Die Preisträger 2013:
Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg e.V.: Informationen für – nicht über – Menschen mit Demenz
Die Diagnose „Demenz“ kann jeden treffen. Verwirrung und Teilnahmslosigkeit prägen das Bild der Erkrankung, die im öffentlichen Diskurs daher oft mit Schrecken besetzt ist. Betroffene und Angehörige schweigen darüber vielfach aus Scham. Während es für pflegende Angehörige Infomaterial gibt, stehen die Betroffenen selbst ohne jegliche Information da. Diesen Zustand zu ändern ist das Ziel der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg. Mit speziell für – nicht über – Erkrankte entwickelte Publikationen will der Verein das stigmatisierende Bild in der Öffentlichkeit wandeln. Betroffene sollen sich mit der Veränderung der kognitiven Fähigkeiten auseinandersetzen, möglichst lange selbständig bleiben und vor allem nicht sofort den Mut verlieren. Die Jury honoriert dieses vorbildliche Engagement mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro. Weitere Publikationen sowie deren Verbreitung sind in Planung. Infos unter www.alzheimer-bw.de
Silke Groll, Kaarst: Virtuelle MS-Gruppe „Kinder und Jugendliche mit MS“
Multiple Sklerose tritt meist bei Erwachsenen um das 30. Lebensjahr auf, nur vereinzelt bei Jugendlichen und Kindern. Diese Gruppe selten Betroffener innerhalb einer Krankheit mit tausend Gesichtern hat so gut wie keine Lobby und auch Hilfestellung gibt es kaum. Die Diagnose ihrer 15-jährigen Tochter, die plötzlich ein Bein nicht mehr heben konnte, traf Silke Groll wie ein Schlag. Die wenigen spezialisierten Ärzte weit entfernt, die Anreise teuer und die Antworten vage. Für die Preisträgerin gab es nur eine Lösung: Selbstorganisation. Sie gründete eine Facebookgruppe, bei der sich mittlerweile rund 50 Familien mit MS-Kindern austauschen, von den Erfahrungen anderer profitieren und neuen Mut fassen. Sogar Ärzte und Selbsthilfeverbände verweisen auf das Know-how dieser Community. Neben der virtuellen Gruppe engagiert sich die Preisträgerin aber auch für die Einrichtung von mehr Kinder-Ambulanzen und für die Ausbildung von Paten für betroffene Familien. Die Jury honoriert das große Engagement mit 10.000 Euro. Kontakt zur Preisträgerin unter silkezhs@googlemail.com
Daniel Kwaschnik, Hannover: Virtuelle MS-Gruppe für junge Erwachsene
„Die MS hat’s nicht leicht mit mir“ – so das ermutigende Motto des Preisträgers, der mit 17 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhielt. Schrecken und Ungewissheit kanalisierte Daniel Kwaschnik in Tatendrang und griff im Jahr 2010 zur Tastatur. Zuerst suchte er über seine Website nach Gleichgesinnten, dann folgte die Vernetzung über die sozialen Medien. Seine Facebookgruppe hat mittlerweile 1.000 Mitglieder sowie 20 Administratoren, darunter eine professionelle Ansprechpartnerin von der DMSG. Die Betroffenen erreichen somit immer jemanden, der Infos bereithält oder auch mal Trost spendet. Und dies geschieht in einem geschützten Raum und über geographische Grenzen hinweg. Doch der heute 25-jährige ist nicht nur virtuell unterwegs. Er vertritt auch die Interessen von MS-Betroffenen bei Veranstaltungen und Aktionen. Mit dem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro kann er seine Gruppe bewerben, „echte“ Treffen organisieren und seine Website professionalisieren. Infos unter www.facebook.com/groups/wir.haben.die.kraft
Gerne sind wir Ihnen behilflich, Kontakt zu den Preisträgern aufzunehmen. Weitere Infos zum Preis unter www.ghst.de/hertie-preis
Pressekontakt
Julia Juckel
Gemeinnützige Hertie-Stiftung, Kommunikation
+49 (69) 66 07 56-172
JuckelJ@ghst.de
Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Als eine der größten weltanschaulich unabhängigen und unternehmerisch ungebundenen Stiftungen in Deutschland verfügt die Hertie-Stiftung über ein Vermögen von mehr als 936 Millionen Euro (per 31.12.2012), dessen Erträge dem Allgemeinwohl gewidmet sind.
Dem Willen ihres Stifters Georg Karg folgend, orientiert sich die Hertie-Stiftung an den Lebenssituationen der Menschen und den Herausforderungen der zukünftigen Gesellschaft in den Arbeitsgebieten Vorschule und Schule, Hochschule, Neurowissenschaften und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die Projekte und Initiativen der Stiftung leisten wissenschaftlich basierte und praxisorientierte Beiträge zur Lösung drängender Probleme unserer Gesellschaft. Sie haben sowohl zum Ziel, die Qualität des öffentlichen Diskurses zu verbessern, als auch in der Praxis modellhafte Lösungsansätze zu schaffen. Diese können und sollen von anderen übernommen werden. Entsprechend fördert und fordert die Hertie-Stiftung Eigeninitiative und Hilfe zur Selbsthilfe.
www.ghst.de