Herpesspezialist nimmt Ruf ans Heinrich-Pette-Institut an

Der wissenschaftliche Direktor des HPI, Thomas Dobner, freut sich über das Kommen seines ausgezeichneten Fachkollegen: „Mit der Berufung von Wolfram Brune ist es uns gelungen einen international hoch renommierten Virologen für Hamburg zu gewinnen. Seine Expertise ergänzt die Erforschung chronisch-latenter Virusinfektionen am Heinrich-Pette-Institut hervorragend.“

Wolfram Brune, Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, habilitierte an der medizinischen Fakultät der Universität Würzburg. Dort leitete er zudem im Rahmen des Emmy-Noether-Förderprogramms der DFG eine unabhängige Nachwuchsgruppe. Zuletzt war Brune als Leiter des Fachgebiets „Virale Infektionen“ am Robert-Koch-Institut in Berlin tätig. Seine neue Professur am Heinrich-Pette-Institut bietet ihm ein ideales Umfeld für seine gesundheitspolitisch hochrelevante Arbeit. Brune bestätigt: „Ich finde mein Forschungsfeld im Leitbild des HPI perfekt wieder und werde hier mit mehreren Forschungsgruppen und Abteilungen eng zusammen arbeiten können.“ Ihn habe insbesondere die sehr gute Ausstattung des Hamburger Instituts und dessen intensive Vernetzung mit infektiologischen Partnerinstituten im norddeutschen „Leibniz Center Infection“ sowie zur Universität überzeugt. Hier möchte er sich einbringen und freut sich auf interessante, zukunftsorientierte Kooperationen. An der Universität Hamburg wird er zudem in die Lehre der Fakultät für Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften eingebunden sein, da seine Professur am HPI in Kooperation mit dem Department für Chemie eingerichtet wurde.

Herpesviren verursachen lebenslange Infektionen bei Mensch und Tier und sie werden durch das Immunsystem kontrolliert. Wie erfolgt diese Kontrolle und wie gelingt es den Viren, ihr immer wieder zu entkommen und das Immunsystem zu manipulieren? Das sind wichtige Fragen, um chronische Virusinfektionen besser verstehen und Strategien sowie neue verträgliche Wirkstoffe dagegen entwickeln zu können. Eine Herausforderung, an deren Bewältigung Wolfram Brune und sein Forscherteam am Heinrich-Pette-Institut auch zukünftig arbeiten werden.

Oft treten schwerwiegende Krankheitssymptome durch Herpesviren erst auf, wenn das Immunsystem des Wirtes unreif oder geschwächt ist. In der Transplantationsmedizin sind Infektionen mit dem Cytomegalievirus deswegen ein erhebliches Problem. Während Kinder und Erwachsene mit einem intakten Abwehrsystem das Virus gut kontrollieren können, erleiden immungeschwächte Patienten oft schwere und zum Teil tödliche CMV-Infektionen mit Schädigungen der Lunge, Leber, der Augen und des Magen-Darm-Traktes. Das betrifft Organ- und Knochenmarktransplantierte, aber auch Tumorpatienten und HIV-infizierte AIDS-Patienten. Eine weitere gefährdete Gruppe sind Ungeborene und Neugeborene, deren Mütter sich frisch mit dem Cytomegalievirus infiziert haben. In Industrieländern kommen zwischen 0.2-2% der Neugeborenen mit einer CMV-Infektion zur Welt, etwa 10% der Infizierten erleiden schwere Schäden, z.B. an Leber und Milz. Außerdem können Blutarmut, Blindheit und Taubheit, verminderter Kopfumfang und deutliche Entwicklungsverzögerungen auftreten. Ein weit unterschätztes Risiko!

Über das Heinrich-Pette-Institut:
Das in Hamburg ansässige Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie (HPI) widmet sich seit 60 Jahren der Erforschung humaner Viren, der Pathogenese viraler Infektionen, der Wechselwirkung zwischen Viren und dem Wirt sowie damit zusammenhängender Probleme. Am HPI erforschen etwa 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein breites Spektrum global bedeutsamer Viren, wie HIV, Hepatitis B und C Viren, Herpesviren, Influenzaviren sowie verschiedene Tumorviren und Leukämie-assoziierte Viren. Mit seiner biomedizinisch-virologischen Grundlagenforschung ist das HPI in Deutschland einzigartig. Das Institut ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
(idw, 07/2010)

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