Heigl-Preis an Prof. Dr. Matthias Franz

Das Programm unterstützt die wachsende Gruppe allein erziehender Mütter, deren Depressionsrisiko erhöht ist. Es wurde in fast zehnjähriger klinisch-wissenschaftlicher Arbeit entwickelt, die Erfolge sind sowohl bei den Müttern als auch bei deren Kindern nachweisbar signifikant.
Die Heigl-Stiftung, die von der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Heinrich-Heine-Universität verwaltet wird, verleiht den Preis seit 2004 jährlich für empirische oder konzeptuelle Arbeiten aus dem Bereich der psychodynamisch orientierten Psychotherapieforschung.

Das Programm wird von einem Paar (Mann/Frau) speziell geschulter Erzieher/innen über insgesamt 20 Gruppensitzungen für zehn bis zwölf Mütter durchgeführt. Diese Gruppenleiter/innen wurden zuvor in einem mehrtägigen Training speziell geschult. Die Schulung umfasst neben theoretischen Kenntnissen – beispielsweise zur Bindungstheorie, Entwicklungspsychologie oder Gruppendynamik – auch die detaillierte Vermittlung des umfangreichen Manuals.
Zentrale Ziele dieses Elterntrainings sind:
o die Stabilisierung der Mutter-Kind-Beziehung
o die Stärkung der intuitiven Elternfunktionen
o die Verbesserung der elterlichen Einfühlung in das Erleben des Kindes
o eine verbesserte und differenzierende Affektwahrnehmung
o die Bearbeitung unbewusster Delegationen (z.B. Überforderung des Kindes durch Übernahme elterlicher Funktionen in der Familie)
o Einübung sozialer und elterlicher Kompetenzen
o Bearbeitung evtl. bestehender Selbstwertprobleme und Schuldgefühle.

Alle Einflüsse, welche die zuverlässige und feinfühlige Beziehungsaufnahme der Mutter zu ihrem Kind beeinträchtigen, können langfristig einen negativen Einfluss auf die seelische Entwicklung sowie die sozialen und schulischen Fähigkeiten des Kindes nehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn keine Schutzfaktoren, wie z.B. eine weitere emotional positiv eingestellte und zuverlässig verfügbare Bezugsperson für Mütter und Kinder, vorhanden ist. Beispielsweise sind allein erziehende Mütter in einer schweren Partnerschaftskrise in ihrer emotionalen Zuwendungsfähigkeit nicht selten eingeschränkt und selber häufig unterstützungsbedürftig.
So können sich Mütter gerade dann ihrem Kind nicht so gut zuwenden, wenn es das Kind am nötigsten braucht. Zum Beispiel in einer Übergangs- oder Ablösesituation – wie sie durch Kindergarten- oder Schuleintritt gegeben ist – benötigen Kinder stabile und einfühlungsfähige Bezugspersonen. Ohne emotionale Unterstützung zur Bewältigung dieser neuen Entwicklungsanforderung sind sie mit der selbstständigen Bewältigung einhergehender emotionaler Spannungs- und Stresszustände nicht selten überfordert. Das Wohlbefinden des Kindes hängt dann sehr davon ab, ob das Kind über eine einfühlsame Bezugsperson verfügt. Hier kann ein präventives Elterntraining wie PALME über die Unterstützung der Mutter einen positiven Einfluss ausüben.
(idw, 03/2010)

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