Häufiger Schlaganfälle in Ludwigshafen und bei Grippewellen

Das Risiko für einen Schlaganfall ist nicht in allen Regionen Deutschlands gleich hoch. Für Menschen in Ludwigshafen ist es für erstmalige Schlaganfälle höher als anderswo in Deutschland – auch schon in jüngeren Lebensjahren. So lautet das Ergebnis der mehrjährigen Forschungsarbeiten von Privatdozent Dr. med. Frederick Palm, Oberarzt an der Neurologischen Klinik des Städtischen Klinikums Ludwigshafen. Warum gerade die Menschen in Ludwigshafen so häufig der Schlag trifft, liege u.a. am nicht ausreichend behandelten Vorhofflimmern, einem wichtigen Risikofaktor für einen Schlaganfall durch Gefäßverschluss. Hier könne die Schlaganfallprävention ansetzen, denn der Schlaganfall sei angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung ein zunehmendes menschliches, medizinisches und gesellschaftliches Problem, so der Neurologe. „Die Ergebnisse sind vermutlich auch auf andere Regionen in Deutschland übertragbar.“ Für seine Forschungsarbeit wird er morgen mit dem Robert Wartenberg-Preis 2015 der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ausgezeichnet.

Der Robert Wartenberg-Preis ist mit 5000 Euro dotiert und wird am 27. Februar 2015 von der Kommission Leitende Krankenhausärzte der DGN in Kassel verliehen. Die neurologischen Chefärzte in Deutschland finanzieren diesen Preis für junge Neurologen, die an nichtuniversitären Krankenhäusern klinisch relevante Forschung betreiben. „Dies trifft in idealer Weise auf Privatdozent Dr. Palm zu, der seine Forschung über Jahre bis zur Habilitation an der Neurologischen Klinik des Städtischen Klinikums Ludwigshafen durchgeführt hat“, so Prof. Dr. Peter Berlit, Sprecher der Kommission.

Häufige Schlaganfälle durch Gefäßverschluss bei Jüngeren

In der Ludwigshafener Schlaganfallstudie – einem von Dr. Palm aufgebauten, bevölkerungsbasierten Schlaganfallregister – sammelte der Neurologe die Daten von Schlaganfallpatienten, die in der rund 167.000 Einwohner zählenden Stadt am Rhein lebten. Seit 2006 wurden durch Kooperation mit allen Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten jährlich alle Patienten mit Schlaganfällen und transitorisch ischämischen Attacken (TIA) – das sind vorübergehende Durchblutungsstörungen des Gehirns – erfasst. „Wir haben alle Schlaganfallfälle in der Region dokumentiert – ein solches bevölkerungsbasiertes Schlaganfallregister gibt es in ganz Deutschland nur noch in Erlangen“, erklärt Preisträger Palm. „Schlaganfallregister eignen sich gut, um Versorgungslücken in Deutschland zu identifizieren.“

Umgerechnet auf die europäische Normalbevölkerung erlitten 125 von 100.000 Einwohnern in Ludwigshafen einen erstmaligen ischämischen Schlaganfall. Zum Vergleich: Erlangen kommt auf 106, London auf 86 und Dijon auf 87 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner. Im internationalen Vergleich traten vor allem bei den Jüngeren zwischen 45 und 64 Jahren mehr ischämische Schlaganfälle auf. Bei einem ischämischen Schlaganfall verstopft ein Blutgerinnsel eine Hirnarterie, da es, ausgelöst durch Vorhofflimmern(VHF), vom Herzen aus in Richtung Gehirn wandert.
Die Analyse zeigte, dass in Ludwigshafen Optimierungsbedarf bei der vorbeugenden medikamentösen Therapie mit Blutgerinnungshemmern bei VHF-Patienten besteht. „Wir haben Ärzte und Patienten anschließend intensiv über diese Präventionsmöglichkeit aufgeklärt“, sagt Palm. „Jetzt müssen wir abwarten, wie sich dies auswirkt.“

Entzündungen, Infektionen und die Jahreszeit mit Einfluss?

Interessant war auch, dass es im Winter und Frühjahr mehr Schlaganfälle gab, sowohl durch Gehirnblutungen als auch durch den Verschluss von Blutgefäßen. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Blutdruck saisonal schwankt und in den Wintermonaten deutlich höher ist. Ein Bluthochdruck ist eine häufige Ursache für den Schlaganfall durch Hirnblutung. Bei den Patienten mit ischämischen Schlaganfällen fand Palm erhöhte Leukozytenzahlen in den Wintermonaten. Dies deutet darauf hin, dass auch entzündliche Prozesse und akute Infektionen eine Rolle spielen. „Auch bei einer Grippewelle steigt die Schlaganfallhäufigkeit“, weiß Palm. Daran sowie an genetischen und sozioökonomischen Faktoren forscht der Oberarzt jetzt weiter. Sein Wunsch für die Zukunft: Die Versorgungssituation von Schlaganfallpatienten hinsichtlich der Vorbeugung und Therapie zumindest auf lokaler Ebene zu verbessern. Und: Das Schlaganfallregister nochmals aufleben zu lassen, um die möglichen Auswirkungen einer verbesserten Versorgung messen zu können.

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen

Priv.-Doz. Dr. med. Frederick Palm
Oberarzt an der Neurologischen Klinik des Städtischen Klinikums Ludwigshafen
E-Mail: , Tel.: +49 (0) 621 503-4260

Pressestelle der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
albertZWEI media GmbH, Englmannstr. 2, 81673 München
E-Mail: , Tel.: +49 (0) 89 46148622

Pressesprecher: Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener, Essen

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