Großer Verlust für Uni Ulm: Professor Karl Lenhard Rudolph wechselt nach Jena

„Die Hauptgründe hierfür sind die enormen Gestaltungsmöglichkeiten am Standort Jena. Durch gezielte Berufungspolitik und Einbindung der bestehenden Expertise ist es dort realistisch möglich, das FLI zu einem international führenden Institut auf dem Gebiet der Alternsforschung weiterzuentwickeln“, begründete der 42-Jährige seine Entscheidung, die am Wochenende gefallen sei. Er werde sich insbesondere dafür einsetzen, den bestehenden Fokus des FLI in den Bereichen Stammzellalterung und Genomintegrität zu verstärken. Diese beiden Themenbereiche seien sowohl für das Nachlassen von Organfunktionen als auch das exponentiell ansteigende Krebsrisiko im Alter von grundlegender Bedeutung. „Die Entscheidung, nach Jena zu gehen, ist keine Entscheidung gegen den Standort Ulm“, machte Rudolph in diesem Zusammenhang deutlich. Die Forschungsschwerpunkte an der Uni Ulm haben sich aus seiner Sicht in eine sehr zukunftsweisende Richtung entwickelt und „es ist mein ausgesprochenes Ziel, Ulm in überregionalen Verbundprojekten erhalten zu bleiben.“
Der auch international höchst angesehene Experte für die Alterung von Stammzellen war im Herbst 2007 von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) nach Ulm berufen und ein Jahr später mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft ausgezeichnet worden, neben weiteren hochkarätigen Ehrungen zuletzt am vergangenen Freitag auch mit dem Wilhelm-Vaillant-Preis.
„Wir verstehen die Entscheidung, die wir gleichwohl sehr bedauern“, kommentierte Universitätspräsident Professor Karl Joachim Ebeling die Wechselabsicht Professor Rudolphs, in Ulm derzeit noch Direktor des Instituts für Molekulare Medizin und Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe für Stammzellalterung. „Mit ihm verlieren wir ohne Frage einen Top-Leistungsträger, der hier in den vergangenen Jahren durch exzellente Arbeit überzeugt und das Forschungsprofil im wichtigen Bereich der Lebenswissenschaften entscheidend geprägt hat.“ Insofern sei die Universität Ulm Professor Rudolph „zu großem Dank verpflichtet“.
Auch deswegen habe die Uni dem umworbenen Wissenschaftler „ein durchaus wettbewerbsfähiges Bleibeangebot unterbreitet“, betonte Ebeling. „Dabei sind wir gemeinsam mit dem Klinikum und der Medizinischen Fakultät bis an die Grenze des Mach- und Vertretbaren gegangen. Letztendlich konnten wir jedoch nicht mit den Möglichkeiten, die das Fritz-Lippmann-Institut als Einrichtung der Leibniz-Gemeinschaft bietet, konkurrieren. Dies bestätigt einmal mehr, dass der Standort Ulm ohne die Ansiedlung großer außeruniversitärer Forschungsinstitute insbesondere auch in der Medizin einen klaren Wettbewerbsnachteil hat.“ Zu den möglichen Folgen für die künftige Ausrichtung der Ulmer Uni auf diesem Gebiet wollte sich der Präsident spontan nicht äußern: „Darüber werden wir in den zuständigen Gremien reden müssen.“

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