Herzchirurgen aus aller Welt treffen sich in Leipzig

„Hands across the ocean“ ist auch in diesem Jahr das Motto, denn der Kongress wurde wieder von Prof. Dr. Friedrich-W. Mohr aus Leipzig und Prof. Dr. Michael J. Mack aus Dallas, USA organisiert.

„Dieses Treffen ist in seiner Konstellation, aber auch inzwischen 17jährigen Tradition weltweit einzigartig. Wir tauschen uns hier international zu verschiedenen Behandlungsmethoden aus und führen diese parallel und live vor den Augen der Kollegen durch“, erklärt der Leipziger Herzchirurg Prof. Dr. Friedrich-Wilhelm Mohr, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie und Ärztlicher Direktor des Herzzentrums Leipzig. Es werden hier vor Ort am Herzzentrum Leipzig 7 OP-Säle für diese Tagung genutzt, 20 Operationen sind hier an den 3 Tagen geplant. „Es wird jeweils ein Mitarbeiter des Herzzentrums dabei sein, sich mit Kollegen zu den neuesten Entwicklungen austauschen sowie den Input seitens des Herzzentrums geben können“.

Die Kongressorganisatoren haben tief in die technische Trickkiste gegriffen. Alle Bilder werden live in High Definition und 3D in den Hörsaal übertragen. Sieben Kamerakräne, mehrere ferngesteuerte Kameratürme und Kopfkameras sorgen dafür, dass die Kongressteilnehmer in den Live-Übertragung so dicht dabei sind, als stünden sie im OP-Saal. Sie können die Operateure nicht nur hören, sondern aus dem Hörsaal auch Fragen stellen. „Es nützt nicht viel, wenn man solche Techniken nur als Bericht hört und ein paar Powerpoint-Folien sieht“, erklärt Professor Mohr den hohen Aufwand. „Die Kongressteilnehmer sind erfahrene Herzchirurgen und Kardiologen, die wissen, dass jeder Mensch, jeder operative Eingriff einzigartig ist. Sie können sich durch diese Übertragungen zu einhundert Prozent in das Geschehen hineinversetzen.“

Schwerpunkte des Herzchirurgiekongresses sind unter anderem Neuerungen beim den verschiedenen Verfahren des Herzklappenersatzes, aber auch deren Reparatur. Mohr: „Wir können inzwischen auf mittel- bis langfristige Daten zu den Erfolgen verschiedener Techniken zugreifen, was für uns natürlich sehr spannend ist. Denn neue Techniken müssen auf der Basis von Langzeiterfahrungen beurteilt werden.“

Die Herzspezialisten diskutieren aber auch über die Perspektiven des Fachs, die Ausbildung zum Herzchirurgen und die Gewinnung von geeignetem Nachwuchs. Pieter Kappetein, Generalsekretär der Europäischen Gesellschaft für Herz- und Thorax-Chirurgie (EACTS) wies darauf hin, dass der Herzchirurg idealerweise mindestens 27 medizinische Felder in sieben Dimensionen auf letztendlich fünf Professionalisierungsebenen erlernen muss – eine enorme Herausforderung für den Arzt selbst aber auch seine Mentoren. Dies erfordere ein klares, gut strukturiertes Weiterbildungscurriculum, welches idealerweise international abgestimmt sei. Deshalb, so Kappetein, seien auch Kongresse wie der in Leipzig so enorm wichtig für die weitere Professionalisierung.

Ein besonderer Höhepunkt erwartet einen Teil der Gäste am Donnerstagabend. In der Alten Handelsbörse wird William E. Cohn (Houston, USA) über die Ähnlichkeit von Magie und Chirurgie berichten und während seines Vortrags aus ein wenig zaubern. Sein Fazit: Wenn man etwas wirklich perfekt beherrschen will, muss man zusätzlich zum normalen Trainingsprogramm diese Sache mindestens 10.000 Stunden intensiv üben. Und genau das sollte auch ein perfekter Herzchirurg tun. Trevor Fayers aus Brisbane (Australien) wird über seinen Selbstversuch berichten, die Tour de France nachzufahren.

Bis Samstag noch wird Leipzig das Mekka der Herzchirurgen sein – einer medizinischen Fachdisziplin, in der jeder jeden kennt und in der das Herzzentrum Leipzig einen ausnehmend guten Namen hat.

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