Gute Aussichten für Allergiker – Prof. Dr.-Ing. Klaus Böhm erhält Innovationspreis 2013

Die während der letzten drei Jahren entstandene Lösung besteht aus dem Personal Pollen Sampler und der Personal Pollen Sampler App. Der Pollensammler ist ein kleines Gerät, welches Allergiker vielleicht schon in naher Zukunft am Körper tragen können. Es erfasst in konfigurierbaren Abständen die in der direkten Umgebungsluft vorhandenen Pollen, indem es diese auf einem Streifen mit haftendem Material sammelt. Der Streifen wird in einer Kassette des Geräts in regelmäßigen Abständen weiter transportiert, wodurch ein chronologisches Pollenprofil entsteht. Parallel dazu speichert das Gerät ergänzende Daten wie geografische Position, Luftdruck, Feuchtigkeit und Temperatur.

Mit Hilfe der Sampler App trägt jeder Allergiker die subjektiv empfundene Stärke von Symptomen bei Nase, Bronchien und Augen in eine Art Tagebuch ein und speichert diese in einem zentralen Service. „Unser Ziel ist es, körperliche Symptome mit Pollenkonzentrationen in Verbindung zu setzen und damit einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Effizienz und Verbesserung der Qualität in klinischen Studien und personalisierten Therapien zu leisten“, so Böhm.

Die Idee, die der in der Kooperation entstandenen Entwicklung zugrunde liegt, entstand bereits vor mehr als sechs Jahren. Damals stellte Böhm im Internet eine Art digitales Beschwerdetagebuch mit räumlichem Bezug zur Verfügung. Allergiker konnten sich mit Ortsangabe anmelden und beschreiben, worunter sie gerade leiden. “Daraus sollte eine Art soziales Netzwerk von und für Allergiker entstehen.“ Böhms Absicht war, diese persönlichen Beschwerden mit den Polleninformationen des Deutschen Wetterdienstes zu korrelieren. Die Sache hatte jedoch einen entscheidenden Haken: die verfügbaren Polleninformationen waren Vorhersagen, welche auf nur 45 Messtationen in ganz Deutschland basierten. Die Werte für Gebiete ohne Messtationen – beispielsweise ganz Rheinland-Pfalz – sind Näherungswerte. Sie waren daher kaum belastbar. Vom Vorstandsvorsitzenden der „Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst“ kam der Hinweis, eine Möglichkeit zur personalisierten Pollenaufzeichnung zu suchen. Dies war der Beginn der Zusammenarbeit zwischen Professor Böhm und seinem ehemaligen Studenten Torsten Sehlinger, der sich zu dem Zeitpunkt bereits mit der Bluestone Technology GmbH selbstständig gemacht hatte. Während Sehlinger den Pollen-Sammler entwickelte, arbeitete Böhm die Software, also die Sampler App, weiter aus. „Es freut mich besonders, dass diese zukunftsweisende Entwicklung in Zusammenarbeit mit einem sehr geschätzten ehemaligen Studenten entstanden ist.“

Als nächste Schritte sind die Überführung der Prototypen in Produkte sowie deren Vermarktung geplant. Dies wird federführend durch die Bluestone Technology GmbH und deren Partner erfolgen. Zunächst soll das System in klinischen Studien genutzt werden. Anschließend ist der Einsatz für niedergelassene Allergologen geplant.

Zu Prof. Dr. Klaus Böhm
Prof. Dr. Klaus Böhm, geboren 1965 in Bensheim, studierte von 1985 bis 1991 Informatik an der Technischen Universität Darmstadt.
Von 1991 bis 1995 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für Graphische Datenverarbeitung in Darmstadt tätig und promovierte 1996 mit dem Thema „Ein generisches 3D-User Interface Toolkit mit Verfahren zur Gebärdenerkennung“.
Von 1995 bis 1998 leitete Dr. Böhm die Forschungs- und Entwicklungsabteilung „Intelligente Online Dienste“ im Zentrum für Foren in der grafischen Datenverarbeitung e. V. (ZGDV), ebenfalls in Darmstadt.
Seit 1998 lehrt Prof. Dr. Böhm an der Fachhochschule Mainz in der Fachrichtung Geoinformatik und Vermessung. Von August 2004 bis Juli 2005 war er Visiting Professor am Peter Kiewit Institute – PKI (Omaha Nebraska, USA) und Lead Scientist bei OGM Laboratory LLC (Omaha, Nebraska, USA). Er gründete 1998 die Firma health&media GmbH, deren Schwerpunkt auf der Entwicklung von innovativen online-Anwendungen im Gesundheitswesen liegt. Seit 1999 ist Dr. Böhm Gutachter von EU-Forschungsprojekten; hier war er im 5., 6. und 7. Rahmenprogramm tätig.

Zum Innovationspreis
Der Innovationspreis wird zum 26. Mal verliehen und ist einer der ältesten derartigen Preise in Deutschland. Die Landesregierung zeichnet innovatives Handeln insbesondere bei kleinen und mittelständischen Unternehmen aus. Ausgezeichnet werden innovative Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen, die von Unternehmern aus Rheinland-Pfalz im Land entwickelt, gefertigt, eingesetzt und noch nicht oder erst seit kurzen am Markt verfügbar sind.
Der Innovationspreis wird jährlich gemeinsam vom rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium und den Arbeitsgemeinschaften der Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern in Rheinland-Pfalz ausgelobt.

Wirtschaftsministerin Eveline Lemke hat am 3. Dezember 2013, um 15 Uhr sieben Preise und zwei Anerkennungen im Zentrum für Ernährung und Gesundheit, St.-Elisabeth-Straße 2, 56073 Koblenz verliehen.

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