Gut verpackt ans Ziel

Bei den meisten behandelbaren Krankheiten ist eine medikamentöse Therapie die erste Wahl. „Der Wirkstoff allein ist jedoch nicht genug – er muss mit den richtigen Hilfsstoffen und in der korrekten Dosis verabreicht werden, um den maximalen Nutzen bei minimalem Risiko unerwünschter Arzneimittelwirkungen zu erzielen“, sagt Prof. Dr. Paola Luciani von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. „Eine Möglichkeit, das therapeutische Profil von Medikamenten zu verbessern, ist der zielgenaue Transport des Wirkstoffs an den Ort, wo er seine Wirkung entfalten soll“, so die neue Professorin für Phospholipide in der Arzneimittelentwicklung. „Dadurch wird verhindert, dass sich der Wirkstoff frei im Körper verteilt und an Orte gelangt, wo er unerwünschte Effekte verursachen kann.“ Zudem lasse sich durch diese Strategie auch die Dosis minimieren.

Prof. Luciani, die seit diesem Semester an der Jenaer Uni lehrt und forscht, möchte Transportsysteme entwickeln, die Arzneistoffe „verpacken“ und erst dann kontrolliert freisetzen, wenn diese ihr Ziel im Körper erreicht haben. Als Grundlage dafür nutzt die Chemikerin Phospholipide – Fette, die in praktisch allen Organismen vorkommen und Hauptbestandteil der Zellmembranen sind.

Das besondere an diesen Molekülen sind ihre zwei unterschiedlichen Pole: Während sich ein Molekül-Teil gut in Wasser löst, sind andere Molekülketten wasserabweisend. Aufgrund dieser typischen Struktur ordnen sich Phospholipide in Wasser immer auf die gleiche Art und Weise an: Sie bilden kleine, mit Flüssigkeit gefüllte Vesikel. „Sowohl das Innere dieser Vesikel als auch die Lipidhülle eignen sich, um Wirkstoffe aufzunehmen, die so gut verpackt an ihren Zielort transportiert werden können“, macht Paola Luciani die Vorteile deutlich. Diese Transportsysteme könnten in der Therapie und Diagnostik von verschiedenen Krankheiten, beispielsweise Krebs, fibrotische und entzündliche Erkrankungen, zum Einsatz kommen.

Ziel der wissenschaftlichen Arbeit von Prof. Luciani ist es, nicht nur Phospholipid-Vesikel – sogenannte Liposomen – als mögliche Arzneistoff-Carrier zu entwickeln, sondern diese auch für diagnostische Anwendungen nutzbar zu machen, in dem diese etwa Kontrastmittel für bildgebende Verfahren transportieren. „Dabei geht es beispielsweise um Möglichkeiten, reaktive Radikale nachzuweisen, die für eine ganze Reihe von Erkrankungen verantwortlich sind“, sagt die 38-jährige Italienerin.

Paola Luciani hat in ihrer Heimatstadt Rom Chemie der biologischen Systeme studiert und wurde von der Universität „La Sapienza“ im Jahr 2006 promoviert. Nach einem Aufenthalt als Forschungsstipendiatin an der Universität Florenz wechselte sie 2008 als Postdoc an die ETH in Zürich. Dort betreute sie ab 2012 als Gruppenleiterin mehrere Forschungsprojekte und Doktoranden im Bereich der Arzneimittelformulierung, bevor sie nun als Professorin an die Uni Jena kam. „Die Pharmazie in Jena hat einen guten Ruf“, unterstreicht Luciani diesen Schritt. Bereits vor ihrer Berufung habe sie die Forschungsarbeiten der Jenaer Fachkollegen verfolgt und knüpfe nun Kontakte auch über das Institut hinaus.

Auch in die Lehre ist sie bereits fest eingebunden. Besonders positiv sei ihr erster Eindruck vom Engagement der Jenaer Studierenden, vor allem da sie als bislang einzige Dozentin ihres Instituts Vorlesungen und Seminare ausschließlich in englischer Sprache anbietet. Neben der Mehrsprachigkeit hat Prof. Luciani ein weiteres neues Element in das Studium eingebracht: Sie ergänzt ihre Lehrveranstaltungen durch E-Learning Einheiten, die den Studierenden die Möglichkeiten geben, ihr Wissen selbstständig zu überprüfen und der Dozentin Rückmeldung zu geben. „Die Studierenden scheinen bislang sehr positiv auf diese neuen Lernmethoden zu reagieren“, freut sich Luciani.

Kontakt:
Prof. Dr. Paola Luciani
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lessingstraße 8, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 949901
E-Mail: Paola.Lucianiuni-jena.de

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