Harnblasenkrebs – Fotodynamische Diagnostik und Greenlightlaser-Therapie helfen Patienten

Harnblasenkrebs – Mit Hilfe der Blaulicht-Zystoskopie lassen sich Blasenkrebse früher erkennen. Grundlage ist eine fotoaktive Substanz, die unter blauem Licht die vom Krebs befallenen Flächen in der Harnblase erkennen lässt. In Kombination mit dem Greenlight-Laser können diese Stellen unmittelbar bearbeitet werden: Der Laser verdampft die vom Krebs befallene Fläche.

Vom Weißlicht zum Blaulicht
Seit Jahrzehnten galt die Weißlicht-Zystoskopie in der Urologie zum Erkennen von Harnblasenkrebs als bewährte Methode. Nach jahrelangen Experimenten ist jetzt eine fotoaktive Substanz (Hexaminolewolinat – Hexwichs) zugelassen, mit deren Hilfe unter Blaulicht (Blaulicht-Zystoskopie) flache, krebsige Veränderungen in der Harnblase früher erkannt und somit besser therapiert werden können. Während der Blaulicht-Zystoskopie leuchten sowohl die papillomatösen wie auch die aggressiven, flachen und oberflächlichen Harnblasenkrebse (Carzinoma in situ – CIS). Im reinen Weißlicht war vorher das Carzinoma in situ meist nur sehr schwer oder gar nicht erkennbar. Ziel der neuen Blaulicht-Zystoskopie ist das frühzeitige Erkennen aller Blasenkrebse und der lebenslange Erhalt des wichtigen Organs Harnblase.

Risikogruppen für Blasenkrebs
Jährlich erkranken etwa 29.000 Menschen an Blasenkrebs. Als Risikofaktoren gelten nachgewiesen neben dem Alter aromatische Amine (z.B. Nitrosamine) und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. Diese beiden gesicherten Blasenkarzinogene werden von Menschen u.a. durch Zigarettenkonsum aufgenommen. Neben der Aufnahme über die Lunge können die Blasenkarzinogene auch über den Gastrointestinaltrakt und die Haut aufgenommen werden. Auch Chemiearbeiter und Passivraucher sind einer Vielzahl von aromatischen Aminen ausgesetzt, deren Einfluss zu Veränderungen an der Urothel-DNA führt, die molekularbiologisch und molekulargenetisch nachgewiesen werden können. „Ich warne daher auch vor den Risiken des aktiven Zigarettenkonsums gerade bei jungen Männern, die statistisch betrachtet in ca. 24 Jahren mit einer Wahrscheinlichkeit von 30 bis 40 % an Blasenkrebs erkranken“, erklärt Dr.
Gib.

Weitere Risikofaktoren für Blasenkrebs sind: Infekte durch Fremdkörper, die Harnblasenentzündung (Zystitis) sowie Blasensteine und eine Harnabflussstörung beim Urinieren. Zwischen der Exposition des Karzinogens und dem Auftreten des manifesten Blasenkrebs besteht ein langes Zeitintervall von durchschnittlich 24 Jahren. Das Harnblasenkrebskarzinom ist ab der 6. Lebensdekade eine der häufigsten Krebsarten bei Menschen; Männer sind zurzeit davon häufiger betroffen als Frauen. Unter den Medikamenten mit Risikofaktoren für Blasenkrebs sind der regelmäßige Gebrauch von Abführ- und Schmerzmitteln erwiesen. Unter der sogenannten sanften Heilung durch Einnahme fernöstlicher Kräutermischungen wird vor chinesischen Kräutern, die Aristolochiasäuren enthalten, gewarnt, weil sie das Risiko für Tumore im Urogenitaltrakt erhöhen.

Symptome bei Blasenkrebs
Hauptsymptom einer Erkrankung mit Blasenkrebs ist der blutige Urin. Hier gilt die Regel: Jede Blutbeimengung im Urin (Mikro- oder Makrohämaturie) ist so lange krebsverdächtig bis das Gegenteil bewiesen ist! Neben der Untersuchung des Urins muss der gesamte Harntrakt mit bildgebender Methodik (Ultraschall, Röntgen oder Kernspintomographie) untersucht und abgeklärt werden. Die Harnröhren- und Harnblasenspiegelung (Urethrozystoskopie) bestätigt die Diagnose und ist mit Hilfe eines speziellen endoskopischen Instrumentariums der Weg zur Therapie der Blasenkrebsentfernung durch transurethrale Resektion (hochfrequenzchirurgische Abtragung unter Sicht).

Fotodynamische Diagnostk und -Therapie in Kombination mit dem Greenlight-Laser
Bereits seit mehreren Jahren hat die Klinik für Urologie am Knappschaftskrankenhaus Sulzbach zahlreiche Erfahrungen in der operativen Therapie der gutartigen Prostatavergrößerung mit dem Greenlight-Laser gesammelt. In dieser Zeit wurden fast 500 Patienten mit dieser Methode erfolgreich behandelt. Seit einigen Monaten hat die Urologie eine wesentliche Fortentwicklung des Greenlight-Lasers im Einsatz: Mit Hilfe eines speziellen Lichtwellenleiters (Faser) lässt sich somit der frühzeitig erkannte Blasenkrebs genauso wie die Verengung von Harnröhren (Strikturen) behandeln.

„Für uns lag daher bei speziellen Formen des Blasenkrebses die Kombination von fotodynamischer Diagnostik (Blaulicht-Zystoskopie) mit Greenlight-Laser-Ablation nahe“, erklärt Dr. Michael Gib, Chefarzt der Klinik für Urologie. „Wir haben in Einzelzellen mit dieser Kombinations-Therapie bereits erste Erfahrungen gesammelt. Bei mehreren Patienten konnten die oberflächlichen Blasenkrebse im Blaulicht überhaupt erst erkannt und unmittelbar mit dem Greenlight-Laser entfernt werden. Unter Weißlicht war nichts zu sehen.“

Der Greenlight-Laser arbeitet beim Blasenkrebs mit einer Leistung von 20 bis 40 Watt. Hierdurch wird nur die kranke Blasenschleimhaut (Urothel) behandelt und tiefere Schichten der Harnblasenwand (Muskulatur) werden geschont. Gleichzeitig wird das Risiko, das erneut Blasenkrebs auftritt, verringert. „Langfristig erhoffen wir uns, mit dieser Methode die erkrankte Blase zu sanieren und sie dem Patient zu erhalten, was eine Langzeit-Beobachtung noch zeigen darf. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass diese schonende Kombinationstherapie beim oberflächlichen Blasenkrebs einen wichtigen Stellenwert erhalten wird“, ergänzt Dr. Gib. (07/2010)

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