Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

Weniger Zeit im Spital verbringen, weniger Medikamente nach einem Eingriff einnehmen müssen – beides Anliegen, welche die meisten Patientinnen und Patienten haben. Mit einer eben veröffentlichten Studie hat die Kardiologie des Inselspitals diesen Anliegen Rechnung getragen. Nach dem Prinzip des Abwägens von Nutzen und Risiken, das allen medizinischen Behandlungen zugrunde liegt, nahm sie die medikamentöse Nachsorge aus Patientensicht unter die Lupe.

Nach einem Eingriff der Herz-Koronararterien erhalten Patientinnen und Patienten routinemässig ca. ein Jahr lang Medikamente, welche die Blutplättchen hemmen. Damit sollen Herzinfarkte vermieden werden. Auf der anderen Seite führen die Medikamente bei manchen Patientinnen und Patienten zu Blutungen. Nur konnten die Ärztinnen und Ärzte bislang nicht herausfinden, wie hoch das Blutungsrisiko bei jeder Person war.

Personalisierte Nachsorge durch einfachen Test

In einer multizentrischen Studie unter der Leitung von Prof. Marco Valgimigli der Kardiologie des Inselspitals haben Kardiologinnen und Kardiologen nun einen einfachen fünfteiligen Test entwickelt: Dieser ermittelt das individuelle Blutungs-Risiko aufgrund der Faktoren Alter, Nierenfunktion, Hämoglobinspiegel, Anzahl weisser Blutplättchen und vorherige spontane Blutungen.

Bei einem hohen Risiko werden die Medikamente nur ca. drei Monate verschrieben – denn so lange profitiert der Patient oder die Patientin von der Schutzwirkung gegen Herzinfarkt, hat aber keine gravierenden Nebenwirkungen. Personen ohne erhöhtes Blutungsrisiko können die medikamentöse Herzinfarkt-Prophylaxe dagegen länger erhalten, da sie bei gutem Schutz keine Blutungen befürchten müssen.

Kontakt:

Prof. Dr.med. Marco Valgimigli, Oberarzt, Universitätsklinik für Kardiologie, Inselspital, Universitätsspital Bern, +41 31 632 47 14, marco.valgimigli@insel.ch.

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