Häufigstes Frauenleiden bleibt oft lange unerkannt

Jena. Es ist das häufigste, aber auch das am schwierigsten zu diagnostizierende Frauenleiden: Endometriose. Mehr als eine Million Frauen in Deutschland leiden unter dadurch verursachten Schmerzen und Kinderlosigkeit. Bis zur Diagnose vergehen oft Jahre. Endometriose-Zentren wie am Universitätsklinikum Jena (UKJ) bündeln das Fachwissen der Experten und wollen so betroffenen Frauen besser und vor allem schneller helfen.

„Die Endometriose stellt uns immer wieder vor große Herausforderungen“, beschreibt Prof. Dr. Ingo Runnebaum, Direktor der Gynäkologie am UKJ. „Oft werden die Beschwerden der betroffenen Frauen als Regelschmerzen abgetan, auch von Ärzten, die oft zu wenig über das zwar weit verbreitete, aber unbekannte Krankheitsbild wissen.“ So vergehen im Durchschnitt sechs bis 12 Jahre zwischen dem Auftreten starker Unterbauchschmerzen und der Diagnose. Diese Zeitspanne soll deutlich kürzer werden, das ist eines der Ziele der im Endometriose-Zentrum der Frauenklinik am UKJ verbundenen Spezialisten. Hier finden die Frauen alle Ansprechpartner unter einem Dach: Operateure, Endokrinologen, aber auch Schmerztherapeuten und Psychologen. Betreuung aus einer Hand, gemäß dem neuesten Stand der Medizin.

Hervorragende Arbeit bescheinigt dem Jenaer Zentrum nun auch das Zertifikat als „Endometriose-Zentrum Stufe III“, der höchsten Qualitätsstufe, die die Jenaer als einziges Zentrum im gesamten mitteldeutschen Raum erhalten haben. Verliehen wird das Qualitätssiegel durch die Stiftung Endometriose-Forschung. Deren Vorsitzender Prof. Schweppe wird das Zertifikat gemeinsam mit der Bundesvorsitzenden der Selbsthilfe am 17. November während des Kolloquiums zu Endometriose persönlich in Jena überreichen. „Das ehrt uns natürlich besonders“, freut sich Prof. Jürgen Weiss. Der Experte für Kinderwunsch ist Teil des Teams im Endometriose-Zentrum. „Etwa in 20 bis 30 Prozent aller Fälle von ungewollter Kinderlosigkeit ist Endometriose die Ursache“, so Weiss. Hier helfen Operationen, um die Ursache zu beseitigen. In anderen Fällen greift der Endokrinologe zu Medikamenten, um die Beschwerden zu lindern. „Bei Endometriose gelangt Gebärmuttereigenes Gewebe in den Bauchraum“, erklärt Prof. Weiss die Zusammenhänge. „Das verursacht zum einen Schmerzen und kann zum anderen Schwangerschaften verhindern.“ Am häufigsten tritt Endometriose bei 30jährigen Frauen auf. Die Ursache für die Erkrankung vermuten die Ärzte in der Menstruation selbst. „Wir glauben, dass sich während der Regelblutungen Gewebezellen über die Eileiter außerhalb der Gebärmutter ansiedeln“, so Weiss. Wie genau dies geschieht, dazu forschen die Mediziner noch.

Bereits bekannt ist, welche Mittel helfen können: „Da die Lösung darin besteht, den Zyklus zu regulieren, können wir mit Hormonen eingreifen, auch mit der Antibaby-Pille“, erläutert Weiss. Häufig wird eine Kombination aus medikamentöser und minimal-invasiver operativer Therapie eingesetzt. Dank moderner chirurgischer Verfahren sind die Eingriffe dabei heute schonend und mit kleinsten Schnitten. „Neben den ärztlichen Therapien spielen auch die psychosoziale Betreuung der Patientinnen und die Rehabilitation eine große Rolle“, so Prof. Runnebaum. „Eine Konzentration der Behandlung an Zentren trägt daher viel dazu bei, die Versorgung der betroffenen Frauen zu verbessern.“

17. November 2010, 17.00 Uhr
„Abendkolloquium Endometriose“,
Hörsaal der Frauenklinik am Universitätsklinikum Jena, Bachstraße 18

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ingo B. Runnebaum
Direktor der Abteilung Gynäkologie, Frauenklinik, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/933063
E-Mail: direktion-gynmed.uni-jena.de

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