und Inspektionen gehören zu den weiteren Aufgaben des Instituts. Unverzichtbare Basis für die vielseitigen Aufgaben ist die eigene experimentelle Forschung auf dem Gebiet der Biomedizin und der Lebenswissenschaften. Das Paul-Ehrlich-Institut mit seinen rund 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nimmt zudem Beratungsfunktionen in nationalem (Bundesregierung, Länder) und internationalem Umfeld (Weltgesundheitsorganisation, Europäische Arzneimittelbehörde, Europäische Kommission, Europarat und andere) wahr.

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