Hautinfektionen im demografischen Wandel – Zusammenhang zwischen Haut und Immunsystem

Ungezielte oder unnötige Antibiotikagaben
„Wir wissen bereits, dass Störungen des mikrobiellen Gleichgewichtes, beispielsweise durch die ungezielte oder unnötige Gabe von Antibiotika, Infektionen begünstigen können,“ berichtet Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter, Klinik für Dermatologie und Venerologie der Universitätsklinik Halle und Vorsitzender der Arbeitsgruppe Dermatologische Infektiologie und Tropendermatologie der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG).

Resistenz von Infektionserregern
Mit zunehmendem Durchschnittsalter unserer Bevölkerung steigt die Anzahl der Menschen mit chronischen Wunden und mit Immunerkrankungen. Beides sind Faktoren, die Haut- und Weichgewebeinfektionen fördern und womöglich eine Aussaat in das Blut.
Für alle medizinischen Fachdisziplinen gilt: Die unkritische, also zu häufige und unnötige Gabe von breit wirksamen Antibiotika hat bereits zur Resistenz eines häufigen und potenziell gefährlichen Infektionserregers geführt, dem „Haufenbakterium“ Staphylokokkus aureus. Dermatologen kommt bei der Früherkennung und gezielten Behandlung dieser Infektionen eine große Verantwortung zu.

Neue systemische Krätze-Behandlung
Nach Prof. Sunderkötter wurde in bestimmten Regionen Deutschlands in letzter Zeit wieder häufiger Skabies (Krätze) diagnostiziert. „Die häufigere Diagnose oder eine mögliche Zunahme der Skabies hat nichts mit den schutzsuchenden Flüchtlingen zu tun, denn sie werden auf Skabies untersucht“, so Prof. Sunderkötter. Ansteckungsquellen sind vielmehr Menschen mit abgeschwächter Immunreaktion, wie sie häufig bei älteren Patienten auftritt. Sie können eine hochansteckende Form der Skabies haben. Diese kann beispielsweise schnell in Pflegeheimen ausbrechen, denn bereits ein kurzer körperlicher Kontakt führt zur Ansteckung. Die gewöhnliche Skabies hingegen ist weniger infektiös, wird aber bei längerem engen Kontakt übertragen und nimmt aus gleichem Grunde zu wie andere sexuell übertragene Infektionen.
Mit der kürzlichen Zulassung eines Medikamentes (Ivermectin) für die systemische Behandlung der Krätze steht eine weitere rasche und sichere Behandlungsmöglichkeit zur Verfügung.

Sexuell übertragene Infektionen
Und Prof. Sunderkötter warnt: „Die sexuell übertragenen Infektionen sind keinesfalls ausgestorben.“ Im Gegenteil haben diese Infektionen in Deutschland zugenommen. Wichtige Erreger, wie die Gonokokken als Verursacher des Trippers, zeigen vermehrt Antibiotika-Resistenzen.

Virusinfektionen weltweit
In den vergangenen Jahren hat es weltweit wiederholt lokal begrenzte Ausbrüche von bestimmten viralen fiebrigen Infektionen mit Hauteinblutungen gegeben: Im Jahr 2016 wurden Infektionen mit dem Zika-Virus bekannt, davor Ebola, auch traten immer wieder Fälle von Dengue-Fieber auf. Die Dermatologen in Deutschland sind mit Hautinfektionen vertraut und auch für reisemedizinische Infektionen sensibilisiert und wachsam.

Prävention durch Impfen
Schließlich rät Prof. Sunderkötter zur konsequenten Infektionsvorbeugung durch Impfen: „Impfungen sollten wann immer empfohlen, und so früh wie angegeben, durchgeführt werden, z.B. Impfung gegen „Warzenviren“ (humane Papillomviren). Sie schützen auch vor bestimmten Krebsformen, wie dem Gebärmutterhalskrebs.“

Autor:
Prof. Dr. med. Cord Sunderkötter
Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie
Martin-Luther-Universität
Ernst-Grube-Str. 40
06097 Halle (Saale)

Jahrestagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG)
Hautinfektionen sowie die Zusammenhänge zwischen Haut und Immunsystem werden auf der diesjährigen Jahrestagung der DDG von Experten der dermatologischen Forschung und niedergelassenen Dermatologen besprochen. Die 49. Jahrestagung der DDG findet vom 26. – 29. April 2017 im Berliner CityCube statt. Mehr als 3.000 Hautärzte werden erwartet.

Eine gesundheitspolitische Fragestunde findet am 27. April 2017 um 17:15 Uhr im City Cube Berlin statt.

Kongress-Pressestelle:
Die DDG unterhält während der Tagung im Berliner CityCube eine Pressestelle. Diese ist von Mittwoch (26.04.) bis Freitag (28.04.) von 9 bis 17 Uhr besetzt.

Hinweise für Redaktionen:
Zu diesen Themen sind Pressemitteilungen zu Beginn der Tagung abrufbar:
• Aktuelle Herausforderungen der Dermatologie
• Molekulare Diagnostik in der Dermatologie
• Neue Therapiemöglichkeiten für das maligne Melanom
• Neue Therapie bei schweren Allergien
• Hautinfektionen 2017
Sollten Sie die (Vor-)Berichterstattung mit einem Gespräch mit einem unserer Experten ergänzen wollen, stellen wir gerne einen Kontakt her.
Rufen Sie uns an: Tel. 030-246253-38 oder 0176-62543711.

Allgemeine Fragen und Interviewanfragen:
Jenny Kocerka
Geschäftsstelle der DDG
Robert-Koch-Platz 7
10115 Berlin
E-Mail: j.kocerka@derma.de
Tel.: 030/246253-38, Fax: 030/246253-29
Mobil: 0176-62543711

Akkreditierung zur 49. DDG Tagung:
Das Anmeldeformular finden Sie auf unserer Internetseite www.derma.de/de/fuer-aerzte/49-ddg-tagung/presse. Dieses senden Sie bitte ausgefüllt und unterschrieben an folgende E-Mail-Adresse: registration.berlin@mci-group.com

Bitte notieren Sie handschriftlich, dass Sie sich als Presse akkreditieren möchten. Daher fallen keine Gebühren für Sie an. Senden Sie am besten gleich den digitalisierten Presseausweis mit!

Die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) ist die wissenschaftliche Fachgesellschaft der deutschsprachigen Dermatologen mit mehr als 3.700 Mitgliedern. Sie ist gemeinnützig und fördert Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Dermatologie und ihrer Teilgebiete.

Die DDG bemüht sich zudem um die Förderung der klinischen und praktischen Dermatologie, Allergologie und Venerologie sowie ihrer konservativen und operativen Teilgebiete. Hierzu dienen z.B. die Durchführung von wissenschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere von wissenschaftlichen Kongressen sowie die Publikation von Tagungsberichten, die Anschubfinanzierung und Förderung von Forschungsvorhaben.

Darüber hinaus fördert die DDG nationale und internationale Wissenschaftler sowie wissenschaftliche Einrichtungen im deutschsprachigen Raum durch die Vergabe von Forschungsgeldern sowie Stipendien.

Scroll to Top