Gynäkologische ONKOLOGIE – NOGGO diskutiert Studienergebnisse nach dem ASCO 2016

NOGGO e.V. - 17. UPDATE GYNÄKOLOGISCHE ONKOLOGIE 2016

Bereits zum 17. Mal trafen sich Mitglieder des NOGGO zum „Update Gynäkologische Onkologie“, um aktuelle Studienergebnissen und ihre Einbindung in neue Therapiestrategien zu diskutieren. Auslöser der Diskussionen waren aktuelle Daten, die auf dem amerikanischen Krebskongress vorgestellt wurden.

Im Fokus standen bei den Ergebnissen innovative Therapieansätze zur personalisierten Therapie des Mammakarzinoms und die Behandlung von gynäkologischen Tumoren wie dem Ovarialkarzinom sowie Vulvakarzinom. Referate über Checkpointinhibitoren zu PARP, PD-1 und PDL-1 sowie CDK4/6 wurden ebenso erörtert wie die Frage, inweit Therapiestrategien mit Substanzen dieser Wirkstoffgruppen zu einer Verbesserung der Endpunkte Langzeitüberleben, Progressionfreies-Überleben und Lebensqualität beitragen.

Mammakarzinom - 17. NOGGO-Update Gynäkologische Onkologie

Prof. Dr. med. J. Jehouli über gynäkologische Tumoren

Wir haben einige Take-Home-Messages der Veranstaltung zusammengestellt:

Prof. J. Sehouli (Berlin)
Bei der Therapie des metastasierten Ovarialkarzinoms sind nicht nur die First-Line- und Second-Line-Therapieansätze von Interesse sondern auch die Diskussion über das Follow-up, da diese Patientinnen häufig bis zu 6-Therapielinien durchlaufen.

Prof. J. Pfisterer (Kiel)
Beim Ovarialkarzinom erweisen sich weder das Lebensalter noch der histologischer Subtyp als prädictiv für das Vorliegen genetischer Veränderungen.

Prof. S. Mahner (München)
Für das fortgeschrittene metastasierte Zervixkarzinom erweist sich Bevacizumab in Kombination mit Cisplatin und Paclitaxel als Standardtherapie.

Beim Vulvakarzinom zeigt die Auswertung der AGO CaRE-Studie für Patientinnen mit Lokalrezidiv eine deutlich eingeschränkte Prognose.  Eine optimale Primärtherapie gewinnt hierdurch entscheidend an Bedeutung, damit ein Rezidiv erst gar nicht entsteht.

PD Dr. Sherko Kümmel (Essen)
Wenn in Wächterlymphknoten Krebszellen nachgewiesen werden, bestätigen 10-Jahresdaten, dass beim frühen Stadium des Mammakarzinoms im Rahmen einer brusterhaltenden Therapie die Axilladissektion zu keinen Vorteilen führt.

Prof. M. Untch (Berlin)
Bei Her2+-Patientinnen bleibt das Metastasierungs-Risiko beim Mammakarzinom auch nach fünf Jahren bestehen. Daher ist es wichtig, mit klinischen Predictoren und Multigen Assays das Risiko möglichst genau für eine endokrine Therapiestrategie bestimmen zu können.

NOGGO mit zwei wegweisenden Studien auf dem amerikanischen Krebskongress (ASCO) vertreten

Auf dem amerikanischen Krebskongress, der mit fast 40.000 Teilnehmern nicht nur das weltweit größte, sondern auch das bedeutendste Forum der Krebsmedizin ist, präsentierte die NOGGO e. V. (Nord-Ostdeutsche Gesellschaft für Gynäkologische Onkologie) der internationalen Fachwelt gleich mit zwei Studien:

Erstmals läßt sich ein Überlebensvorteil für Frauen mit einem sogenannten platinresistenten Ovarial-, Tuben- oder Peritonealkarzinom mit einer neuartigen Krebsmedikamentenkombination belegen. Im Rahmen einer großen Studie aus Deutschland [1] mit einer Kombination aus einem spezifischen Chemotherapeutikum, welches aus der Pflanze Camptotheca acuminata gewonnen wird, und einem spezifischen Multi-Kinase-Hemmer wurde die Wirksamkeit im direkten Vergleich mit der Standardtherapie mit dem Multi-Kinase-Hemmer bei Patientinnen mit platinresistentem rezidiviertem Ovarialkarzinom verglichen. Unter dem sog. platinresistenten Ovarialkarzinom versteht man, dass der Tumor unter oder kurz nach einer platinhaltigen Standardchemotherapie wieder gewachsen (progredient) war. Bisher konnte für diese Therapiesituation noch kein Vorteil für das Gesamtüberleben durch eine Krebstherapie gezeigt werden.

Primärer Endpunkt der vorgestellten Studie war das progressionsfreie Überleben, als sekundärer Endpunkt wurde das Gesamtüberleben untersucht. Wie sich im Ergebnis eindrucksvoll zeigte, profitierten die Patientinnen von der Kombinationstherapie mit dem Multi- Kinase-Hemmer in Bezug auf das progressionsfreie Überleben und im Hinblick auf das Gesamtüberleben.

Die zweite NOGGO-Studie [2], die in Chicago vorgestellt wurde, war eine prospektive Untersuchung zum Einfluss des Ernährungsstatus auf den Therapieerfolg bei Patienten mit Ovarial-, Tuben oder Peritonealkarzinom. „Diese Studie ist insofern wegweisend, da sie keine Behandlungsregime vergleicht, sondern einen von den Patienten mitunter selbst beeinflussbaren Risikofaktor untersucht“, so Sehouli. Die Studie zeigte im Ergebnis, dass die Mangelernährung (Malnutrition) ein unabhängiger und bisher sowohl klinisch als auch wissenschaftlich ungenügend beachteter unabhängiger Prädiktor einer inkompletten Zytoreduktion ist und darüber hinaus mit einem schlechteren Überleben einhergeht. „Zwar deckt sich letzteres mit unserer klinischen Erfahrung, aber letztlich war es für uns doch überraschend zu sehen, dass der Ernährungsstatus direkt mit der Zytoreduktion korreliert. Das ist eine wichtige Erkenntnis, die unterstreicht, dass der Erfolg der Krebstherapie nicht nur von Medikamenten abhängt, sondern dass wir den Patienten im Ganzen im Blick haben müssen. Möglicherweise erreichen wir mit supportiven Maßnahmen, wie einer Ernährungstherapie, mehr Erfolge, als wir bislang angenommen haben. Es ist daher von großer Wichtigkeit, dass sich Forschungsorganisationen wie die NOGGO e.V. solchen Fragen annimmt, an denen die Industrie kein Forschungsinteresse hat.

Hormontherapie beim Ovarialkarzinom

Eine weitere auf dem ASCO vorgestellte Studie [3] verglich die hormonelle Erhaltungstherapie bei Patientinnen mit serösen low-grade-Karzinomen im Stadium II-IV mit dem therapiefreien Intervall, der bisher Behandlungsstandard ist, nach Standardtherapie (zytoreduzierende Operation und platinbasierte Chemotherapie). Wie sich zeigte, verbesserte sich das progressionsfreie Überleben signifikant unter Hormonerhaltungstherapie und das Rückfallrisiko schien geringer. Da es sich um eine retrospektive Kohortenstudie handelte, muss das Ergebnis aber erst prospektiv validiert werden, bevor es den derzeitigen Therapiestandard beeinflussen kann.

[1] Jalid Sehouli, Felix Hilpert, Sven Mahner et al. Topotecan (T) ± sorafenib (S) in platinum- resistant ovarian cancer (PROC): A double-blind placebo-controlled randomized NOGGO–AGO intergroup Trial—TRIAS. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5522) http://meetinglibrary.asco.org/content/169468-176

[2] Jalid Sehouli, Paulina Ali, Elena Ioana Braicu et al. The impact of preoperative malnutrition on surgery outcome and overall survival in ovarian or peritoneal cancer patients: A prospective study. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5574) http://meetinglibrary.asco.org/content/170921-176

[3] David Marc Gershenson, Diane C. Bodurka et al. Hormonal maintenance therapy for women with low grade serous carcinoma of the ovary or peritoneum. J Clin Oncol 34, 2016 (suppl; abstr 5502)

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