Herzchirurg und Grundlagenforscher

Jena. Professor Dr. Torsten Doenst ist seit dem 1. September neuer Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena. Der 41jährige Herzchirurg wurde auf den Lehrstuhl für Herz- und Thoraxchirurgie am UKJ berufen. Doenst wechselt vom Herzzentrum der Universität Leipzig, wo er eine der bundesweit ersten Heisenberg-Professuren als Auszeichnung für besondere Forschungsleistungen innehatte.
Im Operationssaal am offenen Herzen operieren und im Labor nach den Mechanismen fahnden, die jene Krankheiten auslösen, deren Folgen er als Chirurg beseitigt, zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das berufliche Engagement von Professor Dr. med. Torsten Doenst. Seit dem 1. September leitet der neu berufene Professor die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena. Zuvor war Doenst am Herzzentrum Leipzig als leitender Oberarzt tätig und war dort der bisher einzige Heisenberg-Professor der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Sein wissenschaftlicher Schwerpunkt liegt in der Erforschung des Herzstoffwechsels, also der Prozesse, die auf molekularer Ebene Substrate verbrauchen und Energie für die Pumpleistung des Herzmuskels generieren. Dabei hat Doenst mit seiner Gruppe entdeckt, dass ein Defekt des Energiestoffwechsels für die Entstehung einer Herzinsuffizienz (Pumpschwäche), der Haupttodesursache in den Industrienationen, verantwortlich sein könnte.
„Wir haben herausgefunden, dass ein Versagen der sog. Mitochondrien, also der Kraftwerke der Zellen, die gefährliche Pumpschwäche verursachen kann“, erklärt Prof. Torsten Doenst sein Spezialgebiet, auf dem er auch promovierte und habilitierte. Jetzt will er mit seinem Team, das ihm nach Jena gefolgt ist, untersuchen, ob durch Eingriffe in den Energiestoffwechsel die Pumpleistung des Herzens positiv beeinflusst werden kann. „Da die Pumpleistung des Herzens direkt mit dem Risiko einer Herzoperation zusammenhängt, hoffen wir künftig stoffwechselaktivierende Substanzen zur Behandlung unserer Patienten einsetzen zu können und damit die Ergebnisse zu verbessern“ gibt Doenst einen Ausblick auf die praktischen Anwendungsmöglichkeiten.
Bis dahin ist der Weg allerdings noch weit, ganz im Gegensatz zur Einführung neuer Strukturen und Verfahren in der Herzklappenchirurgie an der Jenaer Klinik, die der Chirurg von seinen früheren Tätigkeiten in Toronto und Leipzig mitgebracht hat. Hierzu gehören vor allem minimal-invasive Reparaturverfahren. Den vorhandenen Transplantationsschwerpunkt will Doenst vor allem im Bereich der künstlichen Organe weiter ausbauen. „Angesichts der herrschenden Organknappheit können wir unseren Patienten oft nur durch die Implantation eines solchen Organersatzsystems helfen“, so Doenst. „Die Situation ist inzwischen so dramatisch, dass Patienten der höchsten Dringlichkeitsstufe bis zu 6 Monate auf ein Organ warten müssen, statt der früher üblichen 2-3 Tage.“
Neben der klinischen Arbeit und seiner Forschung ist dem Vater einer 11 Monate alten Tochter aber auch die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses ein Herzensanliegen. „Hier möchte ich gern die Einführung sogenannter Mentorenprogramme anstoßen, bei denen Medizinstudenten von Anfang an ein erfahrener Arzt zur Seite steht“, erklärt Doenst seine Idee, die er aus den USA mitgebracht hat. Damit sollen die Studenten vom ersten Semester an Einblicke in die Klinik erhalten und so auch Berührungsängste vor den „Chefs“ abbauen. „Das Ziel wäre es, dem Nachwuchs früh eine realistische Perspektive und Praxisorientierung in Wissenschaft und Klinik zu geben. Dadurch kann vielleicht der oft eintretende Praxisschock beim Übergang ins Berufsleben verhindert werden und der Anteil der Medizinstudenten, die tatsächlich ärztlich tätig werden, von derzeit nur noch etwa 50 Prozent wieder erhöht werden“, sagt Torsten Doenst.
Angesichts dieser vielen Vorhaben freut er sich über die guten Kooperationsmöglichkeiten, die sich ihm am Uniklinikum und im wissenschaftlichen Netzwerk in Jena bieten. Überhaupt fühlt sich der im niedersächsischen Eichsfeld aufgewachsene Doenst im Thüringischen schon fast heimisch. „Es gefällt meiner Familie und mir hier sehr gut, und ich freue mich bereits darauf, irgendwann in einer ruhigeren Phase die Umgebung erkunden zu können“, so der passionierte Jogger.

Kontakt:
Prof. Dr. med. Torsten Doenst
Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9 32 29 01
E-Mail: Doenst@med.uni-jena.de
(idw, 09/2010)

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