Hat das Herzmedikament Digitalis ausgedient? Nürnberger Herztage hinterfragen Therapiekonzepte

Im Fokus der 8. Nürnberger Herz-Tage, die am 15./16. Januar 2016 im Germanischen Nationalmuseum stattfinden, stehen Themen, die der gesamten Medizin ihren Stempel aufdrücken: Die „Bing Lecture“ behandelt dieses Jahr das Thema: „Ethik und Ökonomie in der Medizin – wie passt das zusammen?“ Mit diesem Vortrag wird an den berühmten Kardiologen Richard Bing (1909 – 2010) erinnert, der in Nürnberg geboren wurde und aufwuchs, seine medizinische Karriere in den USA fortsetzte und als ein international anerkannter Kardiologe seiner Zeit galt. Den Vortrag hält Professor Dr. Urban Wiesing, Medizinethiker an der Universität Tübingen. Die wissenschaftliche Leitung dieser Tagung hat Professor Dr. Matthias Pauschinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik 8 – Kardiologie am Klinikum Nürnberg und Universitätsklinik der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Nürnberg.

Bundesweite Studie DIGIT-HF überprüft Wirksamkeit der Digitalis-Therapie

Hochaktuell ist die Diskussion um das älteste Medikamente, mit dem die Herzschwäche behandelt wird: Digitalis, das ursprünglich aus dem Fingerhut gewonnen wurde. Jahrzehntelang setzt man darauf, dass es die Kraft des Herzmuskels stärkt, indem es die Aufnahme Calcium und Natrium in die Herzmuskelzelle beeinflusst. „Seit Jahrzehnten sind Digitalispräparate für einen Teil der Patienten mit Herzschwäche sehr wichtige Medikamente, vor allem weil sie bei Nierenversagen gegeben werden können“, sagt Professor Pauschinger. „In den letzten Jahren sind sie wegen angeblich mangelnder Wirksamkeit und zusätzlicher Nebenwirkungen, die man in Studien gefunden hat, in Verruf geraten.“
Tatsache ist, dass es nur wenig wissenschaftlich gesicherte Ergebnisse zum Einsatz von Digitalis gibt. Seit August 2015 soll eine deutschlandweite klinische Studie (DIGIT-HF) mit 2.200 Teilnehmern, an der auch die Kardiologie des Klinikums Nürnberg beteiligt ist, für Klarheit sorgen. Die Studie untersucht, ob der Wirkstoff Digitoxin bei einer schweren Herzschwäche das Leben verlängern und die Krankenhausbehandlung reduzieren kann. Bei den Nürnberger Herz-Tagen wird der Studienleiter Professor Dr. Johann Bauersachs, Medizinische Hochschule Hannover, eine Standortbestimmung vornehmen: „Ist die Digitalis-Therapie out?“.

Besser mit der Herzschwäche leben – Nürnberger CardioNet NORIS hilft Patienten

Herzschwäche ist in Deutschland eine der häufigsten Todesursachen. Jedes Jahr sterben fast 50.000 Menschen daran; die Zahl der Erkrankungen hat aufgrund des gestiegenen Lebensalters zugenommen. Rund 500.000 Patienten werden laut Deutschem Herzbericht jedes Jahr in Deutschland stationär wegen einer Herzschwäche behandelt.
„Neben den Fortschritten bei der medikamentösen Behandlung brauchen wir vor allem gute Versorgungsstrukturen, um diesen Menschen in der Klinik und zu Hause helfen zu können“, so Professor Pauschinger. In Nürnberg wurde deshalb das CardioNet Noris vom Klinikum Nürnberg und dem Nürnberger Gesundheitsnetz Qualität & Effizienz als eine Initiative der Gesundheitsregion Bayern gegründet. Klinikärzte und niedergelassene Ärzte engagieren sich für rasche Hilfe im Notfall, bessere Information und Lebensqualität Zum Angebot des CardioNets gehören u.a. Ernährungsberatung, Sportgruppen und Informationsabende.

Journalisten sind herzlich zu den 8. Nürnberger Herztagen eingeladen! Interviewwünsche vorab und während der Tagung werden gerne realisiert. Bitte wenden Sie sich an die Pressestelle des Klinikums Nürnberg unter Tel. 0911/398-3628.

Die Tagung findet am 15./16. Januar ab 13 Uhr im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg statt und ist in deutscher Sprache. Die Bing Lecture „Ethik und Ökonomie in der Medizin – wie passt das zusammen?“ findet am Freitag, den 15.01., um 18 Uhr statt.

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