HDZ NRW: Mini-Herzkatheter rettet Frühgeborenes

„Wir haben für diesen Eingriff den Herzkatheter daher extra selbst anpassen müssen und konnten dadurch eine belastende große Herzoperation vermeiden“, erläutert Privatdozent Dr. Nikolaus Haas, der den Eingriff an dem nur wenige Tage alten Baby Emilie vornahm. Die kleine Patientin konnte bereits in dieser Woche wieder auf die Frühgeborenenintensivstation in ihr Heimatkrankenhaus verlegt werden.

Dass der Start ins Leben für ihre Kinder nicht einfach würde, das haben Jan und Stephanie B. aus Dorsten dank der guten diagnostischen Möglichkeiten der Schwangerschaftsvorsorge schon früh gewusst. Am 15. April kamen ihre Zwillingstöchter Emilie und Carla in Coesfeld zur Welt – zehn Wochen zu früh und nur 1.420 und 680 Gramm leicht.

Emilie wurde umgehend in das Zentrum für Angeborene Herzfehler im HDZ NRW nach Bad Oeynhausen verlegt. Sie kam mit einer Verengung der Lungenschlagaderklappe, einer sogenannten Pulmonalstenose, zur Welt. Dieser Herzfehler war für das Frühgeborene lebensbedrohlich, da er zu einem Blutstau vor der rechten Herzkammer, verbunden mit einem sehr hohen Blutdruck, führte. Dadurch suchte sich das Blut einen Umweg und es kam immer öfter zu bedrohlichen Abfällen der Sauerstoffkonzentration bei der Patientin.

„Im Vergleich zu einer Operation ist ein Herzkathetereingriff in jedem Fall das schonendere Verfahren, da er ohne Vollnarkose und ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine durchgeführt wird“, betont Oberarzt PD Dr. Nikolaus Haas. Dennoch musste der Leiter des Bad Oeynhausener Kinderherzkatheterlabors zunächst zum Skalpell greifen, um das kleinste verfügbare Herzkathetermaterial zu kürzen und mit nur 1 Millimeter Durchmesser für seine bisher kleinste und leichteste Patientin passend zu machen.

Mit dem so erschaffenen Miniaturkatheter und einem haarfeinen sehr biegsamen Spezialdraht gelang ihm der Zugang zu der verengten Herzklappe, die anschließend mit einem größeren Ballon gesprengt wurde. Die kleine Emilie hat den Eingriff mit einem leichten Schlafmittel so gut überstanden, dass sie bereits vier Tage später wieder zurück in ihr Heimatkrankenhaus nach Coesfeld verlegt werden konnte. Für sie und ihre Zwillingsschwester wünschen sich die erleichterten Eltern nach dem schwierigen Start ins Leben nur noch eines: „Unsere Frühchen sollen jetzt tüchtig wachsen!“

Hintergrundinformation:

Am 5. Mai ist der Tag des herzkranken Kindes

Eines von 100 Neugeborenen kommt mit einem Herzfehler zur Welt. Dieses Risiko ist für Kinder aus Mehrlingsschwangerschaften, bei Frühgeburten und besonders niedrigem Geburtsgewicht dabei im Vergleich zum Bundesdurchschnitt doppelt so hoch.

Der bei weitem häufigste angeborene Herzfehler mit fast der Hälfte der registrierten Fälle ist der Hauptkammerscheidewanddefekt (Ventrikelseptumdefekt, 48,9 Prozent), bei dem eine Verbindung zwischen den beiden großen Herzkammern besteht, gefolgt vom Vorhofseptumdefekt (17 Prozent), also der Verbindung zwischen linker und rechter Vorkammer, und der Pulmonalklappenstenose (6 Prozent). Bei 39,3 Prozent wurde der Herzfehler bereits pränatal festgestellt, bei drei Viertel dieser vorgeburtlich entdeckten Schädigungen war der Herzfehler stark ausgeprägt.*

Das Zentrum für Angeborene Herzfehler im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen (Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum), unter der Leitung von Prof. Dr. Deniz Kececioglu und Dr. Eugen Sandica ist auf die Diagnose und Behandlung aller Arten von angeborenen Herzfehlern spezialisiert. Jährlich werden hier rund 400 Operationen und über 500 Herzkathetereingriffe durchgeführt. Das Zentrum ist weltweit bekannt für beste Behandlungsergebnisse bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit komplexen angeborenen Herzfehlern. Pro Jahr werden 6.800 Patienten ambulant und über 900 Patienten stationär in Bad Oeynhausen behandelt.

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