Herausforderungen in der Notfallmedizin: Der DIVI Kongress zeigt neue Therapiekonzepte

Die aktuelle BASt-Analyse hat es gezeigt: Das Spektrum der Notfälle im Rettungsdienst, die einen Notarzt erfordern, hat sich verändert. Verkehrsunfälle machen derzeit nur noch 5,4 Prozent der Einsätze aus, vor zehn Jahren waren es noch mehr als 16 Prozent. Akute Erkrankungen hingegen machen mittlerweile 44,5 Prozent und sonstige Notfälle 38,1 Prozent aus. „Diese neue Situation spiegelt sich auch in den Anforderungen an den Notarzt wider, insbesondere da neue Therapiekonzepte die Chancen einer Rettung gesteigert haben“, sagt Professor Peter Sefrin, Sektionssprecher der Notfall- und Katastrophenmedizin bei der DIVI.

Die häufigen „Volkskrankheiten“ Herzinfarkt und Schlaganfall sind ein gutes Beispiel. „Durch die gute Zusammenarbeit von Rettungsdienst und Klinik ist es uns heute möglich, mehr Menschen erfolgreich zu helfen“, sagt der Experte. „Mit der frühzeitigen Einleitung geeigneter Therapiemaßnahmen durch den Notarzt kann ein wesentlicher Beitrag zur Rettung und Rehabilitation der Patienten geleistet werden.“ Möglich machen das entsprechende Netzwerke, in denen Präklinik und Klinik durch verbindliche Absprachen vernetzt sind. Sie sind in der Lage, die Interventionszeit um bis zu 40 Minuten zu verkürzen. Zeit, die über Leben oder Tod entscheiden kann. Denn Herz oder Gehirn sind auf eine schnelle Sauerstoffzufuhr angewiesen, sonst kommt es zum Zelluntergang. Die dazu notwendigen Schritte sind wichtige Themen des Kongresses.

Aber nicht nur die Zahl der akuten Erkrankungen hat zugenommen. Trotz insgesamt weniger Verkehrsunfällen gibt es immer mehr Schwerverletzte mit so genannten Polytraumen. Darunter versteht man die Kombination mehrerer Verletzungen von Organen und Körperregionen. Für deren Versorgung gibt es inzwischen sowohl für den Rettungsdienst, wie auch für die Klinik evidenzbasierte Versorgungsvorgaben.

Eine Gefahr für das gut funktionierende Rettungsmedizinsystem in Deutschland ist darin zu sehen, dass Kosteneinsparungen durch Ausschreibungen gemacht werden sollen. So ist beispielsweise aus gutem Grund in Deutschland die Notfallversorgung von Patienten außerhalb des Krankenhauses verpflichtend durch Notärzte in Zusammenarbeit mit dem Rettungspersonal zu leisten. Eine – wie in USA übliche – alleinige Verantwortung durch das Rettungspersonal wird den berechtigten Ansprüchen nicht gerecht.
„Der falsche Weg wäre es, ärztliche Aufgaben auf nichtärztliches Personal zu übertragen, wie dies teilweise von der Politik gefordert wird“, betont Professor Sefrin. Die DIVI bietet inzwischen eine Reihe von speziellen Kursen an, beispielsweise Intensivtransport, Kindernotfälle oder Traumamanagement. Sie alle zielen auf eine zusätzliche Qualifikation von Ärzten im Rettungsdienst ab, um so den gesteigerten Herausforderungen gerecht zu werden.

Das Thema „Herausforderungen in der Notfallmedizin“ gehört sowohl in Theorie als auch in Praxis zum Programm des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, der vom 05. bis 07.12.2012 im CCH Congress Center Hamburg stattfindet. Das Motto lautet: „Erfolg durch Interdisziplinarität“. Kongresspräsident Professor Tobias Welte, Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover: „Denn gerade die Intensiv- und Notfallmedizin ist ein Bereich, in dem unterschiedliche Berufsgruppen – Ärzte, Pfleger und medizinisch-technischer Bereich – perfekt zusammen arbeiten müssen, um eine optimale Patientenversorgung zu gewährleisten.“ Hochkarätige Referenten halten Vorträge zu aktuellen Themen, etwa zur Situation der Organspende, den internationalen Konzepten zum Hirntod oder zu Notfällen im Kindesalter. Gleichzeitig findet auch ein Pflegekongress statt und wie schon in den letzten Jahren gibt es ein umfangreiches Praxisprogramm für Mediziner, Pfleger und Physiotherapeuten. Dazu gehören Workshops, Hands-on-Kurse und etliche Fortbildungsmöglichkeiten.

„Besonderes Highlight sind die Aktionen der Feuerwehr Hamburg, die u.a. eine Höhenrettungsübung im 28. Stock des Hotel Radissons durchführen, bei der die verletzte Person über die Außenwände transportiert werden muss“, sagt Kongress-Sekretär Privat-Dozent Dr. Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE).

DIVI weltweit einzigartig
Die 1977 gegründete DIVI ist ein weltweit einzigartiger Zusammenschluss von mehr als 1500 Anästhesisten, Neurologen, Chirurgen, Internisten, Kinder- und Jugendmedizinern sowie Fach-krankenpflegern und entsprechenden Fachgesellschaften: Ihre fächer- und berufsübergreifende Zusammenarbeit und ihr Wissensaustausch machen im Alltag den Erfolg der Intensiv- und Notfallmedizin aus. Insgesamt bündelt die DIVI damit das Engagement von mehr als 30 Fachgesellschaften.

Die Experten der DIVI:
– Professor Peter Sefrin ist Sektionsleiter der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und stellvertretender Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Notärzte Deutschlands (BAND).
– Professor Tobias Welte ist Präsident des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und Direktor der Klinik für Pneumologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.
– Privat-Dozent Dr. Stefan Kluge ist Kongress-Sekretär des 12. Kongresses der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin und Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE).

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