Helmholtz Zentrum München erhält Stiftungsmittel der Michael J. Fox-Foundation

Seit August 2010 wird am Helmholtz Zentrum München ein innovatives Projekt gefördert, das den Weg zu einer wirksamen Therapie gegen die Parkinsonsche Erkrankung ebnen könnte: das Protein LRRK2 soll kristallisiert und seine biochemischen und enzymatischen Funktionen beschrieben werden. Prof. Dr. Michael Sattler, Leiter des Instituts für Strukturbiologie, Prof. Dr. Marius Ueffing, Leiter der Abteilung Proteinanalytik und Dr. Johannes Glöckner wollen gemeinsam mit Emerald Biostructures in den USA dafür zunächst neue Methoden entwickeln, um das Protein bzw. relevante Teilbereiche in größerer Menge aufreinigen und biochemisch charakterisieren zu können. Biochemischen Verfahren werden mit NMR Spektroskopie, Kleinwinkelstreuexperimente und letztlich Röntgenstrukturanalyse kombiniert, um die Raumstruktur des Proteins zu entschlüsseln. „Die Aufklärung der Struktur des Enzyms wird als Schlüssel zur Aufklärung des molekularen Entstehungsmechanismus der Parkinsonschen Erkrankung angesehen und könnte das Feld revolutionieren,“ so Dr. Alexander Burgin von Emerald BioStructures.
LRRK2 (leucine-rich repeat kinase 2) gilt als zentraler Faktor in der Entstehung einer genetischen Form des Morbus Parkinson: die Überaktivität des Enzyms könnte zum vermehrten Absterben der Nervenzellen im Mittelhirn führen, das für die häufige neurodegenerative Erkrankung charakteristisch ist. „Wenn die Struktur von LRRK2 bekannt ist, haben wir zumindest für den LRRK2-bedingten Parkinson berechtigte Hoffnung auf neue Therapieansätze,“ sagen Glöckner, Sattler und Ueffing. Die gewonnen Strukturinformation ist eine Voraussetzung, um Wirkstoffe gegen Parkinson rational zu entwickeln und zu optimieren. „Zugleich werden wir neue Erkenntnisse gewinnen, wie sich Parkinson entwickelt und ermöglichen, dass künftig in früheren Stadien interveniert werden kann.“

Hintergrund:
Morbus Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, bei der dopaminerge Nervenzellen im Mittelhirn absterben. In der Folge kommt es neben weiteren Störungen zu Muskelstarre (Rigor), verlangsamten Bewegungen (Bradykinese), Muskelzittern (Tremor) und Haltungsinstabilität. Neben der klassischen sporadischen Form (idiopathisches Parkinson-Syndrom) sind auch familiäre, genetisch bedingte Formen bekannt. Typ 8 ist die häufigste familiäre Form des Morbus Parkinson und wird durch Mutationen im LRRK2-Gen verursacht.
Das LRRK2-Protein besteht aus mehreren Domänen und gehört zur Familie der Proteinkinasen. Kinasen übertragen Phosphatgruppen auf Zielproteine und tragen so zur Steuerung zellulärer Vorgänge bei. Die mit Parkinson assoziierten Mutationen bei LRRK2 führen vermutlich zu einer verstärkten Kinaseaktivität.

Die Michael J. Fox Foundation for Parkinson’s Research wurde im Jahr 2000 gegründet und widmet sich der Entwicklung heilender Therapien für Morbus Parkinson durch die Förderung innovativer Projekte. Die Stiftung hat bis 2010 fast 196 Millionen US-Dollar Erforschung in Forschung investiert – www.michaeljfox.org.
Das Helmholtz Zentrum München ist das deutsche Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt. Als führendes Zentrum mit der Ausrichtung auf Environmental Health erforscht es chronische und komplexe Krankheiten, die aus dem Zusammenwirken von Umweltfaktoren und individueller genetischer Disposition entstehen. Das Helmholtz Zentrum München beschäftigt rund 1.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens auf einem 50 Hektar großen Forschungscampus. Das Helmholtz Zentrum München gehört der größten deutschen Wissenschaftsorganisation, der Helmholtz-Gemeinschaft an, in der sich 16 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit insgesamt 30.000 Beschäftigten zusammengeschlossen haben – www.helmholtz-muenchen.de
Emerald BioStructures ist eine kollaborative Forschungsorganisation, die Expertise von Genetik bis Strukturbiologie vereint und auf Drug Discovery Services spezialisiert ist. Emerald betreibt eine leistungsstarke High-Throughput Plattform zur Identifizierung von Leadstrukturen und Struktur-basiertes Drug Design. Unsere Wissenschaftler stellen strukturbiologische Erkenntnisse zur Verfügung, um Durchbrüche in der Medikamentenentwicklung mit hochselektiven und wirksamen Verbindungen zu erzielen.

Ansprechpartner für Medienvertreter
Sven Winkler, Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH), Ingolstädter Landstraße 1 85764 Neuherberg
Tel.: 089-3187-3946, Fax 089-3187-3324, E-Mail:

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